154 Dortmunder wurden 2018 Opfer von Stalking – neue Handy-App sammelt Beweise

rnDer Weiße Ring

154 Stalker haben 2018 in Dortmund ihren Opfern nachgestellt. „Die Zahl ist viel zu niedrig“, sagen Opferschützer. Viele Opfer würden Stalking nicht anzeigen. Eine App soll das ändern.

Dortmund

, 31.05.2019 / Lesedauer: 3 min

600.000 bis 800.000 Fälle pro Jahr und eine hohe Dunkelziffer: Die Opferschutzorganisation „Der Weiße Ring“ will die Opfer von Stalkern ermutigen, den psychischen Druck nicht länger zu ertragen. Denn die meisten Betroffenen schweigen. Ihr Schweigen schützt die Täter.

Ingo Moldenhauer von der Außenstelle Dortmund des Weißen Rings nennt Zahlen: „80 Prozent der Täter sind männlich und 80 Prozent der Opfer sind weiblich. Aber bei der Polizei angezeigt wurden nur drei Prozent der Fälle, weil die Betroffenen nicht wissen, wie sie das Stalking beweisen können.“ Die große Mehrheit der Täter komme also unbehelligt davon.

Tagebuch-Funktion

Eine Smartphone-App der Stiftung des Weißen Rings übernimmt eine digitale Tagebuch-Funktion. Betroffene können das Bedrängen und Bedrohen des Täters mit Texteinträgen, Tonaufzeichnungen, Fotos oder Videos dokumentieren und im Notfall einen Alarmton auslösen oder aus der App heraus die Polizei anrufen.

Die App beschreibt Stalking-Methoden wie das Bedrohen oder das Auflauern. Die Folgen von Stalking sind enorm. „Sie können eine erhebliche psychische Belastung auslösen, Kopf- und Magenschmerzen verursachen. Auch Schreckhaftigkeit, Schlafstörungen, Albträume, Panik, Depressionen, Gereiztheit, Essstörungen und sogar Suizid gehören dazu“, sagt Ingo Moldenhauer.

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In Dortmund betreut der Weiße Ring pro Jahr 30 bis 40 Stalking-Opfer. Laut Polizei wurden 154 Fälle angezeigt. Sie seien „total eingeschüchtert, ängstlich und verzweifelt. Sie werden die Belastung nicht los“, berichtet Ingo Moldenhauer. Die in der App gesammelten Beweise könnten schnell helfen, den Stalker zu stoppen. Denn in 80 von 100 Fällen hörten die Täter nach einer Strafanzeige auf.

Zittern am ganzen Körper

Der Weiße Ring hilft Opfern nicht nur digital, sondern auch praktisch. Die Dortmunder Opferschützer vermitteln schnell Kontakte zum Krisenzentrum in Hörde oder in eine Traumaambulanz. Dazu kommt materielle Hilfe, wenn ein Opfer aus Sicherheitsgründen den Arbeitsplatz oder den Wohnort wechseln muss. In den Beratungsgesprächen stünden die Stalking-Opfer unter Strom. Ingo Moldenhauer: „Sie zittern am ganzen Körper, die Angst springt uns förmlich an.“

Opfer, die sich dazu entscheiden, gegen die Täter zu wehren, würden bei professioneller Hilfe schnell eine Entlastung erkennen. Das jüngste vom Weißen Ring betreute Opfer war erst 14 Jahre alt, das älteste etwa 60.

Erhältlich ist die App kostenlos im App-Store und bei Google-Play. Kontakt zum Weißen Ring in Dortmund: Ingo Moldenhauer, Tel. 0231/9129861. E-Mail: imoldenh@web.de
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