In Kay Fräders Restaurant „Friedchen‘s Bahnhof“ stoßen die Gäste auf dieses Schild. Dann werden ihre Impfnachweise geprüft. © Holger Bergmann
Coronavirus

Dortmunder Restaurant verliert wegen Corona 3000 Gäste

Die Reservierungs-Bücher waren voll, die Weihnachtsbuffets ausgebucht. Die Wirte der Restaurants haben sich auf ein gutes Geschäft in der Weihnachtszeit gefreut. Jetzt bricht alles zusammen.

Die Aussagen ähneln sich. „80 Prozent weniger Einnahmen“, sagt Kay Fräder in „Friedchen‘s Bahnhof“ in Huckarde. „Wir leben gerade wieder vom Ersparten“, sagt Antonio Link im „Hopfen & Salz“ in Lütgendortmund. Die Wirte im Dortmunder Westen befürchten einen weiteren Dezember ohne Einnahmen.

Im vergangenen Jahr sorgte der Lockdown dafür, dass keine Gäste kamen, in diesem Jahr ist es die angsterfüllte Stimmung. „Die Menschen fühlen sich mittlerweile in Gesellschaft in geschlossenen Räumen unwohl“, sagt Antonio Link.

Deshalb blieben in der vierten Welle immer mehr Gäste zu Hause. Als für die Gastronomie die 2G-Regel eingeführt wurde, kamen dann noch die Absagen der Weihnachtsfeiern von Firmen, Vereinen oder Familien.

Alles abgesagt, an einem Tag

„Alles gekündigt, an nur einem Tag, das war furchtbar“, sagt Anna Scheele vom „Speiselokal“ im Burghof Mengede. Antonio Link hat für sein Lütgendortmunder Restaurant mal nachrechnet: „Für die abgesagten Weihnachtsfeiern waren 3000 Gäste angemeldet. Die kommen jetzt alle nicht“.

Rene Rosenthal geht es mit dem Café Blickpunkt ähnlich: „Wir haben 60 Reservierungen verloren. Gut, dass wir noch gar geöffnet hatten“. Und mit seinem Imbiss „Futterluke“ geht es ihm ähnlich: „70 Prozent weniger Umsatz“.

Dabei ist das Problem der Gastronomen aber gar nicht die Einführung der 2G-Regel, die alle Befragten betont ernst nehmen. „Die Gäste sind fast alle geimpft. Mal ist einer dabei, der hat seinen Impfpass vergessen, aber der geht dann eben nach Hause und holt ihn“, sagt Kay Fräder.

Das ist keine Schikane

Negative Erlebnisse melden die Wirte nur wenige. „Wenn man kontrolliert, gibt es schon mal Gäste, die einem das Gefühl geben, dass wir sie schikanieren. Dass wir uns an Gesetze zu halten haben, wird schnell vergessen“, berichtet Rene Rosenthal.

Als die 2G-Regel in den Restaurants eingeführt wurde, meldete Antonio Link das seinen Stammkunden mit einem Online-Post: „Eine Antwort kam, dass wir uns jetzt zum Erfüllungsgehilfen des Staates machen. Aber der bekam direkt 30 Gegenposts“. Alle sind sich einig.

Die Kunden bleiben nach Meinung der Wirte wegen der Angst vor der vierten Welle zu Hause. „Es wäre gut, wenn die Kommunikation der Bundesregierung weniger diffus wäre und den Menschen nicht so viel Angst machen würde“, sagt Antonio Link.

Mitarbeiter für die Saison benötigt

Der Umsatz ist derart abgesackt, dass die kurzfristige Schließung eine Alternative wäre. Doch die Wirte winken ab. „Wenn ich schließe, kriege ich auch keine Corona-Hilfe vom Staat“, sagt Kay Fräder.

„Wir leben zwar momentan vom Ersparten“, sagt Antonio Link. Schließen könne er aber nicht. „Wenn ich die Mitarbeiter, die ich für die Weihnachtszeit eingestellt habe, jetzt entlasse, bekomme ich sie nicht wieder, wenn im März die Saison wieder losgeht. Das kann ich mir nicht leisten“.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann

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