Die Glocken aus dem Turm der evangelischen Kirche in Nette sind am Dienstag (15.12.) auf die Reise gegangen. Eine Glockenmanufaktur restauriert sie. Anschließend kehren sie in die katholische Nachbargemeinde zurück. © Uwe von Schirp
Kirche im Westen

Spektakuläre Aktion: Netter Glocken läuten 2021 ökumenisch

Glocken ziehen von der evangelischen in eine katholische Kirche um. Das ist ungewöhnlich. In Dortmund-Nette ist das ein Zeichen praktizierter Ökumene. Vor dem Einbau stehen heiße Tage.

Großer Bahnhof am Dienstagmorgen (15.12.) unter dem Glockenturm der evangelischen Noahgemeinde in Nette. Ein Gerüst steht an der Landmarke aus Beton. Gegen 10.30 Uhr rollt ein Autokran in die gesperrte Joachim-Neander-Straße. Schaulustige stehen hinter Absperrungen.

Verantwortliche der Noahgemeinde und ihrer katholischen Nachbarn aus dem Pastoralverbund Nordwest schauen nach oben. Ein seit zwei Jahren geplantes Projekt nimmt Gestalt an: Fünf Glocken aus dem evangelischen Turm sollen im kommenden Jahr unter der Turmhaube der katholischen Kirche läuten.

Der Ausbau fand im Beisein der Verantwortlichen beider Gemeinden statt: Küster Andreas Dolata, Brigitte Linnewerth (Kirchenvorstand St. Josef), Pfarrerin Renate Jäckel, Pfarrer Hubert Werning, Pfarrerin Stephanie Lüders, Andreas Gassmann (Presbyterium Noahgemeinde, v.l.n.r.).
Der Ausbau fand im Beisein der Verantwortlichen beider Gemeinden statt: Küster Andreas Dolata, Brigitte Linnewerth (Kirchenvorstand St. Josef), Pfarrerin Renate Jäckel, Pfarrer Hubert Werning, Pfarrerin Stephanie Lüders, Andreas Gassmann (Presbyterium Noahgemeinde, v.l.n.r.). © Markus Kohlenberg © Markus Kohlenberg

Die evangelische Noahgemeinde hat ihr Netter Gemeindehaus vor drei Jahren geschlossen. Viele Gruppen treffen sich seitdem nur 300 Meter entfernt unter dem Dach der Gemeinde St. Josef. Die Christen im Stadtteil rücken näher zusammen und pflegen die Ökumene.

Im Frühjahr erfolgt der Einbau

Konsequenterweise heißt das Glocken-Projekt „Hier läutet Ökumene“. Das Geläut der evangelischen Kirche ist von besserer Qualität, haben Sachverständige herausgefunden. Darum ziehen sie – über einen Umweg – um. Im Frühjahr erfolgt der Einbau in St. Josef. Im katholischen Glockenturm verbleibt dann nur die Christus-König-Glocke – eine der größten Glocken in Dortmund.

Ein Autokran hob die schweren Stahlglocken aus dem Turm.
Ein Autokran hob die schweren Stahlglocken aus dem Turm. © Markus Kohlenberg © Markus Kohlenberg

Christian Jansing und Florian Schleking sind schon seit Montag (14.12.) vor Ort und für den Ausbau verantwortlich. Sie arbeiten in der Glockenmanufaktur Petit und Edelbrock in Gescher. Am Mittag haben sie die fünf Glocken samt Klöppel und Motoren in einen Transporter und auf einen Anhänger geladen.

Die Glockengießerei wird das Geläut zunächst reinigen und dann zu einem weiteren Fachbetrieb transportieren. Diese Firma für Wärmetechnik wird die fünf Glocken dann entspannungsarm durchglühen und langsam erkalten lassen. „Das ist ein Versuch, den Klang zu verbessern“, erklärt Florian Schleking.

Grundstück wechselt den Besitzer

Christian Jansing wird im Frühjahr zurück nach Nette kommen. Der gelernte Tischler baut dann mit einem Kollegen einen neuen Glockenstuhl aus Eichenholz. Anschließend kehren die fünf Stahlglocken nach Nette zurück. Dann quasi läutet die Ökumene.

Vor dem Umzug standen lange Planungen und Gutachten: von Sachverständigen, Architekten und Statikern. „Aktuell sind die Ausschreibungen der Gewerke abgeschlossen und man wartet noch auf die letzte Freigabe für den Einbau“, heißt es in einer Mitteilung des katholischen Pastoralverbundes Nordwest.

Der Ausbau musste noch in diesem Jahr erfolgen. Denn zum Jahresende übergibt die Noahgemeinde das Grundstück mit Gemeindehaus und Glockenturm an einen Investor. Der errichtet auf dem Areal einen acht-gruppigen Kindergarten sowie Wohnungen.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp