Aufgrund von Beschwerden aus der Nachbarschaft darf der Wirt dieses Restaurants keine Gäste mehr auf der Terrasse bewirten. Seine Stammgäste sind entsetzt. © Beate Dönnewald
Aus für Außengastronomie

Gäste kämpfen für Dortmunder Wirt: „Notfalls demonstrieren wir für Georgios“

Über die gerichtlich angeordnete Biergarten-Schließung ihres Lieblingsrestaurants sind viele Stammgäste in Dortmund richtig sauer. Sie wollen für ihren Wirt kämpfen – bei Bedarf mit viel Krach.

Karl-Heinz Hülsmann ist sich sicher: Innerhalb weniger Stunden könnte er 50 bis 100 Teilnehmer für eine Demonstration zusammentrommeln. „Wir wollen, dass Georgios bleibt und dafür kämpfen wir“, sagt der 74-jährige Dortmunder.

Georgios ist der griechische Wirt Georgios Isaakidis, der im dritten Jahr sein Restaurant „Der Grieche“ in Dortmund-Dorstfeld führt und von Anfang an mit viel Gegenwind leben musste. Denn ein Nachbar in der Straße „Kortental“ beschwerte sich regelmäßig über die Geräuschkulisse in seinem Biergarten, über den Geruch des Außengrills, über den Geruch, der aus der Küche nach draußen drang, und die Nicht-Einhaltung der Schließungszeit der Außengastronomie um 22 Uhr.

Am 1. Oktober 2021 erreichte der Nachbarschaftsstreit aus Sicht des Wirts seinen traurigen Höhepunkt. Denn an diesem Freitag trat die Entscheidung des Verwaltungsgerichts in Kraft, die Georgios Isaakidis die Bewirtung seiner Gäste auf der Terrasse verbietet.

Das Aus für die Außengastronomie macht eine Reihe seiner Gäste richtig sauer. Einer von ihnen ist der Ur-Dorstfelder Karl-Heinz Hülsmann, unter anderem Ehrenvorsitzender des Theatervereins Fidelitas. „Wir haben die Gruppe ,Pro Georgios‘ gegründet“, erzählt er. Zunächst wolle man die Füße still halten und die Anwältin des Gastronomen in Ruhe arbeiten lassen. Wie berichtet will die Juristin unter anderem den Vorwurf prüfen, ob für den Biergarten tatsächlich keine Genehmigung vorliegt.

„Die Trommeln und Trompeten liegen schon bereit“

Abhängig von den weiteren juristischen Entwicklungen könne sich die Gruppe „Pro Georgios“ durchaus vorstellen, für den griechischen Wirt zu demonstrieren. „Die Trommeln und Trompeten liegen schon bereit“, sagt Karl-Heinz Hülsmann im Gespräch mit dieser Redaktion. „Dann werden wir dem Nachbarn mal zeigen, was Krach wirklich ist. Das machen wir natürlich an einem Dienstag, wenn das Restaurant Ruhetag hat.“

Karl-Heinz Hülsmann und seine Mitstreiter haben die Gruppe
Karl-Heinz Hülsmann und seine Mitstreiter haben die Gruppe „Pro Georgios“ gegründet und wollen gegebenenfalls für ihren Lieblingswirt auf die Straße gehen. © Stephan Schütze © Stephan Schütze

Dem 74-Jährigen fehlt jedes Verständnis dafür, dass dem beliebten Griechen so viele Steine in den Weg gelegt werden und er in der nächsten Biergarten-Saison möglicherweise erhebliche finanzielle Einbußen haben wird. „Früher war es hier viel lauter als heute“, sagt Hülsmann und erinnert an die Zeiten, als das Restaurant noch eine Kneipe war und unter anderem von „grölenden Jugendlichen“ aufgesucht wurde.

Viele Nachfolger hatte die ehemalige „Tränke“ seitdem. „Auch Georgios‘ Vorgänger haben immer den Biergarten genutzt“, betont Hülsmann. Ihm und seinen Mitstreitern sei es ein großes Anliegen, dass der beliebte Wirt sich durch den juristischen Ärger nicht vertreiben lässt. „Doch erstmal werden wir abwarten und es nicht gleich auf die Spitze treiben“, so Hülsmann.

„Georgios stand in der Ecke und hat fast geweint“

Die ganze Angelegenheit nimmt den 74-Järhigen spürbar mit. Denn unerwartet wurde er während eines Spaziergangs Zeuge, als Georgios Isaakidis vor einigen Wochen Besuch bekam – von seinem Vermieter, städtischen Vertretern, einer Richterin, dem Beschwerdeführer und dessen Anwalt. „Die haben ihn richtig bedrängt und genötigt. Georgios stand in der Ecke und hat fast geweint“, sagt Hülsmann.

Er habe dem griechischen Wirt helfen wollen, doch er sei weggeschickt worden. „Ich hätte dort nichts zu suchen, hat man zu mir gesagt.“ Er ärgere sich heute noch, dass er gegangen sei, statt dem Wirt beizustehen, gesteht Hülsmann. „Was war ich blöd, schließlich befand ich mich im öffentlichen Raum.“ Wenn er an die Situation zurückdenke, habe er immer „noch einen Hals.“

Karl-Heinz Hülsmann ist eine Korrektur in diesem juristischen Streit besonders wichtig: „Es wird immer von mehreren Nachbarn geschrieben. Das ist nicht ganz korrekt. Tatsächlich geht es nur um den einen Nachbarn beziehungsweise um eine Familie.“

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald

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