Die Brücke an der Franz-Schlüter-Straße war ursprünglich für 6 Tonnen ausgelegt, bekam dann ein 30-Tonnen-Schild. Im November wird die Brücke mit neuen Lagern entsprechend ertüchtigt. © Holger Bergmann
KV-Anlage

Nordspange, Emscherbrücke, OWIIIa: Antworten auf vier Fragen im Westen

Woher führt die Nordspange? Bekommt die Westfalia-Straße einen Anschluss an die OWIIIa? Was bringt der Energie-Campus mit sich? Endlich gibt die Stadt Dortmund Antworten.

Als der Bau der Anlagen für den kombinierten Verkehr (KV-Anlagen) angekündigt wurden, machten sich die Menschen in Huckarde und Deusen Sorgen wegen des möglichen LKW-Verkehrs. 2011 begann der Dialog der Stadt Dortmund mit den Bürgern der betroffenen Bezirke. Die Treffen fanden im Dortmunder Hafen statt. Viele Fragen blieben dabei aber unbeantwortet.

Nach zehn Jahren sind sie das immer noch. Vor allem die Fragen der Deusener. Doch in einigen Belangen hat sich etwas getan. Eine Zusammenfassung zum Stand der Dinge:

1. Brücken-Ertüchtigung

Die Emscherbrücke an der Franz-Schlüter-Straße war vor der Eröffnung der KV-Anlage für 6 Tonnen Gewicht freigegen. Nun dürfen Fahrzeuge bis 30 Tonnen darüber fahren. Dabei wurde die Brücke nie ertüchtigt.

Dazu die Stadt Dortmund: „Zur Ertüchtigung der Brücke sollen die Ingenieure zusätzliche Lager einbauen, austauschen und sogenannte externe Vorspannung in Längs- und Querrichtung einbringen. Die Arbeiten sind vergeben und der Auftragnehmer hat die technische Bearbeitung im September 2021 begonnen. Die „sichtbare“ Arbeit vor Ort wird voraussichtlich im November erfolgen.

Diese Antwort überrascht viele Deusener: „Davon wussten wir nichts“, sagt Claudia Brückel, Sprecherin der CDU-Fraktion in der Bezirksvertretung Huckarde und Deusenerin. „Darauf mussten wir lange warten“.

Peter Strege (SPD) bleibt skeptisch: „Mal sehen, für wieviel Tonnen Gesamtgewicht die Straße ertüchtigt wird. Da fahren auch größere Schwergewichte drüber“.

„Die KV-Anlage“ sind eigentlich zwei Anlagen. Eine in Deusen eine im Hafen. Die sollen eine ausgebaute Straße als Verbindung bekommen. Die sogenannte „Nordspange“. Eine mögliche Route würde durch die Weidenstraße in Deusen führen. Doch diese Straße und die dortige Kanalbrücke sind zu eng.

2. „Nordspange“

Dazu die Stadt Dortmund: „Dieser Abschnitt der großen Nordspange wird derzeit noch nicht weiter ausgearbeitet. Wenn es nur um die konkrete Brücke geht, wäre die Wasser- und Schifffahrtsdirektion West zuständig“.

Die Kanalbrücke an der Weidenstraße ist offenbar zu eng, um Teil der sogenannten Nordspange zu werden.
Die Kanalbrücke an der Weidenstraße ist offenbar zu eng, um Teil der sogenannten Nordspange zu werden. © Holger Bergmann © Holger Bergmann

Das freut Peter Strege: „Das ist das Ende der Nordspange durch Deusen“. Diesen Optimismus kann Reiner Schramowski von der Siedlergemeinschaft Deusen nicht teilen: „Dann kommen die Container-LKW über die Ellinghauser Straße und wenn die in den Hafen wollen, fahren sie über die Deusener Straße direkt durch den Ort“.

Während der Bürgergespräche wurde eine Anbindung der Westfalia-Straße an die Malinckrodtstraße (OWIIIa) diskutiert, um die LKW nach Süden zu lenken und Deusen zu schonen. Viele fragen sich, ob diese Idee noch lebt oder längst verworfen wurde.

3. Anschluss Westfalia-Straße

Die Antwort der Stadt Dortmund: „Auf Grundlage der bereits 2020 vorgestellten positiven Nutzen-Kosten-Betrachtung für den Vollanschluss der Westfaliastraße an die OWIIIa wird perspektivisch ein Planungsbeschluss erarbeitet“.

„Ja, das war klar“, meint Peter Strege. „Die Westfalia-Straße führt genau dort entlang, wo die Bahn jetzt ein ICE-Werk plant. Da wäre ein Anschluss sehr praktisch“.

Die praktischen Vorteile sieht auch Claudia Brückel, doch sie mahnt: „Dafür ist die Westfalia-Straße gar nicht ausgelegt, Dafür ist der Platz gar nicht da“. Sie hält die Planung einer Anschlussstelle an diesem Punkt für sehr problematisch.

Im Rahmen der Planungen zur Internationalen Gartenausstellung 2027 soll nördlich der Kokerei Hansa der sogenannte Energie-Campus entstehen. Dort sollen Betriebe der Forschung, Produktion und Entwicklung von Zukunftstechnologien sesshaft werden.

4. Energie-Campus

2000 Arbeitsplätze sollen entstehen. Huckarder Poltiker machen sich sorgen, dass die Straße Hülshoff/Emscherallee, den dadurch entstehenden Verkehr nicht so einfach schlucken wird.

Dazu die Stadt Dortmund: „Die bis zur möglichen Realisierung des Gebietes bereits begonnene Verkehrswende wird voraussichtlich auch den bisher bestehenden motorisierten Verkehr reduzieren, sodass an den Knotenpunkten dadurch auch Kapazitäten frei werden. Insofern ist nicht mit einem Verkehrschaos zu rechnen“.

„Elektroautos sind genauso breit wie normale Verbrenner-Auto“, sagt Peter Strege und findet die Hoffnung der Stadt, dass der Verkehr im Rahmen der Verkehrswende eh abnimmt, naiv. „Es wird mehr Verkehr geben und man braucht auch auf dem Energie-Campus Parkplätze“.

Claudia Brückel denkt an den Tagesbruch vor einer Woche: „Diese Straße steht auf unsicherem Boden, das wissen wir seit Jahren. Und wir wissen auch, dass sie ertüchtigt werden muss“. Sie hält die Antwort der Stadt für eine Frechheit.

Zehn Jahre nach Beginn des Bürgerdialogs steht die KV-Anlage zwar, aber die Pläne zur Verkehrslenkung sind noch immer nicht endgültig geklärt. Das Thema wird die Politik noch jahrelang beschäftigen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Holger Bergmann ist seit 1994 als freier Mitarbeiter für die Ruhr Nachrichten im Dortmunder Westen unterweg und wird immer wieder aufs neue davon überrascht, wieviele spannende Geschichten direkt in der Nachbarschaft schlummern.
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