Kein Einzelfall: Die illegale Entsorgung von Möbeln nimmt in Dortmund zu. © Frank Meyer
Illegale Müllentsorgung

Ein altes Sofa am See: Umweltsünder in Dortmund werden immer dreister

Mitten in einem Naturschutzgebiet haben Umwelt-Frevler ein ausgedientes Sofa abgestellt. Illegale Möbel-Entsorger gibt es in Dortmund immer mehr. Die EDG kennt die Ursache.

Schocken kann das Dortmunder Entsorgungsunternehmen (EDG) schon lange nichts mehr. Auch nicht der Anblick eines abgestellten Sofas mitten im Naturschutzgebiet Mastbruch im Rahmer Wald in Dortmund-Westerfilde.

Auf den ersten Blick sieht die Kombination sogar ganz einladend aus. Denn die ausgediente Couch wurde direkt am Seeufer abgestellt. „Also hinsetzen, zurücklehnen und die Landschaft genießen.“

Doch Spaß beiseite. Möbel, die niemand mehr haben will, gehören auf den Recyclinghof. Das ist alternativlos, scheint aber viele Menschen in Dortmund nicht zu interessieren.

Das Gegenteil ist der Fall: Denn Probleme mit unerlaubten Ablagerungen nehmen laut EDG-Pressesprecherin Petra Hartmann insgesamt zu. „Das betrifft sowohl die Ablagerungen von Sperrmüll wie auch Hausmüll oder an den Depotcontainer-Standorten als auch die sogenannten sammlungsspezifischen Beistellungen, also Kartonagen oder Glas.“

11.800 Meldungen und 1800 Tonnen Müll im Jahr 2020

Petra Hartmann nennt eindrucksvolle Zahlen. Im Jahr 2020 wurden über 11.800 Meldungen von unerlaubten Abfallablagerungen registriert und von dort 1800 Tonnen Abfall abgeholt. Im Jahr 2019 waren es insgesamt rund 7800 Meldungen.

Auch die illegalen Möbel-Entsorger treiben immer häufiger ihr Unwesen. Petra Hartmann zu den Ursachen: „Eine hohe Fluktuation der Bevölkerung und die hieraus direkt resultierende Entlokalisierung bestimmen zunehmend das Stadtbild.“ Die Folge sei unter anderem mehr Sperrmüll, vor allem Möbel, in den Stadtteilen mit häufigen Wohnungswechseln.

Bußgelder in der Regel zwischen 75 und 200 Euro

Wer sich erwischen lässt, muss zum Teil mit hohen Bußgeldern rechnen. Petra Hartmann betont: „Wichtig in diesem Zusammenhang: Der Verursacher muss eindeutig ermittelt werden, es muss zur Anzeige kommen und das ordnungsrechtliche Verfahren muss abgeschlossen werden.“

Das idyllische Naturschutzgebiet Mastbruch im Rahmer Wald wurde als Mülldeponie missbraucht.
Das idyllische Naturschutzgebiet Mastbruch im Rahmer Wald wurde als Mülldeponie missbraucht. © Stephan Schütze (Archiv) © Stephan Schütze (Archiv)

Die überwiegende Mehrheit der Bußgelder liege zwischen 75 und 200 Euro, so Petra Hartmann. „Für besonders große und gefährliche Ablagerungen werden aber durchaus auch 1000 Euro und mehr fällig.“

Spitzenreiter sei bislang ein überführter Mehrfachtäter, der 1500 Euro zahlen musste, erklärt die EDG-Sprecherin. Neben dem Bußgeld müsse der ertappte Verursacher zudem noch die Verwaltungskosten und die Kosten für die Entsorgung der Abfälle tragen.

Deutlich günstiger sei da doch der legale Weg der Sperrmüll-Entsorgung am Recyclinghof, so Hartmann: zehn Euro je angefangenem Kubikmeter, Annahme bis vier Kubikmeter. „Es lohnt sich auf jeden Fall, eine Sortierung vorzunehmen, denn die Anlieferung vieler Abfälle in haushaltsüblicher Menge ist für Privathaushalte gebührenfrei“, so Petra Hartmann. Details finden sich dazu auf der Homepage der EDG.

Sperrmüllservice kostet 20 Euro

Neben der Möglichkeit, Sperrmüll an den Recyclinghöfen zu entsorgen, können Bürger auch den Sperrmüllservice ordern. „Dieser ist beschränkt auf haushaltsübliche Mengen – die entspricht in etwa den Möbeln und Gegenständen eines Zimmers. Die Gebühr beträgt 20 Euro“, so Petra Hartmann.

Weil das Sofa am See im städtischen Wald abgeladen wurde, ist die EDG für den Abtransport zuständig. „Es wurde uns auch über die Dreckpetze gemeldet“, so Petra Hartmann. Bei Waldeinsätzen wird das Dortmunder Entsorgungsunternehmen von Beschäftigten des Forstamts unterstützt. „Unter anderem aufgrund der besseren Ortskenntnisse.“ Auch im aktuellen Fall seien die Mitarbeiter „Forst Nord“ über den Sofa-Fund informiert worden.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
Zur Autorenseite
Beate Dönnewald

Corona-Newsletter

Alle wichtigen Informationen, die Sie zum Leben in der Corona-Pandemie benötigen, sammeln wir für Sie im kostenlosen Corona-Newsletter. Jetzt abonnieren!

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.