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1000 Flüchtlinge angekommen - So lief die Nacht in Dortmund

Drehkreuz für NRW

Dortmund kommt als Drehkreuz für Flüchtlinge in NRW nicht zur Ruhe. Allein am Montag erreichten 1379 Asylbewerber die Stadt. In der Nacht zu Mittwoch reisten erneut mindestens 1000 Asylbewerber in Sonderzügen an. Profis und Freiwillige arbeiten bei der Hilfe Hand in Hand. Wir haben die Hilfsaktion in der Nacht begleitet.

DORTMUND

, 15.09.2015 / Lesedauer: 6 min

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Über 1000 Flüchtlinge sind in der Nacht zu Mittwoch in Dortmund angekommen
  • Das Helfersystem im Dietrich-Keuning-Haus arbeitet wie ein Schweizer Uhrwerk
  • Die Erstaufnahme in Hacheney arbeitet ohne Überlastung weiter

Aktualisierung 4.18 Uhr:

Die Asylbewerber-Erstaufnahme in Hacheney ist in dieser Nacht nicht überlastet worden. Im Keuning-Haus wird in den nächsten zwei Stunden wieder Ruhe einkehren. Um 9 Uhr übernimmt die Stadt Düsseldorf die Drehscheiben-Funktion für Flüchtlinge in NRW. Wir beenden jetzt diesen Nacht-Bericht. Auch wenn es schon oft gesagt worden ist: Großes Kompliment an die vielen ehrenamtlichen und professionellen Helfer. "Jedijot Acharonot", die größte israelische Tageszeitung, kommentierte in der vergangenen Woche: "Deutschland ist ein Modell der Menschlichkeit für die ganze Welt." Das sind starke Worte. Die Hilfe in Dortmund beschreiben sie ganz gut.

#trainofhopedo Ende einer Nachtschicht in #Dortmund mit einer Einschätzung aus Israel: "Modell der Menschlichkeit". pic.twitter.com/kNw7leIlbd

— Peter Bandermann (@RN_Bandermann)

Aktualisierung 4.10 Uhr:

Die Flüchtlinge aus dem zweiten Sonderzug sind jetzt im Dietrich-Keuning-Haus angetroffen und werden wie ihre Vorgänger mit Essen und Getränken versorgt. Das Engagement und die Präzision der Helfer bleibt beeindruckend. Jeder bewegt sich sicher auf dem zugewiesenen Platz. Dass Behörden und Bürger so gut Hand in Hand zusammen arbeiten, hat Seltenheitswert. Obwohl auch manche Helfer müde wirken: sie geben alles und begegnen den Menschen voller Respekt und mit einem Lächeln. 

Aktualisierung 3.59 Uhr:

Viktor Kidess, Leiter des Dietrich-Keuning-Hauses, und die vielen Helfer begrüßen jetzt 400 Flüchtlinge aus dem zweiten Sonderzug. Der lang anhaltende Applaus zaubert den völlig verblüfften Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Die Atmosphäre ist einfach nur menschlich. DKH-Leiter Viktor Kidess schränkt ein: "Mit Flüchtlings-Sozialarbeit hat das hier nichts zu tun." Kidess arbeitete viele Jahre in diesem Bereich. Die Menschen hier durch ein System zu pressen, das widerspricht seinem Anspruch als Sozialarbeiter.

Aktualisierung 3.49 Uhr:

Vor zwei Minuten ist am Dortmunder Hauptbahnhof der zweite Sonderzug aus Süddeutschland eingetroffen. Angekündigt waren bis zu 450 Flüchtlinge. Die genaue Zahl steht in einigen Minuten fest. Am Dietrich-Keuning-Haus ist ein Babynotarzt eingetroffen. Einem Baby geht es schlecht. Noch steht nicht fest, ob es in ein Krankenhaus muss. Alle Tische sind wieder frei und gesäubert und mit Mineralwasser, Obst und Gebäck neu eingedeckt worden. Helfer wischen auch den Boden. Sie warten auf die Ankunft der neuen Flüchtlinge. Keuning-Haus-Chef Viktor Kidess hat soeben ein großes Lob an die Helfer ausgesprochen.

Aktualisierung 3.29 Uhr:

Wie sieht das aus, wenn hunderte von Menschen mit Kindern auf den Armen aus Zügen aussteigen und erschöpft durch die Nacht schreiten? Hier eine Fotostrecke mit Bildern, die zwischen 22.30 Uhr 2.45 Uhr in Dortmund entstanden sind:

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Mit Flüchtingen durch eine Dortmunder Nacht

In Dortmund sind wieder zwei Züge mit Flüchtlingen angekommen, die über Ungarn und Österreich in die Bundesrepublik eingereist sind. Das Dietrich-Keuning-Haus ist die Drehscheibe vor der Weiterfahrt in andere Länder und Städte.
16.09.2015
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Rollstühle statt Panzer: Auch in dieser Nacht sind wieder Soldaten der Bundeswehr im Einsatz.© Foto: Peter Bandermann
Blick in die Nacht: Flüchtlinge ruhen sich im Keuning-Haus aus.© Foto: Peter Bandermann
Auch das Deutsche Rote Kreuz ist wieder im Einsatz.© Foto: Peter Bandermann
Die Tische sind gedeckt: Das Keuning-Haus wartet erneut auf viele hundert Flüchtlinge.© Foto: Peter Bandermann
Die Asylbewerber-Estaufnahme in Hacheney bei Nacht: Hier kommen Flüchtlinge an, über deren Ankunft die Stadt Dortmund vorab keine Informationen erhält.© Foto: Peter Bandermann
Überall helfende Hände: Dortmunder sind unermüdlich im Einsatz und unterstützen die Profis von Feuerwehr und Rettungsdiensten.© Foto: Peter Bandermann
Getränkeausgabe im Dietrich-Keuning-Haus.© Foto: Peter Bandermann
Essen, trinken, schlafen - drei Grundbedürfnisse im Dietrich-Keuning-Haus, in dem Helfer fast 650 Flüchtlinge auf einmal versorgen.© Foto: Peter Bandermann
Ein Helfer im Einsatz.© Foto: Peter Bandermann
Schnell nehmen die Flüchtlinge nach der Ankunft Kontakt mit Angehörigen auf.© Foto: Peter Bandermann
Müde nach einer langen Reise: Ein Kleinkind schläft mit dem Kopf auf der Schulter des Vaters.© Foto: Peter Bandermann
Der Führungsstab der Dortmunder Feuerwehr koordinierte den Einsatz in der Nacht. Ein Mitarbeiter verschafft sich im Keuning-Haus einen Überblick.© Foto: Peter Bandermann
Willkommen in Dortmund: Helfer begrüßen die Flüchtlinge applaudierend.© Foto: Peter Bandermann
Essensausgabe: die Helferinnen begrüßen die vielen Gäste applaudierend.© Foto: Peter Bandermann
Einlass der Flüchtlinge ins Keuning-Haus. Von hier aus geht es mit Bussen weiter.© Foto: Peter Bandermann
Ein Mitarbeiter des Ordnungsamt mit Flüchtlingen vor dem Keuning-Haus in Dortmund.© Foto: Peter Bandermann
Flüchtlinge aus dem ersten Sonderzug auf dem Weg zum Dietrich-Keuning-Haus.© Foto: Peter Bandermann
Unter den Flüchtlingen sind auch viele Kinder. Mit ihren Eltern sind sie teilweise auch auf der Durchreise. Afghanische Asylbewerber wollen bevorzugt nach Holland oder Skandinavien.© Foto: Peter Bandermann
Endlich da. Ein kleines Mädchen blickt am Gleis 18 vor dem Treppenabgang in den Fußgängertunnel des Dortmunder Hauptbahnhofs. Ein wichtiges Ziel ist erreicht.© Foto: Peter Bandermann
Flüchtlinge stützen nach der Ankunft in Dortmund einen Asylbewerber.© Foto: Peter Bandermann
Ankunft von fast 650 Flüchtlingen am Dortmunder Hauptbahnhof.© Foto: Peter Bandermann
Polizei, Ordnungsamt (Foto) und Bundeswehr sind in dieser Nacht im Einsatz.© Foto: Peter Bandermann
Fast 650 Flüchtlinge verlassen einen in Bayern eingesetzten Zug, der in Dortmund angekommen ist.© Foto: Peter Bandermann
Ein Sonderzug mit fast 650 Flüchtlingen ist in Dortmund angekommen.© Foto: Peter Bandermann
Drei Reisende aus dem Irak am Dortmunder Hauptbahnhof.© Foto: Peter Bandermann
Helfer-Gespräch: Letzte Informationen vor der Ankunft von gut 1000 Flüchtlingen.© Foto: Peter Bandermann
Im Dietrich-Keuning-Haus.© Foto: Peter Bandermann
Die Stadt Dortmund sperrte die Steinstraße ab, damit die Flüchtlinge den Bereich sicher passieren konnten.© Foto: Peter Bandermann
Die Hilfe im Dietrich-Keuning-Haus kennt keine Grenzen. Freiwillige versorgen Flüchtlinge mit Lebensmitteln und Getränken.© Foto: Peter Bandermann
Das Dietrich-Keuning-Haus wartet auf die Ankunft von bis zu 1250 Menschen, die hier zu versorgen sind, bevor sie mit Bussen in Unterkünfte in anderen Städten fahren.© Foto: Peter Bandermann
Schlagworte "44137-Dortmund,

Aktualisierung 3.20 Uhr:

Das Bayerische Rote Kreuz hat in im ersten Zug etwa 30 Patienten versorgt. Die Sanitäter ruhen sich nach der langen Fahrt jetzt in Dortmund aus. Zug 1 musste in Koblenz und Düsseldorf Not-Stopps einlegen. Zurzeit werden Flüchtlinge aus dem ersten Zug medizinisch betreut. Die Feuerwehr setzt jetzt auch einen Rettungswagen ein. Gegen 3.30 Uhr kommt der zweite Zug mit bis zu 450 Flüchtlingen in Dortmund an. Das Keuning-Haus ist noch voll.

Aktualisierung 2.55 Uhr:

Für Zug Nummer 2 gilt eine neue Ankunftszeit: 3.30 Uhr. Bis dahin müssen die fast 650 Flüchtlinge, die das Keuning-Haus vor 30 Minuten erreicht haben, das DKH auch schon wieder verlassen haben. Zurzeit organisieren Helfer die Verteilung auf Busse. Sie fahren die Flüchtlinge nach der Ankunft in Dortmund in Unterkünfte in andere Städte. Hier hilft auch die Nordstadt: Unter den mindestens 120 Helfern sind sehr viele Nordstädter mit ausländischen Wurzeln. Keuning-Haus-Leiter Viktor Kidess sagt über die hohe Zahl der Kinder: "Je später die Züge, desto mehr Familien mit Kindern."

#trainofhopeDo Zug 2 mit 450 Passagieren für 2.49 Uhr in #Dortmund erwartet. Jetzt viele Kinder im DKH. pic.twitter.com/EW5rdvwFei

— Peter Bandermann (@RN_Bandermann)

Aktualisierung 2.33 Uhr:

Zug 1 ist am Dortmunder Hauptbahnhof eingetroffen. Fast 650 Passagiere haben den Bahnsteig verlassen und sind im Dietrich-Keuning-Haus angekommen. Die vielen Helfer, die selbst einen großen Applaus verdient haben, begrüßen die Gäste applaudierend. Unter den Flüchtlingen sind viele Kinder. Sie schauen mit großen Augen um sich, manche weinen, andere schlafen. Helfer verteilen warme Suppe, Brot und Getränke. Alles funktioniert reibungslos. Der nächste Zug erreicht Dortmund voraussichtlich um 2.49 Uhr. Darin sind bis zu 450 Flüchtlinge unterwegs.

Aktualisierung 00.18 Uhr:

Zug 1 verspätet sich erneut. Die Stadt Dortmund plant jetzt mit der Ankunftszeit 1.45 Uhr. Grund dafür ist ein medizinischer Notfall, den der Rettungsdienst in Düsseldorf versorgt hat. Der zweite Zug soll um 3 Uhr eintreffen.

Aktualisierung 00.47 Uhr:

Die Stadt Dortmund berichtet, dass Düsseldorf ab 9.00 Uhr die Schicht übernimmt. Das Keuning-Haus ist am Mittwoch (16.9.) tagsüber also geschlossen. Via Twitter verbreitete Berichte über eine Extraschicht sind damit hinfällig.

Aktualisierung 00.40 Uhr:

Für Zug Nummer 1 gibt es erneut eine neue Ankunftszeit: nun gilt 1.15 Uhr. Im Einsatz ist wie in Nächten zuvor auch wieder die Bundeswehr. Sie unterstützt das Dortmunder Ordnungsamt. Zwischen Hauptbahnhof und Dietrich-Keuning-Haus stehen Rollstühle bereit, um Gehbehinderte und Schwache transportieren zu können. In der Asylbewerber-Erstaufnahme in Hacheney ist es aktuell ruhig. In der Nacht und am Tag zuvor zuvor war das System dort wieder überlastet.

Aktualisierung 00.10 Uhr:

Für Zug Nummer 1 gilt eine neue Ankunftszeit: 0.45 Uhr. Dann kommen voraussichtlich 800 Menschen in Dortmund an. Die Asylbewerber erreichen das Dietrich-Keuning-Haus (DKH) zu Fuß und sollen dann schnellstmöglich in Busse einsteigen. Die Busse bringen sie in Unterkünfte in NRW-Städten. Die Helfer im DKH bereiten sich auch auf die Versorgung von Familien mit Kindern vor. 

Ein Dolmetscher berichtet, dass die meisten Flüchtlinge sehr erschöpft und dankbar in Dortmund ankommen. Sie kämen aus vielen verschiedenen Ländern und hätten im Strom der vielen Menschen nur ein Ziel vor Augen: Dortmund. Manche würden enttäuscht reagieren, dass sie Dortmund wieder verlassen müssen.

Aktualisierung 23.42 Uhr:

Maik Haalboom vom Führungsstab der Dortmunder Feuerwehr nennt neue Ankunftszeiten für die beiden Sonderzüge:

  • Zug 1 mit 800 Flüchtlingen erreicht Dortmund um 0.15 Uhr.
  • Zug 2 mit 450 Flüchtlingen erreicht Dortmund um 1.30 Uhr.

"Wir versuchen die Ankunft der Züge etwas zu entzerren, damit wir nicht so viele Menschen auf einmal versorgen müssen", sagte der Sprecher des Feuerwehr-Führungsstabs. Berichte über einen Zug mit vielen Kranken und Verletzten kann er nicht bestätigen. Haalboom: "Ein Zug musste in Koblenz einen Nothalt einlegen. Die Feuerwehr Koblenz musste einen Patienten versorgen. Unser Leitender Notarzt steht mit dem Leitenden Notarzt des DRK in Koblenz im Kontakt. In einem Gespräch wurden die Berichte über Kranke und Verletzte relativiert. Wir gehen davon aus, dass es keine Besonderheiten gibt."

So haben wir bisher berichtet:

Kaum ist eine Information über Twitter oder andere Kanäle verbreitet, ist sie schon wieder alt. Sachstand um 23.15 Uhr: Ein für 23 Uhr angekündigter Sonderzug aus Bayern mit 800 Passagieren steht im Bahnhof Koblenz, weil der Rettungsdienst Verletzte und Kranke versorgen müssen. Der für 1.30 Uhr angekündigte Zug mit 450 Flüchtlingen überholt Zug Nummer 1 und erreicht Dortmund gegen 1.30 Uhr - doch Zahlen und Zeiten können sich jederzeit ändern.

Anspannungen nicht spürbar

Während das Tiefbaumt die Steinstraße zwischen dem Nordausgang des Dortmunder Hauptbahnhofs und dem Dietrich-Keuning-Haus (DKH) sperrt, decken freiwillige Helfer im DKH die Tische. Die bis zu 1250 Flüchlinge, die in der Nacht Dortmund erreichen sollen, erhalten nach einem Fußmarsch von etwa 10 Minuten Getränke und Lebensmittel, bevor Busse sie in andere Städte bringen. Von den Anspannungen zwischen der Stadt Dortmund und übergeordneten Behörden ist hier nichts zu spüren.

"Informationen gehen kreuz und quer"

Die Helfer haben allein die Menschen im Blick, die erschöpft wirken oder lachend beisammen stehen. Gleichwohl ist das Bedürfnis der Helfer nach präzisen Informationen groß. Doch "die Informationen gehen kreuz und quer", sagt ein Mitarbeiter. Die Lage verändere sich stündlich. Zuverlässig und brauchbar sind die Informationen erst dann, wenn die Sonderzüge in Dortmund ankommen. Entscheidend ist dann, wie viele Flüchtlinge dann auch aussteigen.

Das DKH richtet sich erneut auf eine lange Nacht mit vielen zu versorgenden Menschen ein und soll die Asylbewerber-Erstaufnahme in Hacheney entlasten, falls das System dort wie in der Nacht zuvor wieder überläuft.

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