1300 Bürger stehen bei der Tafel auf der Warteliste

Helfer dringend gesucht

Alarm bei der Dortmunder Tafel: Aktuell stehen dort 1300 Bürger auf einer Warteliste – die Tafel kann sie nicht versorgen, weil ihr ehrenamtliche Helfer fehlen. 10.000 arme Dortmunder versorgt die Organisation zurzeit. Wegen der großen Nachfrage gibt es jetzt eine Änderung.

DORTMUND

, 18.08.2016, 02:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
1300 Bürger stehen bei der Tafel auf der Warteliste

Der Dortmunder Tafel gehen die Helfer aus.

Die Dortmunder Tafel stößt nicht nur personell an Grenzen: „Aktuell suchen wir 25 ehrenamtliche Helfer für den Verkauf und 7 LKW-Fahrer. Selbst wenn wir für alle Posten neue Helfer finden würden und die Warteliste auf Null setzen könnten – für alle 1300 zusätzlichen Kunden hätten wir nicht genug Lebensmittel“, sagte der Tafel-Vorstand Dr. Horst Röhr (76) in der Zentrale an der Osterlandwehr. Dort nutzt die Tafel eine frühere Wäscherei für Logistik, Lager, Verkauf und Verwaltung.

Die 2004 gegründete Tafel verteilt inzwischen in sieben weiteren Filialen von Lebensmittelhändlern gespendete Waren – an aktuell 3765 Kunden, die einmal in der Woche pro Einkauf einen symbolischen Preis in Höhe von drei Euro bezahlen. Ohne die Händlerspenden würden die Lebensmittel verfallen und vernichtet. Hinter den 3765 Tafel-Kunden stehen weitere Familienmitglieder, sodass die Tafel pro Woche insgesamt 10.000 Bedürftige erreicht. In Dortmund leben rund 600.000 Bürger.

Mit Sorge beobachtet Horst Röhr drei Kunden-Gruppen, die das Gesamtbild der Armuts-Gesellschaft in der Tafel widerspiegeln:

  • Alleinerziehende Väter oder Mütter
  • Arme Senioren, die mit der Rente nicht auskommen.
  • Langzeitarbeitslose 18- bis 25-jährige Männer.

„Natürlich merken auch wir, dass Flüchtlinge unsere Hilfe benötigen. Wir müssen aufpassen, dass niemand verdrängt wird und kein Sozialneid entsteht“, erklärt der Vorsitzende die Arbeit und ergänzt: „An machen Tagen haben wir viel Ware, an manchen wenig. Was wir haben, verteilen wir – und zwar gerecht.“

Lebensmittel erhält die Dortmunder Tafel sogar von den Tafel-Kollegen in Aachen und Osnabrück. Umgekehrt beliefert Dortmund auch andere Städte, bevor Lebensmittel verfallen. Wegen der steigenden Nachfrage in der Nordstadt stellt die Zentrale an der Osterlandwehr jetzt auf ein Zwei-Schicht-System um.

Rund 100.000 Dortmunder beziehen Sozialleistungen

Bisher war der Verkauf auf 11 bis 16 Uhr beschränkt – jetzt dehnt die Tafeln ihn auf 9 bis 18 Uhr aus. Steigende Kundenzahlen und die längere Warteliste führt Dr. Röhr auch auf einen Perspektivwechsel zurück: „Von Armut betroffenen Menschen, die bisher gezögert haben, trauen sich jetzt, zu uns zu kommen. Dabei stellen wir fest: Unsere Kundschaft wird älter.“ Aktuell beziehen rund 100.000 Dortmunder Sozialleistungen wie Arbeitslosengeld II (Hartz IV), Grundsicherung oder kleinere Hilfen zum Lebensunterhalt.

Lesen Sie jetzt