Die Ohren der Igel waren vereitert. Die Tiere wurden nach der Befreiung medizinisch versorgt. © Arche90
Tierquälerei

Igel im Kühlschrank eingesperrt: Arche90 rettet schwer verletzte Tiere

Vor einer Woche befreiten Mitarbeiter von Arche90 Tauben aus einer Dortmunder Wohnung. Nun waren Tierschützer wieder bei der mutmaßlichen Tierquälerin. Der Fall offenbart eine gewisse Tragik.

Was Gabi Bayer erzählt, klingt drastisch: „Der Gestank war unerträglich, der bleibt in der Kleidung, den schmeckt man sogar im Mund. Eine Mitarbeiterin musste die Wohnung sogar verlassen“.

Die Pressesprecherin von Arche90 war am Donnerstag (21.10.) persönlich dabei, als die Tierschützer nur eine Woche nach einem ersten Einsatz erneut in eine Wohnung in Huckarde gerufen wurden.

Beim ersten Besuch hatten die Tierschützer in Zusammenarbeit mit der Polizei zehn verletzte Tauben aus der Wohnung einer alleinstehenden Frau geholt. Am Donnerstag nun beobachteten Nachbarn, wie die Frau erneut etwas zunächst nicht Identifizierbares in die Wohnung trug und verständigten den Verein.

Beide Igel schwer verletzt

Durch intensives Zureden erreichten die Mitarbeiter von Arche90, dass die Frau sie in die Wohnung ließ. Dort entdeckten sie zwei Igel. Eingesperrt im Kühlschrank. Die beiden Tiere waren schwer verletzt.

Ihre Pfoten waren wund – „warum wissen wir noch nicht“, so Bayer – und die Ohren waren vereitert. Nach weiterem Zureden erlaubte die Frau, dass die Tiere zur ärztlichen Versorgung mitgenommen werden.

Der Fall hat Gabi Bayer tief berührt, denn es geht nicht nur um gequälte Tiere. „Es geht auch um den tragischen Fall einer Frau mit einer psychischen Störung.“ Die Frau habe sie umarmt, sagt Gabi Bayer, und sei glücklich gewesen, Gesellschaft zu haben.

Ein Horror für die Nachbarn

Aus diesem Grund habe sie auch die Tiere gefangen, erzählte die Frau den Tierschützern. Um Gesellschaft zu haben, um die Tiere zu streicheln. Gabi Bayer ist sich sicher: „Solange diese Frau nicht betreut wird, wird sie weiter Tiere quälen.“ Für sie ist nun der Sozialpsychiatrische Dienst in der Pflicht.

Doch neben dem Leid der Tiere gilt es auch die Belästigung für die Nachbarn zu beachten. Seit anderthalb Jahren betreut Marco Krieg vom Mieternetzwerk Dortmund die Nachbarn im Haus.

„Die Menschen hier befinden sich in einer Horror-Situation“, sagt Marco Krieg. Er zählt auf: „Der Gestank ist allgegenwärtig, nachts kommen Geräusche aus der Wohnung, als würden Möbel herumgeschoben, und regelmäßig werden Gegenstände aus der Wohnung geworfen, eine Gefahr für die Nachbarn darunter oder auf dem Gehweg.“

Die Mieter haben bereits wegen der Lärmbelästigung die Miete gekürzt, doch der Vermieter hat noch nicht reagiert. Jetzt hofft auch das Mieternetzwerk Dortmund, dass sich die Stadt mit dem Sozialpsychologischen Dienst um eine Betreuung der Frau kümmert.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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Holger Bergmann