Aufgrund einiger Großprojekte befindet sich das Stadteil-Zentrum mit seinen Einkaufsstraßen gerade im Aufwind. © Beate Dönnewald
Einkaufsstraßen im Westen

Handels-Experte: „So viele Chancen hatte dieser Stadtteil lange nicht mehr“

Neues Geschäftshaus, neue Seniorenwohnungen, neue Eigenheime: Für das Stadtteil-Zentrum im Dortmunder Westen könnte es gerade nicht besser laufen. Bis vor kurzem musste man hier noch bangen.

Hinter den Dortmunder Geschäftsleuten liegt eine lange Durststrecke. Immer wieder wurde ihre Geduld auf eine harte Probe gestellt. Doch nun steht für einen bekannten Handels-Experten fest: „So viele Chancen wie momentan hatte Lütgendortmund schon lange nicht mehr.“

Das sagt der bekannte Drogist Wilhelm Mohrenstecher, unter anderem langjähriger Vorsitzender des örtlichen Gewerbevereins und aktuell Mitglied der Vollversammlung und des Einzelhandelsausschusses der Industrie- und Handelskammer Dortmund. Der 71-Jährige ist Inhaber der Drogerie Zimmermann und gehört noch immer zu den kreativen Köpfen der Händlergemeinschaft „Aktiv im Ort“.

Wilhelm Mohrenstecher ist erleichtert, dass der Umbau des ehemaligen Kaufhauses Konze endlich begonnen hat. Hier soll ein modernes Einkaufzentrum entstehen.
Wilhelm Mohrenstecher ist erleichtert, dass der Umbau des ehemaligen Kaufhauses Konze endlich begonnen hat. Hier soll ein modernes Einkaufzentrum entstehen. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Wilhelm Mohrenstecher atmet hörbar auf, wenn er über Lütgendortmunds Zukunft als Nahversorgungszentrum spricht. Denn zwischendurch sah es für die Limbecker und Werner Straße nicht so rosig aus.

Doch nun ist alles gut. Denn: Der Umbau der ehemaligen Kaufhaus-Konze-Immobilie in ein Geschäftshaus hat nach vielen Rückschläge endlich begonnen. „Es ist gut, dass wir mit Rossmann einen Drogeriemarkt bekommen. Gerade für junge Familie ist es wichtig, dass sie sich hier ortsnah versorgen können“, so Mohrenstecher.

Momentan wird das ehemalige Kaufhaus Konze am Heinrich-Sondermann-Platz entkernt.
Momentan wird das ehemalige Kaufhaus Konze am Heinrich-Sondermann-Platz entkernt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Zwei Großprojekte im Dorf

Investor ist Rüdiger W. Pinno, unter anderem Geschäftsführer der Cityhaus 100 GmbH. In das neue Einkaufszentrum werden zudem Tedi und die Fitness-Kette „Clever Fit“ einziehen. Kik als Altmieter wird bleiben. Mit weiteren Mietern befindet sich der Investor aktuell in Verhandlungen.

Profitieren werde das Stadtteil-Zentrum auch von den neuen Seniorenwohnungen, die an der unteren Limbecker Straße gebaut werden. „50 bis 60 Menschen, die in der Ortsmitte wohnen, und vielleicht neue Handelsflächen in zentraler Lage sind die zweite große Chance für Lütgendortmund“, so Mohrenstecher. Auch dieses Projekt hatte im Vorfeld für einige Sorgenfalten gesorgt, doch nun verfügt die Werte und Wohnen IBAC Consulting GmbH endlich über eine positive Bauvoranfrage.

Nach dem Abriss entstehen hier Seniorenwohnungen.
Nach dem Abriss entstehen hier Seniorenwohnungen. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Durch die beiden Großprojekte profitiere der Ortskern doppelt, prophezeit Mohrenstecher: Die lokale Nahversorgung könne noch gestärkt werden und im Lebensmittelbereich aufrüsten, zudem werde die Kundenfrequenz durch das erweiterte Angebot anziehen.

Mehr Kundschaft verspricht sich Mohrenstecher auch durch die Neubaugebiete rund um Lütgendortmund. Zunächst durch die neuen Eigenheime, die ab Sommer 2022 auf dem ehemaligen Sportplatz „Im Rauhen Holz“ gebaut werden sollen. „Und mittelfristig vielleicht durch die neuen Wohneinheiten am Bezirksfriedhof“, so Mohrenstecher. Allerdings regt sich hier schon Widerstand aus der Bürgerschaft.

Dieses denkmalgeschützte Gebäude gehört zu Wilhelm Mohrenstechers Lieblingsgebäuden im Ortskern.
Dieses denkmalgeschützte Gebäude gehört zu Wilhelm Mohrenstechers Lieblingsgebäuden im Ortskern. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

So oder so, Lütgendortmund sei schon jetzt auf einem guten Weg. „Aktuell haben wir im Ortskern nur zwei Leerstände“, sagt Mohrenstecher. Dem gegenüber stehen 120 Anlaufstellen aus den Bereichen Handel und Gesundheit. Einzig der Leerstand auf der Lütgendortmunder Straße sei noch ein Sorgenkind.

Ein durchgestylter Ortskern

Ein Pfund, mit dem Lütgendortmund im Vergleich zu anderen Zentren außerdem wuchern könne, sei sein „architektonisch und städteplanerisch durchgestylter Ortskern“, meint Mohrenstecher. Allein 18 denkmalgeschützte Gebäude gehörten dazu und ein Marktplatz, der nicht durch eine oberirdische S-Bahn-Station verschandelt worden sei. Für Aufenthaltsqualität sorge obendrauf die Gastronomie für alle Generationen, wenn sie denn wieder öffnen darf.

Der Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr sei gut, so Mohrenstecher, einzig bei der Parkplatz-Situation gebe es Luft nach oben. „Wir brauchen dringend mehr Parkraum.“ Gerade mit Blick auf den Ausbau des Kaufhauses Konze.

Ein wenig Bauchschmerzen bereiten Mohrenstecher die zukünftigen Großbaustellen und die damit verbundene Unruhe im „Im Herzen des Dorfs“. „Dann brauchen wir eine professionelle Moderation.“ Er erhoffe sich dabei Unterstützung von der Stadt.

Das ist Wilhelm Mohrenstecher

  • Mitglied der Vollversammlung der Industrie und Handelskammer Dortmund
  • Mitglied des Einzelhandelsausschuss der Industrie und Handelskammer Dortmund
  • Mitglied des Vereins Stadtbezirksmarketing Dortmund (einer von zwei Vertretern des Stadtbezirks Lütgendortmund)
  • Mitglied des Beirats des Vorstands des Vereins Stadtbezirksmarketing Dortmund
  • Mitglied der Lenkungsgruppe des Stadtbezirksmarketings Lütgendortmund
  • Von 1983 bis 1998 Vorsitzender des Lütgendortmunder Gewerbevereins „Arbeitsgemeinschaft Lütgendortmunder Einzelhandel“
  • Von 1986 bis 2016 Mitglied des Beirats des Handelsverbandes Westfalen Münsterland
  • Von 2000 bis 2010 im Vorstand des Drogistenverbandes Westfalen-Lippe, vier Jahre als Vorsitzender
  • Ab 1999 als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Dortmunder Stadtteilzentren
  • Initiator des Dortmunder Stadtbezirksmarketings
  • Drogist und Heimatforscher
Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
Zur Autorenseite
Beate Dönnewald