2018 hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, um eine Bebauung in direkter Nachbarschaft des Hotels und Restaurants Lennhof zu verhindern. Eine Entscheidung über das Vorhaben ist noch immer nicht gefallen. © Jörg Bauerfeld
Starkregen in Dortmund

Wohnbebauung im Überschwemmungsgebiet: Bekommt die Politik jetzt nasse Füße?

Die Starkregenereignisse im Juli 2021 haben gezeigt, an welchen Orten man Wohnbebauung überdenken sollte. Im Stadtbezirk Hombruch ist so einer. Es kommen Zweifel auf.

Immer mehr Zweifel scheinen aufzukommen im Rat der Stadt Dortmund. Zumindest bei der SPD-Fraktion. Kann man nun auf einem Wiesengelände in Menglinghausen bauen oder nicht? Seit 2018 jagt ein Gutachten das nächste.

Während die städtische Politik krampfhaft an der Idee festhält, in dem Bereich zwischen der Menglinghauser Straße und der Straße Am Spörkel Wohnbebauung zu realisieren, hatten die Mitglieder der Bezirksvertretung schon geschlossen dagegen gestimmt. Die Naturschutzverbände im Übrigen auch. Und jetzt kam noch das Starkregenereignis im Juli 2021 hinzu, das doch eigentlich alle Baupläne hätte wegwischen müssen. Oder?

Rüpingsbach trat im Juli weit über seine Ufer

Der zukünftige Bauplatz stand knöcheltief unter Wasser, der Rüpingsbach wurde zu einem reißenden Fluss – und das nicht zum ersten Mal. „Unser Vorschlag, noch einmal ein Gutachten der Emschergenossenschaft einzufordern, wurde von unserer Ratsfraktion aufgegriffen“, sagt Markus Demtröder, Fraktionsvorsitzender der SPD in der BV Hombruch.

Das Hotel Lennhof bietet ein idyllisches Bild. Unmittelbar hinter dem Gebäude ist es mit Idylle vorbei. Dort liegt die Fläche, um die seit vielen Jahren gestritten wird.
Das Hotel Lennhof bietet ein idyllisches Bild. Unmittelbar hinter dem Gebäude ist es mit Idylle vorbei. Dort liegt die Fläche, um die seit vielen Jahren gestritten wird. © Britta Linnhoff © Britta Linnhoff

„Das Starkregenereignis in Westdeutschland im Juli dieses Jahres hat gezeigt, dass wir noch stärker als bislang die Folgen von Starkregenereignissen und anderen Folgen des Klimawandels bei der Stadtentwicklung berücksichtigen müssen. Wir haben uns daher dazu entschlossen, dass die Verwaltung auch noch einmal bei dem Bauprojekt Am Lennhofe die Gefahr für Überschwemmungen für das Baugebiet untersuchen soll“, so die Vorsitzende der SPD-Ratsfraktion, Carla Neumann-Lieven.

Jetzt will auch die Rastfraktion weiter prüfen lassen

Dabei steht natürlich die Frage im Raum, warum erst jetzt? Denn Bürger, Hombrucher Politiker und die Naturschutzverbände haben immer wieder auch vor solchen Überschwemmungen gewarnt.

„Das geplante Baugebiet liegt in einer Senke und hat sowieso schon Probleme mit dem Grundwasser“, sagt Demtröder. Der Boden sei schon so gesättigt, dass Wasser hier gar nicht mehr ablaufen kann. „Eine Aussage der Emschergenossenschaft aus dem Jahr 2009, dass ein vorgelagertes Regenrückhaltebecken ein Hochwasser verhindern könne, hat sich nicht bewahrheitet.“

Jetzt besteht bei der Hombrucher SPD die leise Hoffnung, dass sich der Ausschuss für Klimaschutz, Umwelt, Stadtgestaltung und Wohnen doch noch entschließt gegen eine Bebauung zu stimmen. Eigentlich sollte eine Entscheidung am 15. September fallen. Der Punkt ist jedoch geschoben worden. Jetzt wird weiter abgewartet – auf die nächsten Gutachten.

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Redaktion Dortmund
Jörg Bauerfeld, Redakteur, berichtet hauptsächlich in Wort, Bild und Ton aus dem Dortmunder Süden.
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