Mit Schokolade bedankte sich Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann am Sonntagabend bei den zumeist ehrenamtlichen Helfern im zeitweiligen Impfzentrum in Nette. © Uwe von Schirp
Coronavirus

Sonder-Impfaktion: gute Resonanz – aber ein paar enttäuschte Gesichter

1588 Menschen nahmen am Wochenende an der Sonder-Impfaktion teil. Die Stadt ist zufrieden. Alles lief ruhig. Es gab keinen Neid – am Sonntagabend aber dennoch ein paar enttäuschte Gesichter.

Sonntagabend (30.5.), gegen 19.15 Uhr: Uwe Klimaschewski wendet sich enttäuscht vom Seiteneingang des Heinrich-Heine-Gymnasiums in Dortmund-Nette ab. Mit rund 30 weiteren Frauen und Männern hat er das Ende der städtischen Sonder-Impfaktion abgewartet – in der Hoffnung, eine Dosis vom übrig gebliebenen Impfstoff des Herstellers Johnson & Johnson zu bekommen.

Drinnen warten die letzten regulären Impflinge noch auf ihren Pieks. Die Verantwortlichen um Organisationsleiter Jens Peick erklären derweil den draußen Wartenden das weitere Vorgehen. Nur Impfstoff aus geöffneten Ampullen, sogenannten Vials, werde verimpft. Vier von ihnen kommen wenig später zum Zuge.

Am letzten Mai-Wochenende fand die erste Sonder-Impfaktion in einer Sporthalle in Nette statt.
Am letzten Mai-Wochenende fand die erste Sonder-Impfaktion in einer Sporthalle in Nette statt. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Bei der Vergabe der letzten Impfdosen gehen die Verantwortlichen nach der Impf-Priorisierung vor. Unter den 30 Wartenden gehört niemand den Altersgruppen über 80 oder 70 Jahren an. Die vier, die letztlich ihre Impfung bekommen, haben ärztliche Bescheinigungen über Vorerkrankungen dabei. Eine Impfärztin kontrolliert die Berechtigung.

In vier Wochen Impftermin beim Hausarzt

Auch Uwe Klimascheski hat Vorerkrankungen: Bluthochdruck, einen erhöhten Body-Maß-Index, Asthma. Allein das Attest fehle ihm, erzählt er im Gespräch mit dieser Redaktion. Tagsüber hatte er sich in die zu dieser Zeit kurze Schlange gestellt, um die Impfung zu bekommen. Aber: Der 64-Jährige wohnt in der Händelstraße.

Die liegt gefühlt zwar in Nette – entsprechend der statistischen Bezirke jedoch in Mengede und damit außerhalb des Sozialraums für die Sonder-Impfaktion. Auch ein Paar rumänischer Herkunft geht am Abend ungeimpft heim. „Schade“, sagt der Mengeder. „Es war aber einen Versuch wert.“ Erst in vier Wochen hat er einen Impftermin bei seinem Hausarzt.

Bis zu 350 Meter lang war die Schlange am Freitag. An den beiden folgenden Tagen war die Wartereihe deutlich kürzer.
Bis zu 350 Meter lang war die Schlange am Freitag. An den beiden folgenden Tagen war die Wartereihe deutlich kürzer. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Die Menschen vor der Sporthalle an der Dörwerstraße nehmen es gelassen. Es ist der Schlusspunkt der dreitägigen Aktion. 1588 Menschen aus Bodelschwingh, Westerfilde und einem Großteil von Nette haben das Impf-Angebot angenommen, teilt die Stadt am Montagnachmittag mit. In den vergangenen Monaten hatte es in ihren Quartieren vor allem bei beengten Wohnverhältnissen überdurchschnittlich hohe Corona-Infektionen gegeben.

Wie viele Dosen letztlich übrig geblieben sind, könne die Stadt nicht nennen, „da in der Regel eine Impfdose pro Vial mehr aufgezogen werden kann“. Das erklärt Stadtsprecherin Anke Widow auf Anfrage. Die noch geschlossenen Vials des Sonderkontingentes verwendet die Stadt in den nächsten Tagen für weitere Schwerpunkt-Impfungen: in Lütgendortmund, Eving und der Nordstadt.

„Keine bemerkenswerten Zwischenfälle“

25 Stunden stand das vorübergehende Impfzentrum an der Dörwerstraße offen. Längere Wartezeiten gab es nur am Freitagnachmittag und am Samstagmorgen. Geduldig stellten sich die Menschen in die Schlange.

„Es gab am gesamten Wochenende keine bemerkenswerten Zwischenfälle“, erklärt Anke Widow. Auch medizinisch nicht: Eine geringe Anzahl der Impflinge habe nach dem Pieks Kreislaufprobleme gehabt – dies aber auf persönliche Anspannung zurückgeführt..

Problemlos auch der Ablauf im Schulzentrum. Am Freitagmittag kreuzten sich die Wege von Wartenden und Schülern. „Keine Komplikationen“, sagt Sven Eeckhout. Mit seinem Kollegen Lucian Reymann achtete der Schulsozialarbeiter der Albert-Schweitzer-Realschule darauf, dass Kinder und Jugendliche problemlos vom Schuhof kamen. „Die Wartenden haben eine Schneise gebildet.“

Die Schulsozialarbeiter Sven Eckhout (l.) und Lucian Reymann achteten am Freitag bei Schlusschluss auf einen reibungslosen weg der Schüler zur Bushaltestelle.
Die Schulsozialarbeiter Sven Eckhout (l.) und Lucian Reymann achteten am Freitag bei Schlusschluss auf einen reibungslosen weg der Schüler zur Bushaltestelle. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Sonntagabend, 18 Uhr. Bezirksbürgermeister Axel Kunstmann dankt den 30 Helfern im Impfzentrum. Jeder bekommt eine Tafel Schokolade für den zum Teil ehrenamtlichen Einsatz.

Die Resonanz auf die Aktion sei erfreulich hoch, sagt Kunstmann im Gespräch. „Viele meiner anfänglichen Bedenken haben sich nicht bestätigt.“ Impf-Neid war eines dieser Bedenken. Den hegen auch die Wartenden am Sonntagabend vor der Tür erkennbar nicht.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp