100 Katastrophenschutz-Sirenen für Dortmund: Unser Video zeigt, wie sie klingen

rnNRW-Alarmtag

Der 6. September 2018 ist der Warn- und Alarm-Testtag in NRW - in Dortmund heult eine Sirene mit. Der Katastrophenschutz soll aber weiter ausgebaut werden.

Dortmund

, 10.08.2018, 19:07 Uhr / Lesedauer: 4 min

Völker, hört die Signale: Nordrhein-Westfalen testet am 6. September 2018 landesweit seine Katastrophenschutz-Sirenen und andere Warnsysteme, damit jüngere Generationen und auch alle anderen Bürger im Katastrophen-Ernstfall die offiziellen Alarmtöne und Signale richtig deuten. Probealarm-Tage soll es in Zukunft einmal jährlich geben.

Viele Bürger dürften sich noch gut an die Sirenen erinnern. Mit welchen Tönen die Sirenen erst warnen und dann entwarnen, ist in einem Video zu hören, in dem der Dortmunder Feuerwehrsprecher André Lüddecke die Sirenen-Ausbau-Pläne für die Stadt erklärt:

Die Sirenen arbeiten in den NRW-Städten und -Dörfern einheitlich mit zwei Tönen:

  • Warnung: Auf- und abschwellender Dauerton. Eine Minute.
  • Entwarnung: Gleichbleibender Dauerton. Eine Minute.

Bis in das Jahr 2002 heulten in Dortmund noch die bis zu 50 Jahre alten Zivilschutz-Sirenen vom Typ E57. Darin hat ein Elektromotor einen Rotor angetrieben, sodass ein Heulton erzeugt und verbreitet wurde. Moderne elektronische Sirenen funktionieren anders. Lautsprecher verstärken den Ton. In unmittelbarer Nähe erreichen sie 130 Dezibel. Ihre Reichweite hängt stark von der Umgebung ab: „Im flachen Norden der Stadt breitet sich der Schall besser aus als im hügeligen Süden“, erklärt André Lüddecke.

Sirene Nummer 1 steht in Lindenhorst

Dortmunds Sirene Nummer 1 steht seit dem Frühjahr auf dem Dach des Feuerwehr-Ausbildungszentrums an der Seilerstraße 1 in Lindenhorst. Die Lautsprecher sind in Richtung Nord-West ausgerichtet. Sie sollen auch in 1200 Metern Entfernung noch gut zu hören sein und Schlafende wecken können. Die Feuerwehr spricht tatsächlich von einem „Weckruf“: Der Alarm soll veranlassen, dass die Bürger sich sofort über das Radio oder das Internet über die Ursache und die Gefahren informieren, um dann individuell schützend handeln zu können.

Sirenen in allen Dortmunder Stadtteilen

In vier Ausbaustufen soll Dortmund in den nächsten 10 Jahren bis zu 100 Sirenen erhalten:

  • Stufe 1: 16 Sirenen bis Ende 2018. Im Hafengebiet, in der Nordstadt und im Gewerbegebiet Wickede Ost. Der Zeitplan ist knapp.
  • Stufe 2: 35 Sirenen auf wichtigen Straßen. Die europaweite Ausschreibung dafür läuft.
  • Stufe 3: Unbestimmte Zahl in dicht besiedelten Bezirken in den Stadtteilen. sowie in ländlichen Bereichen. Noch keine Ausschreibung.
  • Stufe 4: Lückenschluss. Die Feuerwehr will nicht optimal abgedeckte Bereiche erschließen.

Diese Karte zeigt die Sirenen-Standorte in den Stadtteilen Huckarde, Deusen, Hafen, Nordstadt, Körne, Wambel, Eving, Kemminhausen, Alt-Scharnhorst, Scharnhorst und Wickede. Die Radien stellen die ungefähre Schallausrichtung dar:

Längst im Einsatz ist „Nina“. Das ist keine Frau, sondern eine Smartphone-App. Sie funktioniert bereits überall, ist aber abhängig von einem guten Mobilfunk- oder WLAN-Netz. Der Name steht für Notfall-Informations und Nachrichten-App. Die Dortmunder Feuerwehr nutzt sie bereits. Am häufigsten bei Bombenentschärfungen. Alarm-Auslösungen sind auch bei diesen Szenarien möglich:

  • Natürliche Ereignisse wie Sturm, Orkan, Hochwasser
  • Großbrand mit giftiger Rauchwolke
  • Verkehrsunfall mit Gefahrguttransporter
  • Störfall in einem Chemie-Betrieb mit Austritt von Gasen
  • Großflächiger Stromausfall

Mit der App informiert die Feuerwehr nicht nur über Anlass und Gefahr. Sie gibt auch Verhaltens-Hinweise. Beispiele:

  • Türen und Fenster geschlossen halten. Haus oder Wohnung nicht verlassen.
  • Schutzmaßnahmen gegen Hochwasser treffen.
  • Den Gefahrenbereich schnellstmöglich verlassen. Umleitung fahren.
  • Klima- und Lüftungsanlagen abschalten.
  • Hilfsbedürftigen Hilfe anbieten.

100 Katastrophenschutz-Sirenen für Dortmund: Unser Video zeigt, wie sie klingen

Die Warn-App Nina gibt es in den App-Stores für Smartphones. © Peter Bandermann

Die Nina-App ist kein deutschlandweit einheitliches Informationssystem. Mehrere App-Anbieter konkurrieren. Die Dortmunder Feuerwehr hat sich allerdings für Nina entschieden und bedient keine anderen Systeme. Dortmunder können auch Nachbarstädte in die Warn-Liste ziehen. Denn bei Westwind betrifft die bei einem Großbrand in Bochum aufsteigende giftige Rauchwolke auch die Nachbarbezirke. Die App bietet eine Städte-Auswahl an.

Der Feuerwehr eine Stimme gegeben

Neben Nina gibt es bei der Dortmunder Feuerwehr noch Elke. Elke Bernholz. Also keine App, sondern ein Mensch. Die 39-jährige Verwaltungsbeamtin arbeitet in der Feuerwehr-Pressestelle in der Hauptwache an der Steinstraße in der Nordstadt - und ist Sängerin im vor 25 Jahren gegründeten Dortmunder Chor „Chorkenzieher“. In dem auf Musicals, Rock und Pop spezialisierten sehr dynamischem Ensemble muss ihre Alt-Stimme voller Leidenschaft klingen.

100 Katastrophenschutz-Sirenen für Dortmund: Unser Video zeigt, wie sie klingen

Gab ihre Stimme für die Lautsprecher-Durchsagen der Feuerwehr: Elke Bernholz - hier im Einsatz als Sängerin im „Chorkenzieher“-Chor. © Klaus Drabiniok

„Bei den Lautsprecher-Durchsagen für die Feuerwehr musste ich allerdings weniger Dramatik reinbringen.“ In einem Tonstudio des Dortmunder Theaters hatte sie elf Mustertexte für Warnungen und Entwarnungen verschiedener Szenarien aufgesprochen. Hier ihre Stimme für eine Entwarnung:

Im Ernstfall fährt die Feuerwehr mit Warn-Wagen durch die betroffenen Stadtteile und strahlt Elke Bernholz‘ Durchsagen über Lautsprecher aus. Bei den Aufzeichnungen sei es um deutliche Aussprache, eine eindringliche Tonlage und einen „nicht hysterisch oder in Angst versetzenden“ Ton gegangen.

100 Katastrophenschutz-Sirenen für Dortmund: Unser Video zeigt, wie sie klingen

Die modernen Sirenen sind Säulen mit Lautsprechern bestückt. Früher gab es Elektrosirenen, bei denen ein Motor einen Rotor angetrieben und so den Ton erzeugt hat. © Peter Bandermann

Zurück zu den Sirenen. Die Sachbearbeiter Thomas Steffen und Andreas Adomat sowie Maik Haalboom als Teamleiter für Einsatzplanung und Bevölkerungsschutz sind auf der Suche nach Gebäuden, die mit ihrer Lage und Statik in den Sirenen-Stadtplan passen. „Man kann die neuen Sirenen nicht einfach an eine Wand schrauben. Wir benötigen Nachweise über die Statik, da die Sirene unter Eislast oder bei starkem Wind Kraft auf die Mauern ausübt“, erklärt Thomas Steffen (34).

100 Katastrophenschutz-Sirenen für Dortmund: Unser Video zeigt, wie sie klingen

Thomas Steffen von der Dortmunder Feuerwehr sucht Sirenen-Standorte. In der ersten Ausbaustufe sollen bis Ende 2018 insgesamt 16 Standorte realisiert werden. © Peter Bandermann

Jeder Standort müsse genau untersucht werden. Die Montage der 200 Kilogramm schweren Anlage in einer Seitenwand aus Beton sei einfacher als im Dach einer 100 Jahre alten Schule. Optimal muss nicht nur das Material für die Bohrlöcher sein, sondern auch der Standort des Gebäudes. „Für eine vernünftige Schallausbreitung“, sagt Thomas Steffen. Die Sirene soll so viel Fläche wie möglich abdecken. Die Eigentümer der von der Feuerwehr favorisierten Gebäude seien stets kooperativ. Nur in einem Fall habe ein Hausbesitzer nicht zugestimmt. Er wollte die neue Fassade nicht beeinträchtigen. Wenn die Eigentümer darauf bestehen, zahlt die Feuerwehr eine kleine „Miete“. Das können 50 Euro im Jahr sein. Die Sirenen benötigen einen Stromanschluss, über den die Akkus aufgeladen werden. Für den Betrieb nutzt die Anlage den Strom aus den Akkus, weil diese auch bei einem Stromausfall funktionieren.

Sieben Störfallbetriebe in Dortmund

Die Feuerwehr kann die Sirenen separat ansteuern, sodass nicht in der gesamten Stadt Alarm ausgelöst werden muss, wenn von einem Ereignis nur ein Stadtteil betroffen ist. Bis dahin muss die Feuerwehr noch viel Aufklärungsarbeit leisten und mehr Sirenen installieren. In anderen NRW-Städten sind die Sirenen-Systeme nie demontiert worden. Umliegende Städte und Kreise haben den Einsatz der Heuler nie unterbrochen. Auch Städte wie Köln, Düsseldorf und Duisburg nutzen Sirenen, weil bei Großbränden und anderen Ereignissen die Chemieindustrie eine Gefahr darstellt. In Dortmund gibt es aktuell sieben Störfallbetriebe. Die meisten davon befinden sich im Hafen.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

So sehen Dortmunds neue Sirenen aus

10.08.2018
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Die modernen Sirenen ziehen den Strom aus Akkus, weil sie auch bei einem Stromausfall heulen können müssen.© Peter Bandermann
Die modernen Sirenen sind Säulen mit Lautsprechern. Früher gab es Elektrosirenen, bei denen ein Motor einen Rotor angetrieben und so den Ton erzeugt hat.© Peter Bandermann
Die erste neue Dortmunder Sirene auf dem Dach der Feuerwehr in Lindenhorst.© Peter Bandermann
In unmittelbarer Nähe erreicht der Ton einen hohen Dezibel-Wert: 130 dBA.© Peter Bandermann
Die Sirene steht auf dem Dach des Feuerwehr-Ausbildungszentrums in Lindenhorst und kann wie später jede andere Sirene einzeln aktiviert werden.© Peter Bandermann
Dortmunds erste Sirene steht auf dem Dach des Ausbildungszentrum der Feuerwehr in Lindenhorst. Sie ist in Richtung Nordwesten ausgerichtet.© Peter Bandermann
Eine Sirene alter Bauart.© Jürgen Wolter

Im Katastrophen-Fall sollen die Bürger nicht die Notrufe 110 (Polizei) oder 112 Feuerwehr anrufen, um sich zu informieren. Diese Nummern müssen für die Meldung von Notrufen freigehalten werden.
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