Gänse werden für die Produktion von Stopfleber zwangsweise gefüttert. In Deutschland ist diese Produktion verboten, der Import aber erlaubt. © picture alliance/dpa
Menue Karussell

Gänsestopfleber auf der Karte: Massen-Protest gegen Dortmunder Restaurant

Das Menue-Karussell bietet den Gästen besondere Angebote. Weil ein Restaurant im Dortmunder Westen Gänsestopfleber auf der Karte hat, laufen Tierschützer Sturm und starten eine Petition.

Das Menue Karussell ist die Gelegenheit für Gastronomen, auf sich aufmerksam zu machen und für sich zu werben. Zum Vier-Gänge-Menü gehören deshalb oft exquisite Gerichte, die sonst nicht auf der Speisekarte stehen. So viel Aufregung wie wegen des Hauptgerichts im Restaurant Tante Amanda gibt es aber selten. Tierschützer haben eine Petition gestartet. Was dahinter steckt, dazu gibt es verschiedene Meinungen.

Das Restaurant „Tante Amanda“ an der Stadtgrenze Dortmund/Castrop-Rauxel beteiligt sich regelmäßig am Menue Karussell. Das Restaurant an der Mosselde 149 in Westerfilde stellt diesmal für sein Menü im Hauptgang zwei Gerichte zur Wahl: Wildlachs auf der Haut gebraten oder „Rossini“ Rinderfilet mit gebratener Gänsestopfleber.

Schon zu Beginn des Jahres stand das Menü fest. Damals musste die beliebte Aktion wegen der Corona-Pandemie noch verschoben werden. Jetzt im Herbst hat sich, wie bei fast allen anderen Gastronomen, im Tante Amanda am Menü nichts verändert. Seit 1. September kommen die Gäste für das Menue Karussell ins Restaurant.

Tierfreunde rufen zum Boykott wegen Tierquälerei auf

Dafür steht „Tante Amanda“ jetzt massiv in der Kritik. In den Sozialen Medien äußern sich viele Menschen, rufen zum Boykott wegen Tierquälerei auf und finden teils sehr drastische Worte und Beschimpfungen. Die Tierschutzpartei, Kreisverband Dortmund, hat Ende August eine Petition gestartet, die sich an die Niggemann Food Frischemarkt GmbH als Organisator des Menue Karussells und an Tante Amanda und damit an Bubi Leuthold richtet.

Gegen ein Menü bei Tante Amanda regt sich aktuell Protest.
Gegen ein Menü bei Tante Amanda regt sich aktuell Protest. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Gefordert wird, diese Speise für alle teilnehmenden Restaurants beim Menue Karussell in NRW komplett zu verbieten. Der Inhaber von Tante Amanda solle „endlich die Appelle der vielen Tierschützerinnen und Tierschützer seit dem Frühjahr 2021 ernst nehmen und so ein Gericht nicht mehr anbieten“. Am Montag (6.9., 14 Uhr) hatten bereits 85.360 Menschen die Online-Petition unterschrieben.

Bubi Leuthold äußert sich nicht offiziell zum Thema

Bubi Leuthold hat, so schreibt die Tierschutzpartei, bisher nicht reagiert. Auch auf Anfrage unserer Redaktion will sich der Gastronom am Montag nicht offiziell äußern.

„Die Organisatoren des Gastronomie-Konzepts Menue Karussell wehren die Aufforderung zur Stellungnahme zum Tierschutz ab“, so heißt es in einer Pressemitteilung der Niggemann Food Frischemarkt GmbH. Rainer Altendeitering, Geschäftsführer des Bochumer Traditions-Unternehmens, erklärt: „Allen Gastronomen steht die Zusammenstellung ihres Menues frei, ebenso die Auswahl der passenden Weine. Dafür haben wir es hier mit Experten zu tun und jahrelanger Erfahrung als Gastgeber.“

Meline Ebbinghaus, Marketing Niggemann, erklärt auf Anfrage, dass es zu Beginn des Jahres bei Veröffentlichung der Menüs längst nicht den Aufschrei gegeben habe. „Aber da war ja auch kein Wahlkampf“, sagt sie mit Blick auf die Tierschutzpartei, die bei der Bundestagswahl in NRW auf Listenplatz 8 steht.

Aktion steht für Niggemann in Zusammenhang mit dem Wahlkampf

Auch Andreas Sievers, Ansprechpartner für die Gastronomen bei Niggemann, sieht den Zusammenhang mit dem politischen Wahlkampf. Sich zu der Komposition eines Gastronomen zu äußern, der „ein in Deutschland zum Import und Verzehr genehmigtes Produkt in sein Menue eingebaut hat“, stehe nicht in der Befugnis von Niggemann, sagt auch er.

Bubi Leuthold in seinem Biergarten des Restaurants
Bubi Leuthold in seinem Biergarten des Restaurants „Tante Amanda“. © Matthias Langrock © Matthias Langrock

Gänsestopfleber, so erläutert Meline Ebbinghaus, sei in Frankreich ein begehrtes Produkt. In Deutschland sei es aber nicht sehr gefragt. Zurzeit habe der Niggemann Frischemarkt Gänsestopfleber nicht im Sortiment. Es werde aber auf Nachfrage hin besorgt.

Zum Thema selbst schreibt sie in der Pressemitteilung: „Hinter jedem Einzelnen, ob Kunde, Lieferant, Koch oder Gast, steckt auch ein Endverbraucher mit eigener Meinung, Position und Vision. Jeder ist frei, jeden Tag sein Konsumverhalten zu überdenken und möge es bitte in seinem persönlichen Radius auch gewissenhaft tun.“

Tierschutzpartei war schon im Frühjahr aktiv

Sebastian Everding aus dem Team der Tierschutzpartei erläutert dagegen, dass man bereits im März per Mail und Social Media Kontakt mit dem Chef des Restaurants aufgenommen habe, „um so für eine kurzfristige Änderung des Menüangebotes zu werben und auf die unermesslichen Tierqualen hinter diesem Gericht hinzuweisen“. Als eine Antwort ausblieb, habe man mit Erfolg Tierfreunde aufgerufen, ihrerseits Kontakt zu den Verantwortlichen des Lokals aufzunehmen.

„Wir waren umso schockierter, als wir feststellten, dass Tanta Amanda mit dem gleichen Gericht ab dem 1. September in das verschobene Gastro-Event starten möchte“, sagt Angelika Remiszewski, Landesvorsitzende der Partei Mensch Umwelt Tierschutz (Tierschutzpartei) in Nordrhein-Westfalen, in einer Stellungnahme. „Wir können nur annehmen, dass das Thema Tierleid den Verantwortlichen rund um den Restaurant-Chef Franz Josef Leuthold komplett egal zu sein scheint.“

Stopfleber: Delikatesse oder Tierquälerei

  • Stopfleber, auch als Foie gras bekannt, ist eine kulinarische Spezialität, die vor allem in Frankreich sehr geschätzt wird. Dort gilt sie als nationales und gastronomisches Kulturerbe und ist deshalb von den Tierschutzgesetzen ausgenommen.
  • Gewonnen wird sie dadurch, dass Gänse oder Enten zwangsernährt werden, sie werden mittels eines Rohrs mit Mastfutter gestopft. Dadurch wird die Leber schwerer und fetthaltiger.
  • In Deutschland ist die Herstellung von Stopfleber verboten, der Import allerdings erlaubt.
Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen