David Ehwein, Inhaber von Coiffeur Thadeusz, ist Dortmunds erster Friseur mit einer eigenen Corona-Schnelltest-Station. Hier zeigt er der Kundin seine Test-Auswahl. © Beate Dönnewald
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Das Corona-Leiden der Friseure: Kunden fehlen im Dortmunder Westen

Die Friseure haben seit Monaten wieder geöffnet. Bei einem Dortmunder Friseurmeister ist die Kundenzahl trotzdem unterdurchschnittlich. Er macht sich Sorgen um die Zukunft und die 2G-Regel.

Den Luxus von Waschen, Schneiden und Föhnen im Friseursalon gab es im Corona-Lockdown nicht. Stattdessen viele wuchernde Haarmähnen, zentimeterweit herausgewachsene Ansätze und ganz offensichtlich selbst geschnittene Haare. Nur selten gut.

Seit dem 1. März sind die Salons wieder geöffnet. Ein Ansturm wurde erwartet. Bei David Ehwein, Inhaber von Coiffeur Thadeusz in Dortmund-Oespel, fiel der aber kleiner aus als gedacht. Nur zwei Wochen habe die heiße Phase im März gedauert. Nach dem ersten Lockdown seien es vier gewesen. Und auch jetzt, sechs Monate später, hat Ehwein weniger Kundschaft als vor der Pandemie.

„Im Moment haben wir unterdurchschnittlich viel zu tun“, sagt Ehwein. Das liege an mehreren Faktoren. Da seien zum Beispiel die Sommerferien gewesen, in denen viele Menschen verreist seien. Und gleichzeitig ein nasser, grauer Sommer in Dortmund. „Bei Regen kommen nicht viele Kunden“, erklärt Ehwein.

Schwarzmarkt angekurbelt

Aber nicht nur das Sommerloch und das schlechte Wetter seien problematisch. Stattdessen glaubt Ehwein, dass die Lockdowns die Einstellung seiner Kunden verändert hätten: „Sie haben gemerkt, dass sie auch mal etwas länger ohne Friseur auskommen.“

Dass viele im Lockdown selbst Haareschneiden gelernt hätten, denkt er nicht. „Als Friseur sehe ich, wenn ein Familienmitglied mal eben die Haare geschnitten hat“, sagt er. Er vermutet, dass der Schwarzmarkt angekurbelt worden sei.

Das könne er aber nicht sicher sagen: „Ich sehe, wenn jemand meinen Kunden professionell die Haare geschnitten hat. Aber ich weiß ja nicht, ob sie einfach bei einem Kollegen im Salon waren, oder ob das unter der Hand gemacht wurde.“

Sorge bereitet Ehwein die jüngste Forderung der Stadt Dortmund, im Freizeitbereich von der 3G-Regel auf 2G umzustellen. Damit hätten im Herbst nur noch Geimpfte und Genesene, nicht aber Getestete Zugang zu bestimmten Aktivitäten. „Wenn das auch für Friseure gilt, denke ich, dass noch weniger Kunden kommen“, sagt er.

Tests werden zu teuer

Damit Nichtgeimpfte sich möglichst bequem bei Coiffeur Thadeusz frisieren lassen konnten, hatte Ehwein Anfang Mai als erster Dortmunder Friseur eine offizielle Corona-Teststelle in seinem Salon eingerichtet.

„Ob ich die weiter betreiben werde, weiß ich noch nicht“, sagt er. Momentan funktioniere das Schnelltest-Portal im Internet nicht. Dort muss sich der Teststellen-Betreiber aber anmelden, um die durchgeführten Tests offiziell registrieren zu können.

„Das Programm hatte von Anfang an seine Macken. Wenn die Tests ab Oktober kostenpflichtig werden, denke ich aber sowieso nicht, dass sich der Aufwand lohnt. Ich selbst würde auch nicht zwischen 25 und 50 Euro für einen Coronatest ausgeben“, sagt er.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky