Murat Güns gut gelauntes neues Coronatest-Team besteht unter anderem aus (v.l.) Kinga Kozar, Christina Foli, Murat Gün, Cihan Gün und Tanja Marks. © Rebekka Wölky
Testzentrum

Corona-Teststellen haben keine Zukunft? Falsch: In Dortmund eröffnet eine neu

Im Dortmunder Westen gibt es eine neue Corona-Teststelle. Sie hat erst eröffnet, als viele andere schon wieder geschlossen hatten. Der Betreiber hat viel Energie - und große Ziele.

Mehrere Anläufe hat es gebraucht, bis Murat Gün seine Corona-Teststelle eröffnen konnte. „Aber das macht nichts, ich bin es gewohnt, dass nicht alle Sachen auf Anhieb klappen und ich oft ein bisschen für die Dinge schwitzen muss, die ich wirklich will“, sagt Gün trotzdem fröhlich.

Dass er neben seinem Handyladen MrStore in Oestrich jetzt eine eigene Corona-Schnellteststelle eröffnen konnte – ausbaufähig zur PCR-Teststelle – mache ihn glücklich. Auch, wenn es länger gedauert habe. „Wenn sich jetzt alles gut entwickelt und wir es dürfen, würden wir sogar hier impfen“, sagt er. Eine ausgebildete Krankenschwester habe er sowieso in seinem Test-Team.

Zweiten Laden gemietet

Seit dem 4.9. (Samstag) wird bei MrStore an der Castroper Straße 81 getestet. Genau genommen im Nebengebäude, denn Murat Gün hat dafür extra neue Räumlichkeiten gemietet. „Ich hätte das natürlich auch bei mir im Laden machen können, aber dann hätte ich alles umbauen müssen. Weil das Geschäft nebenan sowieso schon lange leer stand, war es so einfacher.“

Im Nebengebäude gibt es jetzt einen Wartebereich mit einer Theke für die Anmeldung und einen zweiten Raum mit drei Tischen und Stühlen, in dem die Tests durchgeführt werden. Über die Google-Suche findet man die Teststelle zwar noch nicht, auf der Internetseite der Stadt Dortmund ist sie aber schon aufgeführt.

Die neue Corona-Teststelle am MrStore in Dortmund-Oestrich ist an sieben Tagen die Woche geöffnet.
Die neue Corona-Teststelle am MrStore in Dortmund-Oestrich ist an sieben Tagen die Woche geöffnet. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Auf die Frage, ob sich die neue Teststelle jetzt, wo so viele Menschen schon geimpft sind, überhaupt noch lohne, sagt Murat Gün entschieden „Ja“. Rund 30 Personen ließen sich mittlerweile täglich bei ihm testen.

„Es sind vor allem Jüngere, die sich nicht so früh impfen lassen konnten“, sagt er. Aber auch einige Geimpfte kämen zu ihm. „Wenn die Leute selbst zwar geimpft sind, aber zum Beispiel Ungeimpfte in der Familie haben, wollen viele auf Nummer sicher gegen, dass sie nicht Überträger sind, ohne es zu merken“, sagt er.

Zwei Anläufe für die Teststelle

Den Wunsch, eine Corona-Teststelle aufzumachen, hatte Murat Gün schon seit dem Frühjahr. „Ich habe einen Erstantrag bei der Stadt Dortmund im Mai gestellt, da war ich aber schon zu spät dran“, erzählt er. Denn nur 300 Meter weiter habe es schon eine andere Teststelle gegeben, beim Pflegedienst Vidomed. Die hat mittlerweile aber wieder zugemacht.

„Als ich gesehen habe, dass Vidomed die Teststelle geschlossen hat, wollte ich es ein zweites Mal versuchen“, sagt Gün. Und dieses Mal hatte er Erfolg: Am 28.8. bekam er seine Genehmigung. Sofort startete er einen Facebook-Aufruf und die vier Mitarbeiterinnen, die die Tests jetzt durchführen, waren schnell gefunden. Murat Gün selbst und sein Sohn Cihan helfen auch mit.

Pläne für die Zukunft

Jemanden zu finden, der die sechs schulen wollte, sei aber schwierig gewesen. „Ich habe von dem Samstag, an dem die Genehmigung kam, bis zum Wochenende bestimmt 120 Telefonate mit Ärzten, der Ärztekammer, den Johannitern und vielen anderen geführt, aber alle haben mich nur an die nächste Stelle weitergeleitet“, sagt Gün. Letztlich habe seine Hausärztin die einstündige Schulung durchgeführt. Und direkt am nächsten Tag ging das Testzentrum an den Start.

Auch wenn die Corona-Tests ab dem 11.10. kostenpflichtig werden, will Murat Gün weiter testen. An Plänen und Ideen für seine Teststelle mangelt es ihm nicht. „Ich habe auch schon darüber nachgedacht, ob man mit den naheliegenden Schulen kooperieren könnte. Die meisten testen zwar selbst, aber ich werde trotzdem fragen, ob sie Hilfe brauchen“, sagt er.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky