Erst 42 Häuser stehen im Baugebiet. Wenn es nach den Dortmunder Naturschutzverbänden geht, soll sich daran nichts ändern. © Stephan Schütze (Archiv)
Jahrelanger Baustopp

Naturschützer lassen kein gutes Haar an Plänen für Dortmunder Baugebiet

Dortmunds wohl bekanntestes Baugebiet hat bei namhaften Umwelt- und Naturschützern weiterhin keine Chance. Einmal mehr protestieren sie gegen das Vorhaben. Einige ihrer Argumente machen Angst.

Ob Verwaltung, Gutachter, Gerichte oder Protestler: Der schon vor Jahren gestoppte Häuserbau und der dazugehörige Bebauungsplan in Dortmund-Oespel haben schon viele Menschen beschäftigt. Und ein Ende ist tatsächlich nicht absehbar.

Denn erneut regt sich Widerstand gegen das Baugebiet am Steinsweg/Ecke Ewald-Görshop-Straße, wo bislang nur 42 statt rund 150 Häuser stehen. Diesmal sind es Dortmunder Naturschützer wie Nabu, BUND und LNU, die auf die erneute Offenlage des Lü 148n mit einer niederschmetternden Stellungnahme reagieren.

Naturschützer lehnen Bebauung seit 2002 ab

Es ist nicht das erste Mal, dass die Verbände kein gutes Haar an dem städtischen Vorhaben lassen. 2002 haben sie zum ersten Mal die geplante Bebauung bis auf eine Randbebauung an der Ewald-Görshop-Straße abgelehnt. Weitere Stellungnahmen gegen den Lü 148 und seinen Nachfolger Lü 148n folgten in den Jahren 2003, 2008, 2010 und 2019.

Sie alle sind auch Bestandteil der neuesten Stellungnahme vom 6. April 2021, denn die Argumente der Natur- und Umweltschützer gegen das Bauprojekt haben sich im Laufe der Jahre nicht geändert. Dazu gehören unter anderem das hohe Verkehrsaufkommen, die Lärmbelastung und die Hochwassergefahr.

„Das Gebiet Steinsweg ist nicht attraktiv für Bauwillige, da es von allen Seiten verlärmt ist und dem Lärm nur mit unzähligen Maßnahmen wie Wall, Wand, passivem Lärmschutz und Gebäudestellung beizukommen ist“, schreibt Thomas Quittek von der BUND-Kreisgruppe Dortmund. An anderer Stelle heißt es: „Die Aufenthaltsqualität unterhalb der Hochspannungsleitungen geht gegen Null.“

Mehrfach ist der Bebauungsplan vor Gericht durchgefallen. Seitdem ruhen die Bauarbeiten.
Mehrfach ist der Bebauungsplan vor Gericht durchgefallen. Seitdem ruhen die Bauarbeiten. © Stephan Schütze (Archiv) © Stephan Schütze (Archiv)

Zum Aspekt „Hochspannungsleitungen“ äußerte sich Thomas Quittek im Namen der Naturschutzverbände bereits 2010 sehr ausführlich. Damals bezog er sich auf eine neue Studie aus Tasmanien. Sie belege, dass das Leben in der Nähe von Hochspannungsleitungen speziell in der Kindheit das Risiko erhöhe, an Leukämie oder Lymphomen zu erkranken. „Diejenigen, die von Geburt bis zum 5. Lebensjahr ununterbrochen in der Nähe von Hochspannungsleitungen gelebt hatten, wiesen ein fünffaches Risiko auf“, zitierte Quittek aus der Studie.

„Regional und lokal bedeutsamer Ausgleichsraum“

In seinem jüngsten Schreiben führt der Naturschützer neue Bedenken an. Dafür bezieht er sich auf die Dortmunder Klimaanalyse von 2019. Darin „ist das Baugebiet der Karte ,Planungshinweise‘ als regional und lokal bedeutsamer Ausgleichsraum dargestellt. Diese Bereiche sollen von Bebauung und Versiegelung freigehalten werden. Der Ausbau von Grünzügen und die Vernetzung von Grünflächen ist anzustreben“, schreibt Thomas Quittek. Zudem sei der Bereich als „nächtlicher Kaltluftabfluss“ dargestellt.

Unabhängig von der grundsätzlichen Ablehnung des Bebauungsplans werden in der neuesten Stellungnahme von BUND und Co. Anforderungen an die Häuslebauer formuliert. Holzbau statt Massivbau, teilweiser Energieverbrauch aus eigener regenerativer Produktion und der Einsatz von Brennstoffzellenheizungen auf Wasserstoffbasis sind einige Beispiele.

Nicht nur die Naturschutzverbände lehnen die weitere Wohnbebauung am Steinsweg seit vielen Jahren ab. Die Bürgerinitiative Oespeler Lebensraum hat sogar schon mehrfach erfolgreich dagegen geklagt. Und sie bleibt dran: Bei der Offenlage im Sommer 2019 listete die Vorsitzende Judith Zimmermann auf 340 Seiten knapp 400 Anregungen und Bedenken zum B-Plan auf.

Nun liegt eine aktualisierte Fassung seit Ende März bis einschließlich zum 7. Mai 2021 im Stadtplanungs- und Bauordnungsamt Dortmund, Burgwall 14, aus. Jeder Bürger, der sich für das Vorhaben interessiert, kann die Unterlagen einsehen.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald