Die Bauruine sollte mit Nachbargebäuden am Donnerstag (2.12.) zwangsversteigert werden. Das Gericht hat den Termin aufgehoben. © Uwe von Schirp
Amtsgericht

Bauruine: Dortmunder Schandfleck kommt doch nicht unter den Hammer

Seit Jahren gilt der Gebäudekomplex als Schandfleck am Rand des Geschäftsviertels. Eine Lösung deutete sich an: Große Teile des Ensembles sollten zwangsversteigert werden. Doch die Hoffnung trog.

Die Passanten, die gerade vom Wochenmarkt kommen, sind einigermaßen fassungslos, als sie die Nachricht erfahren. „Das gibt‘s doch nicht“, sagt ein Mann. Andere fordern: „Da muss endlich etwas passieren.“

Seit 25 Jahren ist der Gebäudekomplex an der Ecke Siegburgstraße/Dönnstraße in Dortmund-Mengede den Menschen ein Dorn im Auge. Im Fokus vor allem: eine wegen Verstößen gegen die Baugenehmigung nie fertig gestellte Ruine.

Gestrüpp wuchert am und im Erdgeschoss. Bretter sichern kaum den unerwünschten Zutritt. Aber auch die beiden mehrgeschossigen Türme und die rückwärtig liegenden Flachbauten machen einen maroden Eindruck. In den Türmen waren mal Wohnungen und Praxen.

Der nordwestliche Turm steht fast leer. Das Sportgeschäft hat gerade den Räumungsverkauf beendet. Es verbleibt eine Spielhalle. Dieser Turm, ein Teil der Flachbauten und die Ruine standen vor der Zwangsversteigerung.

Amtsgericht hat Termine aufgehoben

Das Dortmunder Amtsgericht hatte die Auktion für Donnerstag (2.12.), 9 Uhr im Freizeitzentrum West angesetzt. Doch daraus wird nichts: Laut Justizportal hat das Gericht am 25. und 30. November die Termine der drei Zwangsversteigerungsverfahren aufgehoben.

Unter den Hammer sollten auch dieser Turm des Wohn- und Ärztehauses sowie die Halle rechts kommen.
Unter den Hammer sollten auch dieser Turm des Wohn- und Ärztehauses sowie die Halle rechts kommen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Für die Passanten ist die Nachricht neu. Ihre Reaktionen sind so trist wie das Wetter – und der Zustand der Gebäude. „Ich finde das schlimm“, sagt eine Frau. „Auch wenn es Eigentum ist, da muss doch mal was geschehen.“

Ein Paar kommt regelmäßig zum Einkaufen in den Ortskern. „Da muss man doch was machen können“, sagt der Mann. „Man könnte doch etwas Schöneres daraus machen“, erklärt seine Frau. „Wohnflächen schaffen, zum Beispiel.“

Eine Frau vor dem Drogeriemarkt findet: „Da könnte ein Einkaufszentrum hin, das den Dortmunder Westen belebt – mit kleinen schönen Läden.“ Ein Mann stimmt zu: „Ein Schuhgeschäft zum Beispiel.“ Ein Dritter wirft ein: „Oder Wohnraum, aber keine Seniorenwohnungen. Davon haben wir jetzt genug hier.“

Keine Lösung in Sicht

Die kleine Gruppe ist sich einig. „Das muss alles abgerissen werden“, fordern sie. Diese Hoffnung hegten viele Mengeder, als die Zwangsversteigerung anberaumt wurde. Doch der zweite Turm und ein weiterer Teil des Gebäudekomplexes standen ohnehin nicht zur Disposition – auch wenn ihr baulicher Zustand ähnlich marode ist wie der der Versteigerungs-Objekte.

Eine Lösung scheint nun wieder einmal in weite Sicht. Generationen von Lokalpolitikern haben bereits darum gerungen. Die Stadtverwaltung sah sich in all den Jahren immer wieder schwierigen Eigentumsverhältnissen gegenüber.

Auch jetzt scheinen ihr die Hände gebunden. „Von dem Gebäude geht keine Gefahr aus“, heißt es am Mittwoch (1.12.) aus der Verwaltung. Das hätten Prüfungen ergeben. „Daher ist dies aktuell kein Thema für die Stadt Dortmund.“

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Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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