Eine urige Atmosphäre in ländlicher Idylle kennzeichnet das Restaurant im Dortmunder Westen. Mit der idylle ist es am Sonntag (24.10.) vorbei. Tierschützer kündigen eine Demonstration gegen einen Menue-Hauptgang an. © Tobias Weckenbrock
Aktivisten starten Aufruf

Tierschützer kündigen Demo vor Restaurant im Dortmunder Westen an

Gebratene Gänsestopfleber im Hauptgang: Das Menü eines Dortmunder Gastronomen rief Tierschützer auf den Plan. Einer Petition folgten bedrohliche E-Mails. Nun kündigen sie eine Demo an.

Bis zum 31. Oktober noch läuft die zweimonatige Aktion „Menue Karussell“. In den ersten Septembertagen entbrannte ein Proteststurm gegen einen im Dortmunder Westen und Castrop-Rauxel bekannten Gastronomen. Tierschützer starteten eine Online-Petition.

Der Anlass: Franz-Josef „Bubi“ Leuthold, Inhaber des Restaurants „Tante Amanda“, bietet in einem der zwei Aktions-Menüs als Hauptgang „Rossini“ Rinderfiltet mit gebratener Gänsestopfleber an. Feinschmecker schätzen die Stopfleber als Delikatesse.

Bei Tierschützern ist sie alles andere als beliebt: Sie kritisieren Tierquälerei bei der Herstellung. Dabei werden Enten und Gänse zwangsernährt. Über ein Rohr wird ihnen Mastfutter zugeführt. Dadurch wird die Leber schwerer und fetthaltiger. Die Herstellung ist in Deutschland verboten – Verkauf und Zubereitung der auch unter dem Namen bekannten „Foie Gras“ allerdings nicht.

Mehr als 100.000 Unterschriften

Mehr als 85.000 Menschen unterzeichneten in den ersten sechs Tagen des „Menue Karussells“ die Petition. Elf Tage vor Ende der Gastronomie-Aktion sind es 109.239 Unterzeichner (Stand: 20.10., 18.15 Uhr). In der Petition fordern Tierschützer, die Speise für alle teilnehmenden Restaurants am Menue Karussell zu verbieten.

Bubi Leuthold ließ sie auf der Menükarte. „Ich habe mich sehr erpresst gefühlt“, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. „Deswegen habe ich es gemacht.“ Die Nachfrage bei seinen Gästen im Menue Karussell wäre „so wie immer“, erklärt er. „Einige bestellen es, andere wählen den Fisch.“

Um dieses Gericht bei Tante Amanda geht es:
Um dieses Gericht bei Tante Amanda geht es: „Rossini“ Rinderfilet mit gebratener Gänsestopfleber und Kartoffelgratin. Die Foie gras sorgt seit Wochen für Proteste unter Tierschützern. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Elke Balz aus Castrop-Rauxel hat die Online-Petition unterzeichnet. Ende September bekam sie von der Tierschutzpartei eine E-Mail. Bubi Leuthold halte „auch nach über 100.000 Unterschriften nach wie vor an seinem Tierqualgericht“ fest, schreiben die Initiatoren der Petition.

„Das Peta Zwei Streetteam Dortmund hat deswegen für Sonntag den 24. Oktober ab 12 Uhr eine Demonstration bei Tante Amanda angemeldet und freut sich über jede Unterstützung vor Ort!“ Peta ist ein Zusammenschluss von Tierschutz-Aktivisten.

15 Teilnehmer angemeldet

„Geplant ist, mit Plakaten und Flyern davor zu demonstrieren und mit den Gästen ins Gespräch kommen“, heißt es weiter. „Außerdem werden die Aktivist*innen anschaulich darstellen, wie sehr die Gänse und Enten dafür leiden müssen.“

Elke Balz engagiert sich im „Refugium für Tiere in Not“ in Castrop-Rauxel. „Ich möchte gerne da hingehen“, sagt die Über-80-Jährige. „Wenn es geht, werde ich daran teilnehmen. Und wenn ich mir einen Sitzhocker mitnehme.“

Kristina Purschke, Pressesprecherin der Dortmunder Polizei, bestätigt auf Anfrage die Anmeldung der Demonstration. Zwischen 12 und 14 Uhr würden 15 Teilnehmer erwartet.

Wirt Franz-Josef
Wirt Franz-Josef „Bubi“ Leuthold freute sich riesig über ein gutes erstes Nach-Corona-Wochenende seines Biergartens und Restaurants „Tante Amanda“. © Matthias Langrock © Matthias Langrock

„Sollen sie machen, solange sie unser Hausrecht nicht infrage stellen“, erklärt Bubi Leuhold. Er wirkt zumindest äußerlich entspannt. „Das kann ja stattfinden, nur nicht auf unserem Grundstück.“

Angriffe unter die Gürtellinie

Kontakt zu den Tierschützern habe er in den letzten Wochen nicht gehabt – „abgesehen von E-Mails, die unter die Gürtellinie gingen“. Der Gastronom erzählt von Morddrohungen und Todeswünschen in den Nachrichten, „natürlich anonym“. Aber: „Ich hab ein dickes Fell.“

„500 bis 800 Restaurants in Deutschland“ böten „seit 30 Jahren“ Foie Gras an, schätzt Leuthold. „Jetzt suchen sie sich die kleine Tante Amanda auf dem Land aus und prügeln drauf.“

Natürlich habe er mitbekommen, dass Sternekoch Michael Dyllong in seinem Hombrucher Restaurant „The Stage“ die Gänsestopfleber in der aktuellen Karte nicht mehr führe. „Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen“, erzählt er. „Die machen es nicht mehr.“

Bis zum 31. Oktober dreht sich noch das Menue Karussell. „Wir werden das auch nicht mehr machen“, erklärt Bubi Leuthold mit Blick auf die Zeit danach. „Nur noch auf Bestellung – solange es erlaubt ist.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp