Die Speisekarte hängt noch in dem kleinen Schaukasten. Viele Speisen gingen wohl nicht aus der Küche. © Jörg Bauerfeld
Gaststättensterben

Traditionsgaststätte plötzlich zu: Laut Wirt ist nicht nur Corona schuld

Dass die Corona-Pandemie den Gastwirten zusetzt, ist mehr als verständlich. Nicht alle haben die Rücklagen für ein Durchhalten. Auch im Dortmunder Süden hat es ein Traditionshaus getroffen.

Es war lange ruhig in der Gaststätte an der Berghofer Straße – ein wenig zu ruhig. Im letzten Sommer, nach dem ersten Lockdown, tat sich noch etwas im Haus Heimsoth, der alten Traditionsgaststätte. Dann gingen die Rollos wieder runter.

Ein paar fragende Blicke der Berghofer, mehr Reaktion gab es erst einmal nicht. „Ist ja Corona, da ist einiges geschlossen, wird schon wieder aufmachen“, werden wohl die Gedanken dazu gewesen sein. Jetzt, im Februar 2021 ist klar: Das Haus Heimsoth wird erst einmal nicht wieder öffnen, zumindest nicht unter dem letzten Pächter.

Schlüssel wurde am 2. Februar 2021 zurückgegeben

„Ich habe gestern die Schlüssel zurückbekommen“, sagt Doris Heimsoth. Gestern, das war der Dienstag (2.2.). Die Besitzerin der Berghofer Gaststätte ist enttäuscht. „Nein, die haben nicht wirklich hierhin gepasst“, so ihr Fazit über die Pächter. Seit Mitte letzten Jahres sei Haus Heimsoth schon geschlossen gewesen. Jetzt seien die Pächter endlich raus.

Haus Heimsoth ist jetzt auch offiziell geschlossen. Der Pächter konnte die Pacht nicht mehr bezahlen.
Haus Heimsoth ist jetzt auch offiziell geschlossen. Der Pächter konnte die Pacht nicht mehr bezahlen. © Jörg Bauerfeld © Jörg Bauerfeld

Die, so die Besitzerin, hinterlassen nicht nur ein leeres Haus, sondern auch noch eine Menge Schulden. „Die haben zuletzt die Pacht einfach nicht mehr bezahlt“, sagt Doris Heimsoth.

Jetzt soll erst einmal die Pandemie vorbeigehen, dann wolle man sich wieder um die Vermietung kümmern. „Es soll auf jeden Fall eine Gaststätte bleiben“, sagt die Besitzerin. „Wir wollen weitermachen und dann muss es auch der Richtige sein.“

Das werden die Berghofer gerne hören, denn die Sorge ist groß, dass auch das Traditionshaus einem Neubau weichen muss. Schließlich passiert das derzeit vielerorts. Auch in Berghofen selbst sollen im Ortskern zwei alte Gebäude einem Neubau weichen. Soweit scheint es beim Haus Heimsoth noch nicht zu sein. Seit 1882 gibt es die Gaststätte in Berghofen – und nach Corona soll es dann weitergehen.

Pächter hatte die Gaststätte erst Ende 2019 übernommen

Aber was sagt der letzte Pächter zu dem plötzlichen Ende nach gerade einmal etwas über ein Jahr Haus Heimsoth? „Die Pacht war viel zu hoch, das ganze Dingen ist undicht. Wir hatten unglaubliche Heizkosten“, sagt Christian Miss. Der hatte mit seiner Frau erst im November 2019 die Gaststätte übernommen.

Lediglich ein paar Monate war die Gaststätte seit dem geöffnet. Gut, Corona trage auch Schuld an der Schließung, aber nicht nur. „Die Gäste waren alle älter, sind dann auch nicht mehr gekommen“, sagt Miss. „Es gibt in Berghofen für so eine alte Gaststätte keine Gäste mehr.“

Über den Autor
Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
Zur Autorenseite
Jörg Bauerfeld