Ein Bündel mit Umhüllungen für Glasfaserkabel. Wann, und in welchem Umfang die den Notweg in Kirchhörde erreichen, ist noch völlig unklar. © picture alliance/dpa
Notweg

Schnelles Internet? Fehlanzeige, Anwohner müssen auf Feinplanung warten

Anwohner des Notwegs hätten gerne schnelles Internet. Doch scheinbar willkürlich ist das schnelle Netz für manche Haushalte nah – oder nicht realisierbar. Die Stadt versucht, zu erklären.

Schnelles Internet ist ein Traum vieler Dortmunder. Öffentlichkeitswirksam wurde im Sommer 2021 der Vertrag zwischen der Stadt Dortmund und Dokom geschlossen. Es sollte richtig losgehen mit dem Highspeed-Internet. Rund 48,5 Millionen Euro kommen dafür aus dem Bundesförderprogramm Breitband. Dazu kommen die Landesförderung von 40 Prozent und der kommunale Eigenanteil. Insgesamt stehen rund 97 Millionen Euro zur Verfügung.

Das rief in Kirchhörde auch Michael Hanitz auf den Plan. Denn auch er hätte gerne schnelles Internet zuhause. Er recherchierte nicht nur für sich, sondern für gleich seine Nachbarn mit. Und stellte dabei für die Anwohner des Notwegs Merkwürdiges fest. „Wie kann es sein, dass ein Anschluss zum Beispiel in Hausnummer 19 machbar ist, in 19 a nicht und wiederum in 19 b wieder doch? Reicht das Geld, nicht, oder ist das ein Versehen“, fragte sich Michael Hanitz.

Paradebeispiel für die bisher recherchierten Anschlussoptionen: Bei diesen Reihenhäusern ist die Nummer 19 anschließbar ans schnelle Netz, Nummer 19 a nicht, 19 b hingegen soll es wiederum sein.
Paradebeispiel für die bisher recherchierten Anschlussoptionen: Bei diesen Reihenhäusern ist die Nummer 19 anschließbar ans schnelle Netz, Nummer 19 a nicht, 19 b hingegen soll es wiederum sein. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Stadt antwortet mit Verzögerung

Es dauerte bis zum 8. Oktober, bis die Stadt auf eine Anfrage unserer Redaktion vom 28. September antwortete. Dann erklärt sie das scheinbare Durcheinander der schnellen Internet-Anschlüsse so: „Zum einen kann es sich tatsächlich um Ungenauigkeiten im Rahmen einer Grobplanung handeln. In anderen Fällen kann es daran liegen, dass zu Beispiel eine Anschrift im Rahmen des Markterkundungsverfahrens knapp über der Aufgreifschwelle gemeldet wurde und die nächste Adresse knapp darunter.“

Der Notweg ist nur eine kleine Straße. Groß ist allerdings das Aufkommen an Fragen, das die Anlieger in Sachen Breitbandausbau haben.
Der Notweg ist nur eine kleine Straße. Groß ist allerdings das Aufkommen an Fragen, das die Anlieger in Sachen Breitbandausbau haben. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

Mit „Angreifschwelle“ ist eine bestimmte Übertragungsgeschwindigkeit gemeint. Ist die geringer, greift der Ausbauplan. Im Ausbauprogramm wurde die Aufgreifschwelle „im Breitbandnetzausbau bei einer Übertragungsgeschwindigkeit im Download bei 30 Mbit/s“ definiert. Anwohner Michael Hanitz hält diese Erklärung im konkreten Fall des Notwegs für nicht brauchbar. „Im Notweg“, so sagt er, „liegen alle Häuser unter dieser definierten Grenze.“

Eine anderer Erklärungsversuch der Stadt: „Eine Straße könne von unterschiedlichen Kabelverzweigern versorgt werden, sodass unterschiedliche Adressen auf derselben Straße je nach Anbindung unterschiedliche Versorgungen aufweisen können.“

Warten auf Konkretes, Warten auf die Feinplanung

Den Anwohnern des Notwegs hilft das konkret nur wenig weiter. Da ist es auch kein Trost, dass der Stadtbezirk Hombruch mit seinen insgesamt 417 weißen Flecken im Vergleich zu anderen Stadtteilen „gemäß der offiziellen Daten als einer der besten versorgten Stadtteile gilt“, so Stadt-Pressesprecher Michael Meinders.

Wenig Konkretes gab es auch auf die Frage, wo demnächst im Stadtbezirk neue Kabel verlegt werden. Das werde sich im Rahmen der „Feinplanung“ ergeben. Der Baufortschritt könne aber im „Glasfaser-Blog“ auf der Internetseite von Dokom21 verfolgt werden. Die ist in Dortmund für den Netzausbau zuständig. „In naher Zukunft“ werde auch eine entsprechende Karte hinterlegt.

Gearbeitet werde nach dem vorgegebenen Konzept des Bundes. Nach welchen Prioritäten, auch das beantwortet die Stadt eher halbherzig: Da eine Vielzahl von Parametern und Abstimmungen über einen Baubeginn entschieden, könne man hierzu keine eindeutige Antwort geben. Nur soviel: „Cluster mit Schulstandorten stehen in der Betrachtung in einem besonderen Fokus.“

Eine Schule haben sie im Notweg leider nicht in ihrer Nachbarschaft; nur ein Seniorenheim. Das zieht in wenigen Wochen zum Luisenglück. Ob die neuen Nachbarn dann schnelles Internet haben, ist fraglich. Vielleicht bringt die Feinplanung ja bald Klarheit für den potentiellen Investor.

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Redaktion Dortmund
Leben erleben, mit allem was dazugehört, das ist die Arbeit in einer Lokalredaktion, und das wird auch nach mehr als 30 Jahren niemals langweilig, in der Heimatstadt Dortmund sowieso nicht. Seriöse Recherche für verlässliche Informationen ist dabei immer das oberste Gebot.
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Britta Linnhoff