Das griechische Restaurant muss auf Anordnung der Stadt seinen Biergarten-Betrieb einstellen. Damit sich der Wirt einen Fachanwalt leisten kann, sammeln seine Gäste Geld für ihn. Die bisherige Summe ist beeindruckend. © Beate Dönnewald
Aus für Außengastronomie

Biergarten-Streit: Dortmunder Wirt kann sich über Geldsegen freuen

Ein Gastronom muss seinen Biergarten schließen, viele Gäste sind fassungslos. Eine gute Freundin startet eine Spendenaktion für ihn. Die Resonanz zeigt: Dieser Dortmunder Wirt ist extrem beliebt.

Gäste und Nachbarn des Dortmunder Restaurants „Der Grieche“ sind entsetzt. Denn Ende September machte die Nachricht die Runde, dass der beliebte Wirt nach einem Ortstermin mit einer Richterin des Verwaltungsgerichts seine Außengastronomie ab dem 1. Oktober 2021 dauerhaft schließen muss.

Um Georgios Isaakidis ihre Solidarität zu demonstrieren, rief Nina Englich, eine gute Freundin des Gastronomen, über die Internet-Plattform „Gofundme“ einen Spendenaufruf ins Leben. „Wir wollen ihm damit zeigen, wie sehr er uns am Herzen liegt“, sagt die Dortmunderin.

Die Resonanz auf diese Aktion spiegelt Isaakidis‘ Beliebtheit eindrucksvoll wider: Denn mittlerweile haben über 60 Personen für ihn gespendet. Die Zielsumme von 2000 Euro ist längst überschritten.

Wirt muss die Bestuhlung entfernen

Das niederschmetternde Schreiben der Stadt erreichte Georgios Isaakidis am 29. September 2021. Als Grund für die Schließung des bislang genehmigten Biergartens mit Öffnungszeiten bis 22 Uhr nennt das Stadtplanungs- und Bauordnungsamt „die nicht genehmigte Nutzungsausweitung der Außenterrasse“.

Dazu zählen laut Stadt zusätzliche Sitze, ein zusätzlicher Außengrill mit Rauchabzugsanlage und eine zusätzliche Küchentür. „Ab dem 1.10.2021 darf die Außenterrasse nicht mehr genutzt werden und die Bestuhlung ist zu entfernen“, heißt es in dem Schreiben.

Zu einem ganz anderen Ergebnis kamen hingegen alle Beteiligten des Ortstermins, der im Sommer auf der Terrasse des griechischen Restaurants am Kortental 40 stattfand. Teilnehmer waren neben der Richterin Vertreter der Stadt, der Haus-Eigentümer, der Wirt sowie ein Nachbar und sein Anwalt.

Georgios Isaakidis darf auf seiner Terrasse keine Gäste mehr bewirten.
Georgios Isaakidis darf auf seiner Terrasse keine Gäste mehr bewirten. © Holger Bergmann © Holger Bergmann

Mit dem Nachbarn liegt Georgios Isaakidis schon länger im Clinch. Sein Mandant ärgere sich vor allem darüber, dass sich der Wirt nicht an die für den Biergartenbetrieb genehmigten Öffnungszeiten bis 22 Uhr halte, so Anwalt Joachim Pohlmann. Ausschließlich darum sei es in seiner Klage und bei dem Treffen im August gegangen, erklärt der Dortmunder Anwalt.

Biergarten-Betrieb bis 20 Uhr

„Leider hat sich der Wirt, und das ist das eigentliche Problem, nie an die zeitliche Begrenzung (22 Uhr) gehalten. Die Gäste saßen dort teilweise bis Mitternacht“, so der Anwalt.

Bei dem Ortstermin hätten sich die Beteiligten darauf geeinigt, dass der Wirt sich zukünftig auf die ursprüngliche Genehmigung, die eine Öffnungszeit des Biergartens bis 20 Uhr vorsieht, beschränken müsse, so Pohlmann. Das bestätigt Dr. Katharina Kolok, Pressesprecherin am Verwaltungsgericht, auf Anfrage: „Um die Schließung des Biergartens ging es bei diesem Termin nicht.“

Anwalt bedauert Entscheidung der Stadt

Der Rechtsanwalt bedauert im Gespräch mit dieser Redaktion das harte Durchgreifen der Stadt: „Das tut uns leid und war nicht unsere Absicht. Gegen eine Außengastronomie bis 20 Uhr haben wir nichts einzuwenden“, betont er. Sein Mandant habe sogar zugestimmt, dass der Biergartenbetrieb bis Anfang Oktober noch bis 22 Uhr laufen dürfe.

Wie es nun weitergehen soll, weiß der Dorstfelder Wirt Georgios Isaakidis nicht. „Durch den Wegfall des Biergartens verliere ich 40 Sitzplätze“; sagt er. Seiner Meinung nach sei er dem Nachbarn durch den Bau einer Schallschutzwand und eines Rauchabzugs für den Grill bereits in der Vergangenheit entgegengekommen.

Fachanwalt soll dem Wirt helfen

Mittlerweile hat der griechische Wirt einen Fachanwalt eingeschaltet. „Mal abwarten, was er für mich erreichen kann“, so Georgios Isaakidis. Unter anderem möchte er gerne einen Wintergarten bauen.

Um die Anwaltskosten muss sich der Wirt erstmal keine Sorgen machen. Denn dafür soll Georgios Isaakidis das komplette Geld aus der Spendenaktion erhalten. Aktuell sind es 2655 Euro (Stand 15.10., 13 Uhr). „Wir hoffen, dass ihn unsere Unterstützung beflügelt und er nicht aufgeben wird“, so Nina Englich.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald