Entwurzelte Bäume sind nicht Folge der anhaltenden Trockenheit, sondern in der Regel Sturmschäden. © Susanne Riese
Baumsterben

Totholz und Borkenkäfer: Försterin stellt dramatische Schäden fest

Die Bäume im Schwerter und Niederhofener Wald leiden großflächig unter den vergangenen trockenen und zu warmen Jahren. Försterin Andrea Lenke sagt: „Der Wald wird sich verändern.“

Der Blaue See ist nur noch ein Tümpel. Wo im Schwerter und Niederhofer Wald normalerweise Wasserlöcher, kleine Bäche oder zumindest Rinnsale zu finden waren, kräuselt sich nur noch trockenes Laub. Den Wäldern fehlt es unübersehbar an Wasser. Ist das der Grund, warum so viel totes Holz und so viele umgestürzte Bäume herumliegen? Vertrocknen unsere Wälder?

Die Dürre der letzten Jahre und die warmen Winter haben dem Wald derbe zugesetzt, das sagt auch Försterin Andrea Lenke, bei Wald und Holz NRW zuständig für den Forstbetriebsbezirk Dortmund. Die Forstbeauftragten fahren wöchentlich raus, um den Zustand der Wälder zu kontrollieren.

Der Ruhrverband hat zum zwölften Mal in Folge weniger Niederschlag gemessen als im langjährigen Mittel. Von April bis September fielen gerade einmal 58 Prozent der üblichen Regenmenge.

In Syburg sind trotz großflächiger Rodung noch viele abgestorbene Fichten zu sehen.
In Syburg sind trotz großflächiger Rodung noch viele abgestorbene Fichten zu sehen. © Susanne Riese © Susanne Riese

„Der schlechte Zustand der Bäume ist vor allem das Ergebnis der letzten beiden Jahre mit trockenen Sommern und schneefreien Wintern. Die Ressourcen konnten nicht aufgefüllt werden, dadurch haben die Bäume weniger Abwehrkräfte gegen Pilze und Schädlinge.“

So hatte vor allem der Borkenkäfer leichtes Spiel und hat die Fichtenbestände dramatisch reduziert, teilweise sogar vernichtet. „Bei knackigem Frost sterben die Käfer ab. Aber schon ab 14 Grad schwärmen sie aus, befallen die Bäume und bringen sie zum Absterben.“

Im Süden Dortmunds und in Schwerte hat der Borkenkäfer die Fichtenbestände fast komplett hingerichtet. Große Flächen wurden bereits gerodet.

Doch auch die Laubbäume leiden. Laut NRW-Umweltministerium seien nur 15 Prozent der Eichen gesund. „Man sieht die schütteren Kronen bei Eichen und auch bei Buchen“, sagt Andrea Lenke. Die Bäume hätten ihre Reserven langsam aufgebraucht.

Die geschwächten Laubbäume seien damit anfällig für Sturmschäden. „Die Kronen stehen wie Segel im Wind.“ Spröde und brüchig durch die Trockenheit können sie umstürzen, es brechen Äste ab oder der ganze Baum entzwei.

Große Teile des Waldgebiets im Dortmunder Süden sind krank oder zumindest geschwächt.
Große Teile des Waldgebiets im Dortmunder Süden sind krank oder zumindest geschwächt. © Janis Büse © Janis Büse

An den entwurzelten Bäumen, die an vielen Stellen im Wald zu sehen sind, sei die Trockenheit aber nicht schuld, sagt die Försterin. Ihren Halt verlören die Wurzeln eher, wenn es zu feucht und matschig wird.

Trotzdem führe eins zum anderen. „Das ist schwer für das Ökosystem Wald, aber es ist ein Zyklus, der auch eine Verjüngung mit sich bringt.“ Das System habe gute Selbsterhaltungskräfte. Der Wald werde nicht irgendwann weg sein, verspricht die Forst-Expertin. „In warmen Ländern gibt es ja auch Wald.“

Das Artenspektrum werde sich allerdings verändern. „Es wird einen anderen Wald geben.“ Dafür braucht es allerdings Geduld: Die Fachfrau rechnet mit 100 bis 150 Jahren, bis sich der Wald wieder erneuert hat.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Seit 2001 in der Redaktion Dortmund, mit Interesse für Menschen und ihre Geschichten und einem Faible für Kultur und Wissenschaft. Hat einen Magister in Kunstgeschichte und Germanistik und lebt in Dortmund.
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Susanne Riese