Die Freiwilligen Feuerwehren aus Deusen und Eving mussten am 15. August Wassermassen von einem Hofgelände in Schwieringhausen pumpen. © privat
Starkregen im August

Wassermassen fluten Dortmunder Gehöft: Wer zahlt zigtausend Euro Schaden?

Der Starkregen am 15. August in Dortmund flutete das Gehöft von Felix und Marlene Schmidt. Der Schaden geht in die Zigtausende. Bleibt das Ehepaar jetzt allein auf den Kosten sitzen?

Ruhig und beschaulich liegt das alte Gehöft am Rande Schwieringhausens. Beschaulich plätschert der Schwieringhauser Bach unterhalb der Böschung des Dortmund-Ems-Kanals entlang. Die Wiesen strahlen sattgrün in der Spätsommer-Sonne.

Felix und Marlene Schmidt leben hier in altem Familienbesitz. Eine Idylle – auf den ersten Blick. Der zweite Blick fällt beim Ortstermin mit dieser Redaktion auf abgesacktes Pflaster vor dem Haus, auf braun-gelbe Streifen an den weiß gestrichenen Wänden in Wohnzimmer und Flur, auf einen Haufen Sperrmüll unter einer Remise.

Marlene und Felix Schmidt erlebten am 15. August dramatische Stunden. Starkregen überflutete das Becken vor dem Düker hinter ihrem Gehöft.
Marlene und Felix Schmidt erlebten am 15. August dramatische Stunden. Starkregen überflutete das Becken vor dem Düker hinter ihrem Gehöft. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Es sind die Spuren des Starkregens vom 15. August. An diesem Samstagnachmittag fluten Wassermassen das Gehöft. Der Schwieringhauser Bach schwillt bedrohlich an, die Sammler von Dachrinnen und Gullys können das Wasser nicht mehr aufnehmen. Der Grund: Es fließt nicht ab.

Staumauer aus Kanthölzern

Das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) Duisburg hat zuvor den Düker hinter dem Haus mit einer Stauwand aus 14 Zentimeter dicken Kanthölzern gesperrt. Der Düker führt den Schwieringhauser Bach unter dem Dortmund-Ems-Kanal durch. „Der Grund waren Arbeiten zum Korrosionsschutz im Düker“, weiß Felix Schmidt.

Vor dem Düker liegt ein naturnahes Becken mit einer Betonwand zum Hof. Hier fließt das Oberflächenwasser von den Dächern und Gullys des Hofs mit dem Bachlauf zusammen. Beim Unwetter fehlen Pumpen mit einem Schwimmer, die bei einer bestimmten Füllhöhe vor der Stauwand das Wasser abpumpen.

Zweieinhalb Wochen später sind Pumpen da. Dicke Schläuche führen über die Böschung in den Kanal. Nicht am 15. August. Felix und Marlene Schmidt, ihre Mieter und Nachbarn erleben dramatische Stunden.

Dramatische Stunden am Nachmittag

Um 14.50 Uhr beginnt es zu regnen, heißt es in einem Verlaufsprotokoll, das der Eigentümer angefertigt hat. 20 Minuten später steht das Wasser vor der Haustür. Das Ehepaar wundert sich, warum es nicht abläuft. Sie alarmieren die Feuerwehr.

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Land unter am 15. August: Dramatische Bilder aus Schwieringhausen

Felix und Marlene Schmidt spielen in der Band „Reflektorfuchs“. Der Probenraum in einer ehemaligen Scheune läuft voll. Sie benachrichtigen die anderen Bandmitglieder. Um 15.35 Uhr steht das Wasser bis an den obersten Balken der Stauwand am Düker, in einer Reparaturwerkstatt neben dem Probenraum bereits wadentief.

Spuren am Scheunentor zeigen, wie hoch das Wasser am 15. August stand.
Spuren am Scheunentor zeigen, wie hoch das Wasser am 15. August stand. © Uwe von Schirp © Uwe von Schirp

Um 16.22 Uhr treffen die Löschzüge der Freiwilligen Feuerwehr ein. „Sie haben das Wasser zunächst auf die Felder gepumpt“, erzählt der Eigentümer. „Es floss wieder zurück.“ Dann kommt die Erlaubnis, das Wasser in den Kanal pumpen zu dürfen. Schließlich flutet die Feuerwehr den Düker. Gegen 18 Uhr ist das Wasser weitgehend abgelaufen. Die Bandmitglieder bergen Verstärker und Instrumente.

Wasser- und Schifffahrtsamt vollzieht Kehrtwende

Ein Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes ist mittlerweile eingetroffen. Er sichert den Eigentümern zu, dass der Bund den Schaden begleichen wird. Zwei Wochen später die Kehrtwende.

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Hochwasser in Schwieringhausen – eine Analyse

Felix Schmidt hat Kostenvoranschläge eingeholt und die Inventarschäden aufgelistet. Aber: „Das WSA hat uns mitgeteilt, dass es keine Kosten übernehmen werde, weil das Unwetter höhere Gewalt gewesen sei“, erzählt der Eigentümer. „Angeblich sei das hier am 15. August der stärkste Regen der letzten 50 Jahre gewesen.“ Ein Gutachten solle beweisen, dass die Wassermenge nicht durch den Düker gepasst hätte.

Auf Anfrage dieser Redaktion teilt die Stadt mit, der nächstgelegene Regenschreiber der Emschergenossenschaft habe einen Niederschlag gemessen, der alle drei bis fünf Jahre auftritt – ein Starkregen der Klasse 3.

Den Gesamtschaden rechnet Schmidt auf rund 60.000 Euro hoch – allein für die Trocknung der Gebäude 35.000 Euro. In den Wänden des Wohnhauses steigt die Nässe aus dem Fundament. Putz bröckelt von den Wänden. Terrasse und Einfahrt sind abgesackt.

Felix Schmidt hat jetzt einen Anwalt eingeschaltet.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Geboren 1964. Dortmunder. Interessiert an Politik, Sport, Kultur, Lokalgeschichte. Nach Wanderjahren verwurzelt im Nordwesten. Schätzt die Menschen, ihre Geschichten und ihre klare Sprache.
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Uwe von Schirp