Die Schwester und Betreuerin eines Bewohners schildert ihren Ärger mit einem Dortmunder Seniorenheim. © Beate Dönnewald
Streit um Geld

Angehörige sauer auf Dortmunder Heim: „Ich habe zu lange blind vertraut“

Eine Dortmunderin macht ihrem Ärger über ein Dortmunder Seniorenzentrum öffentlich Luft. Seit einigen Jahren lebt ihr Bruder in diesem Heim. Es geht um Geld und „Schock-Füße“.

Die Dortmunderin Judith Geck ist schon seit über 30 Jahren der Vormund ihres fünf Jahre älteren Bruders Rüdiger N. In Frankreich hatte der heute 66-Jährige in den 1990er-Jahren einen schweren Autounfall. Er lebte dort eine Weile auf der Straße.

„Ich habe ihn nach Dortmund geholt“, sagt Judith Geck. Hier hätten die Ärzte ein „hirnorganisches Psychosyndrom“ festgestellt. „Durch die schwere Kopfverletzung hat er Probleme mit dem Kurz- und Langzeitgedächtnis. Mein Bruder vergisst alles“, erzählt die 61-Jährige. Erst im Juni 2020 verlängerte das Amts- beziehungsweise Betreuungsgericht Dortmund die Betreuung von Rüdiger N. durch seine Schwester.

Unstimmigkeiten auf dem Heimkonto

Seit mehreren Jahren lebt Rüdiger N. im Seniorenzentrum an der Volksgartenstraße in Lütgendortmund. Es gehört zu den Alloheim Seniorenresidenzen SE. „Ich habe dem Heim zu lange blind vertraut“, sagt die 61-Jährige. Beim Blick auf das Heimkonto ihres Bruders habe sie nämlich einige Unstimmigkeiten festgestellt, so Judith Geck.

Für Judith Geck ist diese Aufnahme vom 3.8.2021 der Beweis für eine mangelhaft ausgeführte Fußpflege. Am 3.7.2021 wurden dafür 35 Euro vom Heimkonto abgebucht.
Für Judith Geck ist diese Aufnahme vom 3.8.2021 der Beweis für eine mangelhaft ausgeführte Fußpflege. Am 3.7.2021 wurden dafür 35 Euro vom Heimkonto abgebucht. © Judith Geck © Judith Geck

„Da wurden regelmäßig Inkontinenzbeiträge abgebucht, obwohl mein Bruder gar nicht inkontinent ist“, so Judith Geck. Das wisse sie genau, weil Rüdiger N. oft bei ihr zu Besuch sei. „Weihnachten oder an seinem Geburtstag kommt er immer zu uns“, erzählt sie.

Inkontinenz-Beiträge „versehentlich abgebucht“

Insgesamt soll es laut Judith Geck um einen Betrag von 110 oder 120 Euro gehen. Die Alloheim Senioren-Residenzen SE bestätigt auf Anfrage dieser Redaktion „die versehentlichen Abbuchungen“. Gleichzeitig berichtet der Sprecher der Alloheim Senioren-Residenzen, „dass die Gutschrift an Frau Geck in Höhe von insgesamt rund 100 Euro bereits im Januar 2021 erfolgt ist“.

Judith Geck bestreitet gegenüber dieser Redaktion, diese Gutschrift erhalten zu haben. Deshalb baten wir bei den Alloheim Residenzen um einen Beleg für die Erstattung der fälschlicherweise abgebuchten Inkontinenzbeiträge.

Daraufhin erhielten wir folgende Antwort: „Wie auf der postalisch zugestellten schriftlichen Information zu den Gutschriften vermerkt, sollte Frau Geck das ausgewiesene Guthaben bei der nächsten Zahlung abziehen.“ Die Gutschrift sei somit zur Verrechnung mit künftigen Zahlungen ausgestellt.

