20 Millionen Euro Schaden: Spielhallen-Boss (43) verzockte sein Lebenswerk

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Der Trick war simpel, der Ertrag ein Leben auf Wolke sieben. Durch eine Schummelsoftware scheffelte ein in Dortmund aktiver Casino-Betreiber Millionen. Jetzt heißt es: Rien ne va plus.

Hagen/Dortmund

, 07.12.2019, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil er Finanzbehörden und Kommunen mithilfe einer Schummel-Software um fast 20 Millionen Euro geprellt haben soll, stand der Betreiber (43) eines „Spielhallen-Imperiums“ jetzt vor dem Hagener Landgericht.

Auch in einem Spielcasino an der Stockumer Straße in Dortmund-Eichlinghofen hatte der Familienvater aus Hagen seit 2013 über Jahre hinweg durch manipulierte Spielautomaten abkassiert – und damit sich und seiner Großfamilie ein Luxusleben der absoluten Spitzenklasse ermöglicht. Doch jetzt stehen ihm fünfeinhalb Jahre Haft bevor.

„Der Angeklagte hat die Allgemeinheit durch maßlose Steuer- und Abgabenhinterziehung in großem Umfang geschädigt“, sagte Richter Andreas Behrens am Freitag bei der Urteilsverkündung. Und weiter: „Er hat unglaubliche Reichtümer angehäuft und sich als Prototyp eines Neureichen geriert, der den Hals einfach nicht vollkriegen konnte.“

Richter: Fünfeinhalb Jahre Haft sind „äußerst moderat“

Die verhängten fünfeinhalb Jahre Haft seien angesichts der schwindelerregend hohen Schadenssumme „äußerst moderat“.

Ohne das weitreichende Geständnis, das am achten Sitzungstag nach der Ablösung eines ersten Verteidigers und einem Strategiewechsel hin zur Kooperation erfolgt sei, hätte eine zu verhängende Gefängnisstrafe auch gut und gerne im zweistelligen Bereich landen können. Übrig bleibe jedenfalls weit und breit ein Scherbenhaufen.

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„Die wirtschaftliche Existenz des Angeklagten und seiner Großfamilie ist durch dieses Verfahren vernichtet“, bilanzierte Richter Andreas Behrens. „Mein Mandant hat im wahrsten Sinne des Wortes sein Lebenswerk verspielt“, sagte Verteidiger Hans Reinhardt. Das Urteil, so der Marler Strafverteidiger, halte er trotz der fünfeinhalb Jahre Haft für „sehr fair“.

Luxusautos hingen am Abschlepphaken

Die Festnahme des angeklagten Familienoberhaupts am Rande einer Razzia in Hagen hatte im September 2018 für großes mediales Aufsehen gesorgt. Schlagzeilen flankiert mit spektakulären Fotos von auffällig farbig lackierten Luxus-Sportwagen - teilweise am Haken eines Abschleppkrans - hatten die Runde gemacht.

20 Millionen Euro Schaden: Spielhallen-Boss (43) verzockte sein Lebenswerk

Der Angeklagte (Mitte) und seine Verteidiger Hans Reinhardt (links) sowie Malte Cordes (rechts) kurz vor der Urteilsverkündung. © Werner von Braunschweig

In einem Tresor der Hagener Großfamilie waren damals zudem 4,5 Millionen Euro Bargeld entdeckt worden. Mit dem Abtransport sollen Spezialeinheiten der Polizei sowie Geldtransportunternehmen laut Urteil „bis weit nach Mitternacht“ beschäftigt gewesen sein.

Die beschlagnahmten Luxuskarossen (unter anderem der Marken Ferrari und Lamborghini) hatte das Finanzamt im Verlaufe des Prozesses nach und nach versteigert und dabei rund eine Million Euro eingenommen.

Fast 20 Millionen Euro Steuerschaden

Laut Urteil hat der Angeklagte spätestens seit 2013 damit begonnen, durch Installierung einer Schummel-Software in seinen zahlreichen Spielhallen in Dortmund, Duisburg und Datteln Spielautomaten so zu manipulieren, dass diese viel zu geringe Umsätze registrieren.

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Die Manipulationsquote soll „durchschnittlich bei 32 bis 50,6 Prozent“ gelegen haben. Durch den Schummel-Trick ersparte der 43-Jährige sich und seinen Firmen über Jahre hinweg Zahlungen von Einkommens-, Umsatz-, Körperschafts- und Vergnügungssteuer in Höhe von mindestens 19,57 Millionen Euro. Durch Beschlagnahmungen, Pfändungen und Zwangsversteigerungen von Immobilien sind aktuell rund sieben Millionen Euro zurückgeflossen.

Weitere Verfahren sind bereits abgeschlossen

Das Verfahren gegen den ursprünglich mitangeklagten Bruder (39) des Angeklagten war bereits im Vorfeld gegen Zahlung einer Geldauflage in Höhe von 400.000 Euro eingestellt worden. Ein weiterer Mitangeklagter (50) hatte zwei Jahre Haft auf Bewährung kassiert.

„Heute“, so Richter Andreas Behrens, „verdient die Familie des Angeklagten nach unserer Kenntnis mit Spielhallen kein Geld mehr“. Die betroffenen Casinos seien geschlossen, die dahinterstehenden Firmen „beerdigt“.

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