Für die Kinder ist der Umzug zum Sportplatz eine Art Urlaub. Das symbolische Packen mit den Kleinen hat bereits begonnen. © Beate Dönnewald
Nach einer langen Odyssee

Heimatlos: Dortmunder Fußballverein rettet Kita in großer Not

Eine Dortmunder Kita muss wegen gravierender Wasserschäden vorübergehend umziehen. Wochenlang hängt die Einrichtung in der Luft. Ihre rettenden „Engel“ sind ein Fußballverein und eine Eventhalle.

Harte Zeiten liegen hinter der Kita-Leiterin und ihrem Team. Yvonne Magowski nennt es eine Achterbahn der Gefühle: Ohnmacht, Verzweiflung und Wut wechselten sich ab.

Denn trotz größter Anstrengungen war lange keine Lösung in Aussicht: Wo können die Kleyer Sonnenkinder vorübergehend unterkommen, während ihre Einrichtung wegen gravierender Wasserschäden saniert wird?

Die Hiobsbotschaft erreichte Yvonne Magowski am Anfang der Sommerferien. „Wir hatten Wasserflecken an den Wänden. Eine Leck-Ortung ergab einen erheblichen Schaden durch aufsteigende Feuchtigkeit.“ Die Bodenplatte, erklärt sie, hatte sich mit Wasser vollgesogen und das war nach oben gewandert.

Alles muss raus: Beim Ausräumen der Kita und beim Umzug wird Kita-Leiterin Yvonne Magowski von den Eltern unterstützt.
Alles muss raus: Beim Ausräumen der Kita und beim Umzug wird Kita-Leiterin Yvonne Magowski von den Eltern unterstützt. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Schnell stand fest: Die Kindertagesstätte an der Straße „Am Zitter“, eine Elterninitiative, muss saniert werden – und eine Betreuung in den Räumen ist während der laufenden Arbeiten nicht möglich. „Also musste eine Übergangslösung gefunden werden“, berichtet Yvonne Magowski.

Was folgte, war eine tränenreiche und niederschmetternde Zeit mit vielen schlaflosen Nächten. Die bange Frage „Wie sollen wir das bloß schaffen?“ konnte lange nicht beantwortet werden. Denn: „Unzählige Anfragen an Vereine und Institutionen in der näheren Umgebung blieben erfolglos“, berichtet Yvonne Magowski. Zudem hing die ungeklärte Finanzierung wochenlang wie ein Damoklesschwert über der kleinen Kita mit 42 Kindern.

Körperlicher und mentaler Kraftakt

„Die letzten Wochen waren eine hohe körperliche und mentale Kraftanstrengung“, sagt Yvonne Magowski. Doch mittlerweile kann sie wieder lächeln und optimistisch in die Zukunft blicken. Denn: „Der Sport- und Fußballverein Arminia Marten hat uns sein Vereinsheim angeboten. Dafür sind wir sehr dankbar“; erzählt die Kita-Leiterin.

Der Martener Verein am Wischlinger Weg müsse große Kompromisse eingehen: „Man ist uns dort sehr wohlgesonnen und versucht, auf unsere Anliegen zu reagieren“, so Magowski. Es sei sogar ein neuer Sandkasten für die Sonnenkinder aufgestellt worden, freut sie sich. Zusätzlich werden noch Container aufgebaut, in denen die U3-Kinder mittags schlafen können.

Für das Kita-Inventar ist ebenfalls eine Lösung gefunden. „Den Großteil können wir in der Sade-Eventhalle einlagern. Besitzer Selahattim Alkan sieht das als selbstverständliche Nachbarschaftshilfe“, so Magowski. Dafür sei man extrem dankbar. Denn: „Viele Anfragen zur Einlagerung blieben zuvor ohne Erfolg.“

Kita-Leiterin Yvonne Magowski bereitete die Kinder behutsam auf den Umzug vor. Sie machte aus dem Umzug kurzerhand einen Urlaub und brachte gleich einen gepackten Koffer mit.
Kita-Leiterin Yvonne Magowski bereitete die Kinder behutsam auf den Umzug vor. Sie machte aus dem Umzug kurzerhand einen Urlaub und brachte gleich einen gepackten Koffer mit. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Zu guter Letzt konnte die Elterninitiative „Kleyer Sonnenkinder“ bezüglich der Finanzierung aufatmen. „Seit Anfang Oktober wissen wir, dass wir auf die Unterstützung des Jugendamtes zählen können. Die Sanierungskosten werden in voller Höhe übernommen“, berichtet die Kita-Leiterin.

Großer Dank an die Vorstandsvorsitzende

Besonders danken möchte Yvonne Magowski ihrer langjährigen Vorstandsvorsitzenden Katharina Krause für deren unermüdlichen Einsatz während der vergangenen Wochen. „Wir hatten vor und nach der Dienstzeit und an den Wochenenden eine Standleitung und sind bis jetzt ganz eng im Austausch.“ Man sei dadurch noch enger zusammengerückt.

Auch die Elternschaft sei motiviert, die nächsten acht bis zwölf Wochen „in der Fremde“ gut zu meistern. Fahrgemeinschaften wurden bereits gebildet, zudem werden alle beim Ausräumen der Kita und Umzug mithelfen. „Nicht zu vergessen die seelische Unterstützung“, so Magowski. Die habe ihren Kampfgeist immer wieder geweckt. „Krise ist Chance, wir werden das schaffen.“

In alle Wände der Kita ist Feuchtigkeit eingedrungen, eine Folge der Starkregenereignisse. Eine umfangreiche Sanierung ist erforderlich, denn später würde sich hier Schimmel bilden.
In alle Wände der Kita ist Feuchtigkeit eingedrungen, eine Folge der Starkregenereignisse. Eine umfangreiche Sanierung ist erforderlich, denn später würde sich hier Schimmel bilden. © Beate Dönnewald © Beate Dönnewald

Mittlerweile sind die Kinder über den anstehenden Umzug informiert. Die Kita-Leiterin und ihre Mitarbeiterinnen haben ihnen behutsam mitgeteilt, dass sie in der nächsten Zeit auf ihre vertrauten Räume verzichten müssen.

Für die Kinder machen die Pädagoginnen daraus ein großes Urlaubsabenteuer. Keine Frage, dass die Begeisterung der Jungen und Mädchen riesig ist. Mit Feuereifer haben sie bereits die ersten Kartons gepackt.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
Zur Autorenseite
Beate Dönnewald