Seit 25 Jahren steht die Bauruine im Ortskern. Am 2. Dezember wird sie zwangsversteigert. © Uwe von Schirp
Zwangsversteigerung

Bauruine sucht Bieter: Dortmunder Schandfleck kommt unter den Hammer

Seit 25 Jahren ärgert eine Bauruine Bürger und die Politik. Nebenan liegen Arztpraxen, Geschäfte und ein Imbiss. Die Gebäude sind marode. Nun kommt ein Teil des Komplexes unter den Hammer.

Der gesamte Gebäudekomplex wirkt marode. Ein Teil ist eine Ruine, ein nie vollendeter Rohbau – ein Schandfleck am südöstlichen Ortseingang. Ein Ärgernis: Lösungen scheiterten bislang an schwierigen Eigentümer-Verhältnissen. Nun kommen etwa zwei Drittel der Gebäude und Grundstücke unter den Hammer.

Für den 2. Dezember, 9 Uhr, im Freizeitzentrum West (FZW) hat das Amtsgericht Dortmund die Zwangsversteigerung anberaumt. Gegenstand des Verfahrens sind die Gebäude und Grundstücke Siegburgstraße 22, 22a und 24 in Dortmund-Mengede. Sie stehen schon seit geraumer Zeit unter Zwangsverwaltung.

Der gesamte Komplex im Bereich Siegburgstraße/Dönnstraße ist in einem schlechten baulichen Zustand.
Der gesamte Komplex im Bereich Siegburgstraße/Dönnstraße ist in einem schlechten baulichen Zustand. © RVR 2020 / aerowest © RVR 2020 / aerowest

Die Hausnummern 22 und 22a liegen in zweiter Reihe. Dazu gehört die zur Dönnstraße hin liegenden nie fertiggestellte Bauruine. Die Hausnummer 24 trägt der nordwestliche viergeschossige Gebäudeturm, in dem sich im Erdgeschoss ein Sportartikel-Geschäft befindet.

Sanierungsbedürftiger Zustand

Drei Gutachten eines Sachverständigen-Büros aus den Jahren 2018 und 2019 geben Auskunft über den Zustand der einzelnen Gebäudeteile. Für das viergeschossige Wohn-/Geschäftshaus und das dahinter liegende Hallengebäude (Nr. 22) weisen die Gutachten stark renovierungs- oder sanierungsbedürftige Zustände aus. Der Gesamteindruck sei „ausreichend bis noch befriedigend“.

Den Verkehrswert taxiert der Gutachter auf 750.000 Euro für das Wohn-/Geschäftshaus. 283.000 Euro beträgt er für die rückliegende Halle. Hierzu zählt auch ein Teil des Parkplatzes an der Dönnstraße.

Der nie fertiggestellte Rohbau nebenan weise aufgrund des Baustillstands erhebliche Schäden auf. Sie könnten durch einen Teilrückbau und Wiederherstellungsaufgaben behoben werden. „Hierfür sind erhebliche Investitionskosten zu berücksichtigen“, heißt es im gutachterlichen Exposé.

Zur Versteigerung stehen auch der nordwestliche Turm des Gebäudekomplexes (r.) und die als Parkplatz genutzten Grundstücksflächen.
Zur Versteigerung stehen auch der nordwestliche Turm des Gebäudekomplexes (r.) und die als Parkplatz genutzten Grundstücksflächen. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Demgegenüber mache das sich anschließende Hallengebäude aufgrund bereits erfolgter Modernisierungen durch den Mieter „insgesamt einen befriedigenden Gesamteindruck“. Beide Gebäudeteile haben laut Gutachten einen Verkehrswert von 230.000 Euro.

Nicht alle Gebäude kommen unter den Hammer

Zum gesamten Gebäudekomplex gehören ferner die Gebäude Siegburgstraße 26 und 28. Es sind der sich an die Siegburgstraße 24 anschließende Flachbau mit Geschäften und einem Imbiss sowie der südöstliche Turm. In dem Turmbau befinden sich zwei Arztpraxen und im Erdgeschoss ein Friseur.

Diese Gebäude haben einen anderen Eigentümer und kommen nicht unter den Hammer. Der bauliche Zustand aber weist auch hier erheblichen Sanierungsbedarf aus. Im Februar 2021 legte die Feuerwehr den Aufzug wegen einer erloschenen Betriebserlaubnis still. Die Mitarbeiter der Ärzte klagten über unzumutbare Zustände.

Ebenfalls in einem maroden zustand ist das Ärztehaus an der Straßenecke. Es kommt aber nicht unter den Hammer, weil es einen anderen Eigentümer hat. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Auch das Gutachten für die Hausnummer 24 verweist darauf. „Vom Nachbargebäude (Hausnummer 28, d. Red.) ist bekannt, dass die Fassade starke Mängel aufweist“, heißt es. „Sowohl die Standsicherheit als auch die bauphysikalischen Anforderungen der benachbarten Fassade entsprechen demnach nicht den bautechnischen Anforderungen.“

Vom Autohaus zur Bauruine

Alle Gebäude haben eine gemeinsame wirtschaftliche und städtebauliche Geschichte. Im rückliegenden Komplex (Hausnummer 22 und 22a) entstand Ende der 60er/Anfang der 70er ein Autohaus mit Werkstatthalle. Wenige Jahre später schon bauten die Eigentümer den Komplex um und erweiterten ihn.

Die ehemalige Werkstatthalle wurde zum Aldi-Markt. Zur Siegburgstraße hin entstanden Mitte der 80er-Jahre die beiden Ärztehaus-Türme mit der verbindenden Ladenzeile.

In den 90er-Jahren scheiterten mehrere Bauanträge, an der Ostseite des Komplexes ein fünfgeschossiges Wohnhaus mit Staffelgeschoss zu errichten. Zweimal bauten die Eigentümer trotzdem. Per Ordnungsverfügung wurde die Baustelle stillgelegt – mit dem bis heute sichtbaren Ergebnis. Seit Jahren beklagen Mengeder Bürger und Politiker den Gesamtzustand: „ein Schandfleck.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp

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