Morgens um viertel vor acht: Eltern-Taxis drängen in die zeitweilige Sackgasse: Rangieren vor und zurück - Grundschüler mittendrin. © Uwe von Schirp
Schulweg-Sicherung

Rücksichtslose Eltern gefährden eigene Kinder an Dortmunder Grundschule

Eltern, die parken, wo immer es beliebt. Die direkt vorm Schultor halten: Morgens und mittags herrscht an einer Grundschule blankes Chaos. Nun reicht Elternvertretern der Egoismus.

Gerade erwacht der Tag aus der Morgendämmerung. Es ist 7.25 Uhr an diesem Dienstag. Eine Baustellenbake sperrt halbseitig den Weg in die Sackgasse. „Keine Wendemöglichkeit“, erklärt der Zusatz unter dem Verkehrsschild. Trotzdem: Auto um Auto drängt in die Straße. Rechts liegen Wohnhäuser, links die Grundschule.

Rush-hour im Mengeder Ortskern: Die Regenbogen-Grundschule liegt im Dreieck von Jonathanstraße, Adalmundstraße und Remigiusstraße. 30 Minuten lang herrscht hier Chaos: jeden Morgen ab halb acht und noch zweimal mittags zum Unterrichtsschluss.

Zu normalen Zeiten können die Elterntaxis von zwei Seiten an die Schule heranfahren. Auch da ist es chaotisch, häufig brenzlig, manchmal gefährlich. Derzeit aber ist alles noch viel schlimmer: Stoßstange an Stoßstange schieben sich die Fahrzeuge allein über die Remigiusstraße bis in die Adalmundstraße.

Baustellen verschlimmern Situation

Denn rund um die Schule wird gebaut. Die Ortskernsanierung an der Mengeder Straße verhindert die Zufahrt über die Jonathanstraße und den abfließenden Verkehr aus der Adalmundstraße auf die Mengeder Straße. Das Schultor liegt in der Sackgasse.

Autos fahren trotzdem hinein, wenden auf engstem Raum. Rein und raus. Kinder laufen vor den Autos herum und hinter ihnen. Es wirkt wie in einem schlechten Film, den vier Mütter fassungslos von der Kreuzung aus beobachten. Andere Fahrer stellen ihre Wagen einfach irgendwo ab: auf dem Gehweg im absoluten Halteverbot oder halb auf der Kreuzung vor die Absperrbake.

Die Eltern parken, wie es gerade gefällt: gegen den Verkehr, halb auf der Kreuzung oder im Halteverbot.
Die Eltern parken, wie es grad gefällt: gegen den Verkehr, halb auf der Kreuzung oder im Halteverbot. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Es gebe keinen Kampf mit den Anwohnern um mangelnden Parkraum, erklärt Sven Goerke beim Ortstermin mit dieser Redaktion. „Das große Problem sind die Eltern selber, die hier ohne Rücksicht auf Verluste parken und halten“, sagt der Vorsitzende der Schulpflegschaft.

Eltern vor dem Schultor

„Mehr oder weniger ich-bezogen“ sei es diesen Eltern egal, was drumherum passiert. „Hole ich mein Kind hier ab, gucke ich, dass mein Kind einen kurzen Fußweg hat. Möglichst bis aufs Schulgelände drauf fahren, das ist die gefährliche Situation, die wir hier haben.“ Klare Worte des gewählten Eltern-Vertreters.

Schulleitung und Schulpflegschaft haben das Problem erkannt. An den Zäunen am Schulgelände wollen sie mit Plakaten auf die Gefahren hinweisen: „Unsere Kids haben keinen Airbag“ – die Aktion von Dortmunder Polizei und Radio 91,2.

Ohne Eltern-Taxis geht es kaum

Drei der vier Mütter an der Kreuzung haben ihre Kinder auch mit dem Auto gebracht. Eine parkt auf dem Mengeder Markt, zwei auf dem Burgring. Denn ohne Eltern-Taxis geht es kaum an der Regenbogen-Grundschule: Der Einzugsbereich reicht bis nach Groppenbruch, ins Erdbeerfeld oder in den Osten von Castrop-Rauxel.

Die Remigiusstraße am Mittag: Rechts auf dem Bürgersteig ist kaum Platz - in der Mitte im Bedarfsfall kaum ein Durchkommen für Rettungsfahrzeuge.
Die Remigiusstraße am Mittag: Rechts auf dem Bürgersteig ist kaum Platz – in der Mitte im Bedarfsfall kaum ein Durchkommen für Rettungsfahrzeuge. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Vor allem Erst- und Zweitklässler sind noch zu klein für den weiten Weg oder die Fahrt mit einem Schulbus. „Auf dem Markt oder am Burgring sind aber genügend Parkplätze“, sagt Sven Goerke. Die Alternative zeigt eine Mutter an diesem Morgen: Sie und ihr Kind kommen mit dem Fahrrad.

Goerke wünscht sich zudem verkehrliche Maßnahmen. Zebrastreifen an den künftigen Eingängen der Schule etwa. Und eine Einbahnstraßenregelung. Die Adalmundstraße hat sie schon seit langem. In ihrer Juni-Sitzung beschloss die Bezirksvertretung das auch für die Jonathanstraße. Eine Vollsperrung brachte die SPD im September ins Spiel. Goerke hält davon jedoch auch mit Blick auf die Anwohner nichts.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp