Frieda (12) und Felix (15) fahren jeden Morgen mit dem Fahrrad zur Schule im Dortmunder Westen. © Rebekka Wölky
Stadtradeln

Mit dem Fahrrad zur Schule? Zwei Dortmunder Schüler fordern bessere Bedingungen

Bei der Aktion Stadtradeln fahren Frieda (12) vom Bert-Brecht-Gymnasium und Felix (15) von Reinoldus-und-Schiller-Gymnasium nicht einfach nur mit. Sie fordern auch etwas von der Politik.

Ihre erste große Fahrradtour hat Frieda (12) mit sechs Jahren unternommen. 100 Kilometer weit fuhr sie damals, um ihre Großmutter zu besuchen. Seitdem fährt Frieda mit dem Fahrrad zur Schule. Jeden Tag. Dass die Siebtklässlerin bei der Familien-Fahrraddemo Kidical Mass am Samstag (18.9.) ganz vorne mit dabei war und auf dem Friedensplatz sogar auf der Bühne gesprochen hat, versteht sich da fast von selbst.

Mit 134 anderen Schülern des Bert-Brecht-Gymnasiums (BBG) macht Frieda außerdem beim Stadtradeln mit. Noch bis Samstag läuft die stadtweite Aktion. Am späten Mittwochabend (22.9.) befindet sich das BBG-Team auf Platz 8 der Dortmunder Rangliste und auf Platz 5 der Schulen. Seit dem 5.9. sind die Schüler 14.516 Kilometer weit geradelt.

Morgens durch den Revierpark Wischlingen

Sogar noch einen Ranglistenplatz vor dem BBG steht zu diesem Zeitpunkt das Team des Reinoldus-und-Schiller-Gymnasiums (RSG) in Wischlingen. Im vergangenen Jahr ist das RSG beim Stadtradeln die erfolgreichste Dortmunder Schule gewesen. 16.320 Kilometer haben 130 Radelnde 2021 bereits hier zurückgelegt.

Einer von ihnen ist der 15-jährige Felix. Auch er fährt seinen Schulweg jeden Morgen mit dem Rad. „Ich mag die Bewegung am frühen Morgen. Ich könnte mich nicht direkt nach dem Aufstehen für sechs oder sieben Stunden in die Schule setzen“, sagt der Zehntklässler.

Zwei Wege kann er zur Schule nehmen: Einen weiteren durch den Revierpark oder einen etwas kürzeren durchs Industriegebiet. „Lieber fahre ich durch den Park“, sagt er. „Da ist es so früh noch menschenleer und ruhig, und wenn die Sonne über dem See steht – das ist schon schön.“

Frieda und Felix fahren gern mit dem Rad zur Schule, für sie gehört der aktive frühe Morgen fest zum Tagesablauf. Und besonders Frieda wünscht sich, dass auch ihre Mitschüler öfter zum Fahrrad greifen, als sich auf den elterlichen Beifahrersitz setzen. In diesem Zusammenhang kritisieren Felix und Frieda, dass für Radfahrer in Dortmund nicht mehr getan wird. „Ich wünsche mir sichere Radwege für Schüler und dass die Autofahrer besser aufpassen“, sagt Frieda.

In Fahrgemeinschaften zum RSG

Sie nennt gleich mehrere problematische Stellen auf ihrem Schulweg. Zum Beispiel eine Kreuzung am Bärenbruch, wo der Fahrradweg im Nichts ende. Mehr sichere Fahrradwege wünscht sie sich. Außerdem muss sie morgens an der Hangeney-Grundschule vorbei. „Da parken die Eltern, die ihre Kinder zur Schule fahren, immer den Fahrradweg zu, sodass ich nicht mehr vorbeikomme“, erzählt sie.

Während der Stadtradeln-Aktion kommen laut Frieda aus Marten mehr Schüler mit dem Fahrrad als sonst.
Während der Stadtradeln-Aktion kommen laut Frieda mehr Schüler mit dem Fahrrad als sonst. © Rebekka Wölky © Rebekka Wölky

Damit vor allem jüngere Schüler trotz solcher Gefahren im Straßenverkehr beim Stadtradeln mitmachen können, hat das RSG die Schulwege durchorganisiert: „Wir haben Fahrgemeinschaften gebildet“, erzählt Felix. „Die funktionieren wie Buslinien. Mindestens ein Oberstufenschüler fährt in jeder Gruppe mit. Die jüngeren Schüler können dann an verschiedenen Stationen dazu stoßen.“

Das Angebot sei sehr gut angenommen worden. „Nach und nach haben immer mehr mitgemacht“, sagt er. Beim Stadtradeln setzt sich die Planung offenbar durch, wie der Erfolg der Schule zeigt.

Neue Fahrradstellplätze sind in Planung

Felix stört aber, dass er sein Fahrrad an der Schule nicht immer vernünftig abschließen kann. Es gibt zwar einen Fahrradkeller, aber der ist im Sommer zu klein. Und die Fahrradständer vor der Schule stehen erstens nicht auf ebenem Untergrund und sind zweitens veraltet.

„Da kann man nur das Rad, nicht den Rahmen anschließen“, sagt Felix. Das sei aber nicht sicher, sodass viele Schüler ihre Fahrräder stattdessen am Zaun sichern würden. „Das soll natürlich nicht sein. Wir arbeiten deswegen gerade an einem Konzept für modernere Abstellmöglichkeiten“, sagt der 15-Jährige.

Tiefbaupläne der Schule haben Schüler und Lehrer gewälzt, mit dem Tiefbauamt stehen sie auch in Kontakt. Wenn die nächsten Fördermittel kommen, sollen neue Fahrradstellplätze her.

Über die Autorin
1997 in Dortmund geboren. Dort seit 2017 für die Ruhr Nachrichten im Einsatz. Habe die Stadt dabei neu kennen und lieben gelernt. Mag die großen und kleinen Geschichten um mich herum, Bücher, schreiben und fotografieren.
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Rebekka Antonia Wölky