Ein Dortmunder Wirt muss seinen Biergarten schließen, weil er sich Erweiterungen auf der Außenterrasse nicht genehmigen ließ. Unsere Autorin meint: Diese Strafe ist zu hart. © Beate Dönnewald
Meinung

Stadt schließt Dortmunder Biergarten: Wo bleibt die Milde im Corona-Jahr?

Keine Frage: Wer Mist baut, darf nicht ungeschoren davonkommen. Aber muss die Stadt deshalb gleich einen Biergarten dicht machen? Das ist weit übers Ziel hinausgeschossen, meint unsere Autorin.

Der Dortmunder Wirt Georgios Isaakidis musste zum 1. Oktober 2021 seinen Biergarten schließen. Dauerhaft. So hat es die Stadt Dortmund entschieden.

Diese Anordnung kam überraschend, denn während eines Ortstermins mit einer Richterin des Verwaltungsgerichts Gelsenkirchen hatte man sich auf eine andere Vorgehensweise geeinigt: Der Wirt des Restaurants „Der Grieche“ sollte seine Außenterrasse in Dortmund-Dorstfeld lediglich täglich um 20 Uhr schließen.

Damit wären auch der Nachbar, der sich über den abendlichen Lärm beschwert hatte, und sein Anwalt Joachim Pohlmann einverstanden gewesen – so haben es Pohlmann selbst und eine Sprecherin des Gerichts im Gespräch mit unserer Redaktion bestätigt.

Im Anschluss an diesen Termin erhielt Georgios Isaakidis ein Schreiben des Stadtplanungs- und Ordnungsamts. „Ab dem 1.10.2021 darf die Außenterrasse nicht mehr genutzt werden und die Bestuhlung ist zu entfernen“, heißt es darin. Begründet wird dies mit der „nicht genehmigten Nutzungsausweitung der Außengastronomie“.

Strafe eine Nummer kleiner?

Nicht genehmigt waren ein Teil der Sitzplätze, der Aufbau eines Außengrills und der Einbau einer Küchentür. Keine Frage, dass die Stadt hier nicht einfach ein Auge zudrücken konnte und der Wirt zur Rechenschaft gezogen werden musste. Doch musste hier gleich mit dem größten Hammer, der der Stadt zur Verfügung steht, zugschlagen werden?

Hätte die Strafe nicht auch eine Nummer kleiner ausfallen können? Vor allem mit Blick auf die Coronavirus-Pandemie, die den Gastronomen das Leben in den vergangenen Monaten ohnehin schon sehr schwer gemacht hat?

Hätten nicht eine Verwarnung oder ein Bußgeld gereicht? Oder die Anordnung, den Grill abzubauen und die Küchentür zu schließen? Auch die ursprüngliche Einigung mit der Richterin, die Öffnungszeiten des Biergartens von 22 auf 20 Uhr zu reduzieren, hätte eine schmerzhafte Strafe für den Wirt bedeutet.

Weniger Gäste im Sommer

Durch die komplette Schließung des Biergartens wird dem Gastronom sein zweites Standbein entrissen. Ab dem kommenden Frühjahr wird er das deutlich spüren. Dann kann er bei gutem Wetter deutlich weniger Gäste bedienen. Wer will schon bei Sonnenschein und blauem Himmel „Gyros und Ouzo“ in geschlossenen Räumen genießen?

Hier wäre im Corona-Jahr durchaus mehr Milde angebracht gewesen. Und noch besser: Vielleicht könnte man mit dem Wirt eine Lösung finden. Sogar der Anwalt der gegnerischen Seite hat sich dazu Gedanken machen: die Bestuhlung entlang der Straße Kortental aufbauen und alle zusammen könnten zufrieden sein.

Über die Autorin
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1968 geboren und seit über 20 Jahren Redakteurin bei Lensing Media. Zuständig für den Dortmunder Westen mit seinen Stadtbezirken Lütgendortmund, Mengede und Huckarde sowie für die Stadt Castrop-Rauxel.
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Beate Dönnewald