„Keine Gutschrift erhalten“

Judith Geck bleibt bei ihrer Aussage: Sie habe weder eine Gutschrift noch eine schriftliche Information über die Verrechnung erhalten. „Außerdem muss ich keine Zahlungen an das Heim leisten. Wie und womit soll ich da etwas verrechnen?“

Diese Aufnahme stammt ebenfalls vom 3. August 2021. Judith Geck ärgert sich über den ungepflegten Zustand ihres Bruders.
Diese Aufnahme stammt ebenfalls vom 3. August 2021. Judith Geck ärgert sich über den ungepflegten Zustand ihres Bruders. © Judith Geck © Judith Geck

Das Guthaben werde Judith Geck nun wie gewünscht überwiesen, so der Alloheim-Sprecher gegenüber dieser Redaktion am 8. Oktober. „Der Zahlungseingang sollte in den kommenden Tagen erfolgen“, heißt es. Tatsächlich wurden Judith Gecks Ehemann 101 Euro am Mittwoch (13.10.) bar ausgezahlt. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass das ohne die Recherchen unserer Redaktion nicht in dieser Weise geschehen wäre.

Judith Geck fiel aber noch mehr auf. Zum Bespiel vermisst sie auf dem Heimkonto ihres Bruders die Corona-Hilfe in Höhe von 150 Euro, die das Sozialamt Unna für Rüdiger N. als Sonderzahlung Ende Juni 2021 auf das Konto der Pflegeeinrichtung überwiesen hatte. „Mittlerweile haben wir Oktober und das Geld ist immer noch nicht auf dem Konto meines Bruders. Das geht doch nicht“, sagt Judith Geck.

Corona-Bonus kam über drei Monate später

Der Alloheim-Sprecher bestätigt, dass das Geld nach über drei Monaten noch immer nicht überwiesen wurde (Stand 6.10.). „Die Verbuchung des Coronabonus in Höhe von 150 Euro auf das Verwahrgeldkonto für das Kleidergeld von Herrn N., wie von Frau Geck explizit gewünscht, hat sich infolge des internen Rechnungslaufs leider verzögert. Wir erwarten die Verbuchung in Kürze.“

Nicht einverstanden ist Judith Geck zudem mit Abbuchungen vom Konto ihres Bruders für erfolgte Fußpflege, Maniküre und Frisör-Leistungen. Am 3. August 2021, am Geburtstag ihres Bruders, machte sie Fotos von den ungepflegten Füßen, Fuß- und Fingernägeln sowie „verschnittenen“ Haaren ihres Bruders.

Schwester kritisiert „mangelhaft durchgeführte Dienstleistung“

„So sehen Füße und Nägel nach einer Fußpflege und Pediküre nicht aus“, sagt Judith Geck. Am 3. Juli wurden für die Fußpflege 35 Euro abgebucht – für eine in den Augen der Dortmunderin mangelhaft ausgeführte Dienstleistung.

Zum Haarschnitt ihres Bruders Anfang August äußert sich Judith Geck so: „Meine Tochter ist Friseurin und hat die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen. Sie hat meinem Bruder die Haare dann erstmal vernünftig geschnitten.“

Schreiben an die Heimleitung

Judith Geck konfrontierte die Heimleitung bereits Anfang August schriftlich mit diesen Vorwürfen. Ihr Mann ließ sich den Empfang des Schreibens an der Pforte bestätigen. Eine Reaktion habe sie darauf nicht erhalten, sagt Judith Geck.

Auch über den Haarschnitt im August 2021 waren Judith Geck und ihre Tochter, eine Friseurin, entsetzt.
Auch über den Haarschnitt im August 2021 waren Judith Geck und ihre Tochter, eine Friseurin, entsetzt. © Judith Geck © Judith Geck

Dazu der Alloheim-Sprecher: „Frau Geck und die Einrichtung stehen seit langem und insbesondere in den vergangenen Monaten in engem Austausch. (…), so auch in der vergangenen Woche und auch zu den Inhalten des jüngsten Schreibens.“

Judith Geck sagt, diesen Austausch gebe es nicht.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald