Ganz in der Nähe des Borsigplatzes wurde das Bauunternehmen Caspar Köchling gegründet. Zum 120-jährigen Bestehen erinnert man sich gern an Handkarren und das erste Auto im Betrieb.

Dortmund

, 31.05.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ob Dach oder Fassade, Hochbau, Ingenieurleistung oder Modernisierung, die Firma Caspar Köchling, die sich selbst als Spezialbauunternehmen bezeichnet, bietet für unterschiedlichste Baubereiche Lösungen an. Und das seit 120 Jahren.

Der Betrieb mit der Verwaltung an der Rolandstraße und dem Bauhof am Burgweg in der nördlichen Innenstadt gehört mit seinen fast 50 Mitarbeitern zu den ältesten Handwerksfirmen in Dortmund. „Krisen haben wir schon einige erlebt und bewältigt. Und wir hoffen, auch aus dieser Corona-Krise mit der gesamten Bauwirtschaft mit einem blauen Auge herauszukommen“, sagt Geschäftsführer Harry Strasburger. Wenngleich einige Bauaufträge verschoben wurden, kommt man bisher ohne Kurzarbeit aus.

Dieser schöne VW-Bulli gehörte in den 50er-Jahren zu den Baustellenfahrzeugen der Firma Caspar Köchling.

Dieser schöne VW-Bulli gehörte in den 50er-Jahren zu den Baustellenfahrzeugen der Firma Caspar Köchling. © Caspar Köchling GmbH

Insofern ist die Geburtstagsstimmung bei der Caspar Köchling GmbH kaum getrübt. Groß feiern kann man wegen der Corona-Pandemie allerdings nicht und freut sich zunächst auf eine besondere Gratulation. Eine Jubiläumsurkunde zum 120-jährigen Bestehen des Unternehmens wird Stefan Bahrenberg, der Geschäftsführer des Bauindustrieverbandes, am Mittwoch, 3. Juni, an der Rolandstraße übergeben. „Die große Feier holen wir irgendwann nach“, so Harry Strasburger.

In Dortmund gab es Arbeit und Aufträge

Die Firmengeschichte reicht zurück bis zum 1. Januar 1900. Für den Dachdecker- und Schieferdeckermeister Caspar Köchling aus Kallenhardt im Sauerland war das ein großer Tag: Er eröffnete – gerade erst 28 Jahre alt – sein eigenes Dachdeckerunternehmen an der Jägerstraße 23, keine 500 Meter vom Borsigplatz entfernt. Ebenso weit entfernt war das Werkstor der Hoesch-Hüttenwerke. Die boten auch den Anlass für den frisch gebackenen Selbstständigen, das dörfliche Sauerland gegen die wachsende Industriestadt Dortmund zu tauschen. Die stetig zunehmende Industrialisierung des Ruhrgebietes versprach Arbeit und Aufträge.

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Bereits im Jahr 1906 konnte das repräsentative, fünfgeschossige Gründerzeithaus mit Bauhof in der Jägerstraße geplant und gebaut werden. Für die Bestückung der Baustellen reichten bis 1939 Handkarren – so regional war das Tätigkeitsfeld geprägt. Das erste Automobil kam erst in das Unternehmen mit dem Erlangen des Führerscheins durch Sohn Werner Köchling, dem Vater des heutigen Inhabers Christoph Köchling. Der erinnert sich: „Es war ein Opel-Kapitän, da mein Großvater darauf Wert gelegt haben soll, mit Hut in das Auto einsteigen zu können.“

Dieses Bild stammt aus der Anfangszeit des Unternehmens. Es zeigt Firmengründer Caspar Köchling im Jahr 1910 mit seiner Ehefrau Maria. Im Januar 1900 war Caspar Köchling als 28-Jähriger nach Dortmund gekommen und hatte sich an der Jägerstraße selbstständig gemacht.

Dieses Bild stammt aus der Anfangszeit des Unternehmens. Es zeigt Firmengründer Caspar Köchling im Jahr 1910 mit seiner Ehefrau Maria. Im Januar 1900 war Caspar Köchling als 28-Jähriger nach Dortmund gekommen und hatte sich an der Jägerstraße selbstständig gemacht. © Caspar Köchling GmbH

Der Wagen wurde ebenso wie das Gründerhaus im Zweiten Weltkrieg zerstört. Werner Köchling, Jahrgang 1920, begann als Kriegsheimkehrer aus der Gefangenschaft 1945 wieder von vorn – von einer Übergabe konnte kaum die Rede sein, denn der Gründer Caspar Köchling starb noch im Jahr des Kriegsendes.

U-Bahn-Abdichtungen in Bonn und Belgien

Doch mit den Jahren des Wirtschaftswunders wuchs auch das Unternehmen wieder. Wiederum waren es Zechen und Stahlwerke, die Dachdecker und – neu hinzugekommen – Maurer dringend benötigten. Werner Köchling fand sein fachliches „Steckenpferd“ in der Abdichtung: Großbaustellen führten die Spezialisten der Caspar Köchling GmbH zu U-Bahn-Abdichtungen nach Bonn und nach Belgien.

Ab den 1980er-Jahren konzentrierte man sich auf klassische Dachabdichtungs- und Dachdeckerarbeiten sowie auf Maurerarbeiten in Modernisierung, Umbau und Instandsetzung. Ab 1990 und mit dem Eintritt des heutigen Inhabers Christoph Köchling wurde die Betoninstandsetzung ein zusätzlicher Schwerpunkt.

„Als Innungsbetrieb bilden wir in jedem Jahrgang in den Handwerkszweigen Dachdecker und Maurer vier Lehrlinge aus“, so Christoph Köchling. Mittlerweile sind aber auch Duale Studenten zum Bauingenieur ein fester Bestandteil der Ausbildungsarbeit. „Hier finden wir die perfekte Synergie zu unseren anderen beiden Geschäftszweigen: dem schlüsselfertigen Umbau von Wohnungen und Geschäftseinheiten und den Ingenieur- und Architektenleistungen“. In allen vier Bereichen – Dach, Maurer, Schlüsselfertiger Umbau und Ingenieurleistungen - ist das Unternehmen in den letzten Jahren stark gewachsen.

Geschäftsführer Harry Strasburger und Prokurist Christian Quante verstärken seit drei Jahren die Führungsebene. „Anders wären so anspruchsvolle Ingenieurleistungen wie die Instandsetzung der Tiefgarage Westentor, die kürzlich wiedereröffnet wurde, nicht umsetzbar“, sagt Christoph Köchling.

Von Kirchenbauten bis zu den Vorplätzen des Opernhauses

Der Architekt ist mit seinem Planungsteam, das von Bauingenieur Christian Quante geleitet wird, mit einer Vielzahl von abwechslungsreichen und anspruchsvollen Umbauten befasst. „Vom Rechenzentrum bis zum Verwaltungsbau – immer ist es unser Anspruch, baubare Architektur zu planen“, sagt Christian Quante.

Das Ergebnis aus 120 Jahren Dortmunder Handwerk und Ingenieurleistung kann sich sehen lassen: von Kirchenbauten bis zu den Vorplätzen des Opernhauses, von Versicherungsverwaltungen bis zu Energieversorgern und zu den Dächern vieler Privathäuser – das Unternehmen Caspar Köchling prägt seit 120 Jahren das Bild Dortmunds mit.

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