Das sieht fast idyllisch aus von der Straße her, was da in Somborn zur Zwangsversteigerung angeboten wird. © Thomas Schroeter
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Günstig zu ersteigern: Häuschen im Grünen hat einen „kleinen“ Makel

Ein Häuschen mit viel Grün ringsum, weitab von Hauptverkehrsstraßen. Davon träumen viele Menschen. In Somborn scheint ein solches Haus versteigert zu werden. Wäre da nicht ein „kleiner“ Makel.

Häuserangebote sind rar. Bezahlbare Häuser noch viel mehr. Wer als junge Familie ins Eigentum starten möchte, muss in diesen Tagen tief in die Tasche greifen. Für viele heißt das: zu tief. Denn Wohnraum wird immer teurer, seitdem die Bauzinsen konstant tief bleiben und immer mehr Menschen den Sprung in die eigenen vier Wände vollziehen wollen.

Da kommt ein Haus mit viel Grün ringsum, weitab von Hauptverkehrsstraßen und zu einem mehr als moderaten Preis schon fast unwirklich vor. Genau ein solches Objekt aber scheint bald in Somborn versteigert zu werden: Gut 163 Quadratmeter Wohnfläche auf einem über 2000 Quadratmeter großen Grundstück zu einem Verkehrswert von nur 180.000 Euro.

Haus wurde nach 1934 zwei mal erweitert

Das Haus ist im Jahr 1934 errichtet und im Laufe der Jahre um zwei Anbauten erweitert worden, zuletzt Anfang des neuen Jahrtausends. Erst nach Jahren erhielt dieser Anbau die Bescheinigung, dass er standsicher sei, die Bestimmungen des

Wärmeschutzes werden gemäß eines dem Gutachter vorliegenden Schreibens aber wohl nicht eingehalten.

Das ist ärgerlich, erklärt aber noch lang nicht den günstigen Preis. Da muss es doch einen weiteren, fetten Haken geben, oder? Gut, die Bilder, die man im Internet einsehen kann, zeigen keinen Prachtbau. „Soweit von außen sichtbar, macht das Wohngebäude einen z.T. noch befriedigenden, ansonsten ausreichenden Gesamteindruck“, heißt es denn auch im Exposé des Gutachters, der den Wert für die Versteigerung zu ermitteln hatte.

Zum Paket gehören noch eine einfache Stahlblechgarage mit Wellblecheindeckung, ein massiver Schuppen mit Vordach, ein Holzunterstand sowie ein oberirdischer Pool auf Betonplatten von 8 mal 3 Metern. Ideal für Kinder eigentlich.

Womit ist der Mini-Preis denn nun zu erklären?

Das Innere des Hauses wird nicht gezeigt, das Haus an sich konnte laut Gutachten auch nur von außen besichtigt werden. Das ist aber keine Seltenheit bei Zwangsversteigerungen, denn welcher Hausbesitzer oder auch Mieter lässt in solch einem Fall einen Gutachter ins Haus? Eine Pflicht dazu besteht nicht. So verwüstet, dass der Mini-Preis zu erklären wäre, kann es da aber gar nicht sein.

Der Gutachter hat dann aber doch den „kleinen“ Makel entdeckt, der das Objekt nicht so wirklich charmant daher kommen lässt und den geringen Wert erklärt. Und von diesem Makel konnten wir uns bei einem Besuch vor Ort dann auch selbst überzeugen.

Das Luftbild zeigt, wo bei dem Haus an der Langendreerstraße der Haken ist: Das Gebäude liegt nur wenige Meter von drei Bahnbrücken entfernt, über die gleich mehrere Bahnlinien verlaufen.
Das Luftbild zeigt, wo bei dem Haus an der Langendreerstraße der Haken ist: Das Gebäude liegt nur wenige Meter von drei Bahnbrücken entfernt, über die gleich mehrere Bahnlinien verlaufen. © RVR 2020 Aerowest © RVR 2020 Aerowest

In Somborn erkennt man schnell, was der Haken ist: Direkt neben dem Haus liegen drei Bahnbrücken mit zig Gleisen. Und so schreibt der Gutachter denn auch in sein Exposé: Es bestehen starke Wohnbeeinträchtigungen durch die

unmittelbare Nähe zur Bahntrasse. Erschütterungen durch den Bahnverkehr sind möglicherweise auch im Gebäude nicht ganz auszuschließen.“

Wer aber möchte tatsächlich tanzende Tassen im Schrank und eine immer wiederkehrende Lärmkulisse von laut Gutachten bis zu 75 Dezibel haben. Die liegt immerhin nur 5 Dezibel unter der Marke, die Wissenschaftler als Lärm bezeichnen und nur 10 unter dem Grenzwert von 85 Dezibel, bei dem das menschliche Gehör irreparablen Schaden nehmen kann.

Mit einer ruhigen ländlichen Idylle hat das Angebot in Somborn also nicht so richtig viel zu tun. Wer trotzdem nicht abgeschreckt ist und sein Glück bei der Versteigerung versuchen möchte: Haus und Grundstück an der Langendreerstraße werden am Donnerstag, 11. November, um 15 Uhr im im Freizeitzentrum West an der Ritterstraße 20 versteigert.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter