Mehr als ein Jahr liegt der spektakuläre Großeinsatz der Dortmunder Polizei zurück. Gegen den damals zuerst festgenommenen und dann wieder freigelassenen Waffensammler ist noch keine Anklage erhoben worden. © Beate Dönnewald (Archiv)
SEK-Einsatz

Dortmunder Waffennarr: Auch nach einem Jahr ist die Anklage nicht fertig

Im September 2020 durchsuchte die Polizei das Haus eines Dortmunders und machte einen brisanten Waffenfund. Wir erklären, warum der Tatverdächtige noch immer nicht angeklagt wurde.

Vor mehr als einem Jahr, am 9. September 2020, entdeckte ein Spezialeinsatzkommando der Polizei ein riesiges Waffenlager in einer Dortmunder Wohnung. Ein damals 68-jähriger Rentner hatte nicht nur in den Räumen im ersten Stock, sondern auch im Keller und Dachboden Waffen, Munition, Chemikalien und hochexplosiven Sprengstoff in riesigen Mengen gehortet.

Zehn Tage dauerte die Durchsuchung – nicht nur in dem Reihenhaus an der Volksgartenstraße, sondern auch in einer kleinen Lagerhalle in einem Hinterhof an der Werner Straße. Beide Straßen befindet sich im Stadtteil Lütgendortmund.

Verstoß gegen drei Gesetze

Seit Juli 2021 steht für den ermittelnden Dortmunder Staatsanwalt Jörg Schulte-Göbel fest, dass der Lütgendortmunder Waffensammler gegen drei Gesetze verstoßen hat: gegen das Waffengesetz, gegen das Sprengstoffgesetz und gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. Das bestätigte er damals im Gespräch mit dieser Redaktion.

Zu einer Anklage ist es nach mehr als einem Jahr aber noch immer nicht gekommen. Der Waffensammler, der am dritten Tag seiner Festnahme wieder entlassen wurde, befindet sich weiterhin in Freiheit. Er soll laut Staatsanwaltschaft weder einen professionellen Waffenhandel betrieben, noch Verbindungen in die rechtsextreme oder Reichsbürger-Szene haben.

Während der mehrtägigen Durchsuchung im September 2020 säumten viele Polizeiautos die Volksgartenstraße.
Während der mehrtägigen Durchsuchung im September 2020 säumten viele Polizeiautos die Volksgartenstraße. © Beate Dönnewald (Archiv) © Beate Dönnewald (Archiv)

Warum das Ermittlungsverfahren so viel Zeit in Anspruch nimmt, erklärt der zuständige Staatsanwalt auf Anfrage dieser Redaktion. Im Rahmen der Durchsuchungen sei „eine erhebliche Anzahl an Waffen, Waffenteilen und Munition beschlagnahmt“ worden, schreibt Jörg Schulte-Göbel. „Sämtliche Gegenstände mussten gesichtet, bewertet und begutachtet (schriftlich) werden.“

Die Prüfungen seien nicht nur bei der Dortmunder Polizei, sondern unter anderem auch beim Landeskriminalamt erfolgt. „Aufgefundene Stoffe mussten ebenfalls bewertet werden“, so der Staatsanwalt.

Erheblicher Umfang und Aufwand

Diese Ermittlungsschritte hätten aufgrund des erheblichen Umfangs und Aufwands viel Zeit in Anspruch genommen. „Im Rahmen der weiteren Bearbeitung bedurfte es Nachermittlungen, Akteneinsichtsgesuche mussten bearbeitet und Stellungnahmefristen abgewartet werden“, schreibt Schulte-Göbel.

Und als er die zahlreichen Aktenbände zu einer abschließenden Prüfung vor der Anklageerhebung durchgesehen hat, hätten sich noch einige Fragen zu einzelnen Asservaten ergeben. „Die mussten ebenfalls bearbeitet und beantwortet werden. Dies hat ebenfalls Zeit in Anspruch genommen“, erklärt der Jurist.

Sofern „keine weiteren notwendigen Ermittlungsfragen aufkommen“, rechnet Jörg Schulte-Göbel nun mit einer zeitnahen Fertigstellung der Anklageschrift. Er verweist auf Ende Oktober.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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