Das bunte Fachwerkhaus steht seit vielen Jahren leer. Nun soll es versteigert werden. Ob das Erfolg hat, ist allerdings angesichts der nötigen Sanierungskosten offen. © Thomas Schroeter
Zwangsversteigerung

Dieses bunte Fachwerkhaus kommt bald für 1 Euro unter den Hammer

Als „Schieferecke“ war das Haus einst eine Kneipen-Institution. Als „Café Chaos“ dann viele Jahre Treffpunkt einer alternativen Szene. Jetzt kommt das Fachwerkhaus unter den Hammer.

Die „Schieferecke“ war in der Dortmunder Kneipenszene einst ein fester Begriff, das Fachwerkhaus, in dem sie untergebracht war, ein Hingucker. Das ist das Haus bis heute geblieben, als das „bunte Fachwerkhaus“ auch den Menschen ein Begriff, die seine Historie nicht kennen.

Die Geschichte des markanten Hauses im Dortmunder Westen war für lange Jahre mit dem Namen Friedemann Stuhm verbunden. Stuhm hatte die ehemalige Gaststätte „Café Chaos“ an der Freihofstraße, besser bekannt als „Schieferecke“, 1984 mit einer Handvoll Gleichgesinnter übernommen. 1985 wurde er Käufer des gesamten Gebäudes, in dessen Saal damals noch „Jehovas Zeugen“ ihren Betsaal hatten.

Alternative Gruppe bekam keine Konzession

Die zogen aus, als Stuhm ihre Kaufanfrage für den Saal ablehnte. Ärgerlicher waren für Stuhm dann aber die Probleme mit der Stadt, denn die alternative Gruppe um Friedemann Stuhm bekam lange keine Konzession für das Lokal. „Dabei wollten wir mit den Einnahmen auch die Sanierung der ,Schieferecke‘ finanzieren“, erzählte Stuhm 2013.

Andere Probleme gab es auch. Erst mit Untermietern, die über dem Lokal wohnten und wegen Ruhestörung mehrfach die Polizei alarmierten. Später mit einem Nachbarn, der aus dem gleichen Grund sogar einen Anwalt einschaltete. Stuhm sagt: „Das alles war für uns natürlich nicht förderlich.“

Hinter all dem Blätterwerk kann man erkennen, warum hier früher eine Gaststätte mit dem Namen
Hinter all dem Blätterwerk kann man erkennen, warum hier früher eine Gaststätte mit dem Namen „Schieferecke“ war. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Nachdem der Konzessionswunsch drei Jahre lang keine Chance gehabt hatte, und weil inzwischen auch die Lust an dem „Chaos“-Vorhaben verloren gegangen war, wurde eine andere Lösung gesucht.

2013 war das Kapitel Friedemann Stuhm beendet

So wurde aus dem „Café Chaos“ 1990 der „Kalscha-Club“. Weil dieser – diesmal wegen zu hoher Bauauflagen – auch keine Konzession bekam, wurde daraus ein „Privatclub“. Nur für Mitglieder. Und nur mit Ausweis. Stuhm sagt: „Am Ende standen 2500 Namen auf unserer Liste. Ich habe noch die Karteikarten.“

Doch für Stuhm, den letztlich auch finanzielle Probleme drückten, war das Kapitel „Café Chaos/Schieferecke“ 2013 endgültig beendet. Er wollte den Bau verkaufen, wollte sich danach irgendwo im In- oder Ausland ein Projekt suchen, „wo ich selbst bestimmend leben kann“. Danach wurde es ruhig um das Fachwerkhaus, seine weitere Geschichte ist diffus.

Auf dem Gelände herrscht ein großes Chaos.
Auf dem Gelände herrscht ein großes Chaos. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Bis jetzt, denn nun kommt das Gebäude unter den Hammer: Es soll am 9. Dezember zwangsversteigert werden. Und das zu einem bemerkenswerten Preis: 1 Euro wird als Verkehrswert für das Gebäudeensemble aufgerufen, so das Exposé des Amtsgerichts.

Sanierungskosten sind unheimlich hoch

Das Fachwerkhaus an der Freihofstraße 2, und da liegt das Problem für einen Käufer, steht seit 1983 unter Denkmalschutz. Dieser Schutz gilt zwar nur für diesen Gebäudeteil und nicht den angebauten Teil zur Siegenstraße hin. Trotzdem werden die Sanierungskosten allein für den Denkmal-Teil im Exposé mit rund 1,1 Millionen Euro taxiert. Hinzu kämen Sanierungskosten für das zweite massive Gebäude. Die liegen bei 349.300 Euro.

Wörtlich heißt es im Gutachten: „Der äußerliche Bauzustand sowohl des denkmalgeschützten Fachwerkhauses als auch des massiven Gebäudes wird jeweils als mangelhaft, stark verwahrlost und teilweise abbruchreif beschrieben.“

Damit ist das Objekt wohl trotz seines 1-Euro-Verkehrswertes kein Schnäppchen. Denn ein Denkmal kann man bekanntlich nicht einfach abreißen und das Grundstück neu bebauen.

Das Haus ist verwahrlost, im Inneren türmt sich viel Trödelkram.
Das Haus ist verwahrlost, im Inneren türmt sich viel Trödelkram. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

Wer trotzdem Interesse an einem Kauf haben sollte: Unter den Hammer kommen die Gebäude am Donnerstag, 9. Dezember, um 9.30 Uhr im Saal 1.101 des Amtsgerichts Dortmund an der Gerichtsstraße 22.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
Zur Autorenseite
Thomas Schroeter