In einigen Häusern an der Gartenstraße in Holzen stand das Wasser im Juli 1,80 Meter hoch. Städtisch geplanter Hochwasserschutz wurde hier bereits nach den Starkregenereignissen im Jahr 2008 versprochen. © picture alliance/dpa
Starkregen in Dortmund

Schutz gegen Hochwasser wurde „ein Jahrzehnt von der Verwaltung verschleppt“

Wie wappnet sich Holzen gegen Hochwasser? Die Starkregenereignisse im Juli haben gezeigt: An der Gartenstraße muss etwas passieren und zwar schnell. Dabei ist das Problem seit 2008 bekannt.

Die Starkregenereignisse im Juli liegen inzwischen zweieinhalb Monate zurück. Für die Dortmunder, die von den Überschwemmungen betroffen waren, bleibt das Datum (14.7.) jedoch fest im Gedächtnis.

In Holzen im Dortmunder Süden haben viele Anwohner der Gartenstraße nicht nur in diesem Jahr, sondern bereits 2008 einen Großteil ihres Hab und Guts verloren. Vor 13 Jahren trat die Bachaue des „Krummen Peter“ über die Ufer, unterspülte die Häuser und zerstörte in Kellern und Erdgeschossen die Einrichtung. Ähnliches war im Juli diesen Jahres zu beobachten.

Bereits 2008 hat die Ortspolitik in Hörde bauliche Maßnahmen gefordert, um eine erneute Überflutung an der Straße zu verhindern. Diese wurden nicht umgesetzt – bis heute. Dabei liegen gleich mehrere Anträge der Ortspolitik in Hörde vor, die in den vergangenen Jahren immer wieder auf die Dringlichkeit des Hochwasserschutzes vor Ort aufmerksam machten.

Bereits 2010 lief der Bachlauf des Krummen Peter nach erneutem Starkregen fast bis auf die Grundstücke der Anwohner an der Gartenstraße.

Auch aus dem Jahr 2016 und 2018 liegen Anträge aus der BV Hörde vor, in denen es um den
Auch aus dem Jahr 2016 und 2018 liegen Anträge aus der BV Hörde vor, in denen es um den „Krummen Peter“, der durch Holzen fließt, geht. © Oskar Neubauer © Oskar Neubauer

„Zustand auf Dauer nicht hinnehmbar“

In einem darauffolgenden Schreiben der damaligen Ortspolitik ist bereits herauszulesen, dass die zuständige Verwaltung mit den geplanten Maßnahmen gegen das Hochwasser in den Augen der Bezirksvertretung (BV) einen Zahn zulegen könnte.

„Dieser Zustand ist für die Anwohner auf Dauer nicht hinnehmbar. (…) Letztlich

sind aber mögliche Maßnahmen seitens der Stadt nicht absehbar bzw. auf das Jahr 2014 verschoben. Wir halten das für die Anwohner für unzumutbar und bitten um eine Überarbeitung der Priorisierung“, so schrieb der damalige Bezirksbürgermeister Sascha Hillgeris (SPD) bereits im Jahr 2010.

Doch auch die Jahre 2010 und 2014 verstrichen ohne eine städtische Maßnahme an der Gartenstraße. Die Anwohner indes hatten bereits nach 2008 zum Teil „umfangreiche Eigenmittel in die Sicherung ihrer Häuser investiert“, wie in dem Schreiben geschildert wurde.

Maßnahmen werden vielleicht erst 2023 umgesetzt

Dass diese privaten Investitionen keinen hundertprozentigen Schutz boten, war bereits damals klar. Im Juli 2021 wurde dies dann bewiesen, als der Krumme Peter erneut überlief – dieses Mal erneut mit teilweise verheerenden Folgen für die Anwohner vor Ort.

„Das Wasser stand 1,80 Meter hoch. Die Situation ist für die Menschen vor Ort existenzbedrohend“, fasste Werner Sauerländer (SPD) die Flutschäden bei der vergangenen BV-Sitzung im September zusammen.

Die Häuser wurden in diesem Jahr erneut massiv beschädigt, fast genau 13 Jahre nach den schweren Überflutungen im Jahr 2008. Die damals angedachten Baumaßnahmen zum Hochwasserschutz dagegen werden – nach aktuellem Stand – erst 2022 oder gar 2023 beginnen.

Überflutete Keller und untergespülte Häuser: Bereits 2008 war dies in Holzen zu sehen, im Juli diesen Jahres passierte es erneut.
Überflutete Keller und untergespülte Häuser: Bereits 2008 war dies in Holzen zu sehen, im Juli dieses Jahres passierte es erneut. © picture alliance/dpa (Symbolbild) © picture alliance/dpa (Symbolbild)

Wurden die Planungsmaßnahmen verschleppt?

Zu spät, wie die Ortspolitik in Hörde betont. Selten waren sich die einzelnen Fraktionen so einig: Die Maßnahmen müssen beschleunigt werden, und zwar dringend.

„Mindestens seit dem Starkregenereignis von 2008 bemühen sich die Anwohner bei den zuständigen Stellen der Verwaltung um eine Lösung des Problems. Auch die Bezirksvertretung Hörde hat in den vergangenen Jahren mehrfach auf die Dringlichkeit einer Lösung hingewiesen; faktisch ist jedoch das Problem ein Jahrzehnt von der Verwaltung verschleppt worden“, kritisiert ein aktueller Antrag der SPD.

Daher formuliert die Fraktion einen Appell an die Verwaltung: Die geplanten Zeiträume sollen überarbeitet werden und die einzelnen Schritte eine Beschleunigung erfahren.