Das Hallenbad in Hörde mit Sprungturm. Auch einen Fitnessraum, eine Sauna und ein Solarium gibt es hier. © Schaper (A)
Dortmunder Bäderkonzept

20 Wasserbahnen zu viel? Große Sorge um Dortmunds Hallenbäder

Die Schwimmvereine sind alarmiert: Nach einem von der Stadt in Auftrag gegebenen Gutachten hat Dortmund 20 Wasserbahnen zu viel. Das würde heißen: vier Hallenbäder. Werden die nun geschlossen?

Die Schwimmvereine fürchten um Dortmunds Bäderlandschaft. Ein Gutachten, das jetzt unter anderem in zwei Workshops – für die Vereine und Schulen – vorgestellt worden war, hat sie alarmiert. Ein Ergebnis der Studie mit vielen Zahlen zu Besuchern und Sanierungsstau sowie mit Berechnungen zur Wasserfläche: In Dortmund gibt es 20 Schwimmbahnen zu viel.

Das wären umgerechnet vier Hallenbäder, sagt Wolfgang Lucka, Ehrenvorsitzender und Trainer des Schwimm- und Sport-Clubs (SSC) Hörde. Das Hallenbad in Hörde ist neben Aplerbeck, Scharnhorst und Eving eines von vier Vereins-geführten Hallenbädern in Dortmund.

Lucka und seine Mitstreiter haben den Verdacht, dass diese angeblich zu vielen 20 Bahnen für ein neues Familienbad geopfert werden sollen, das der Geschäftsführer der städtischen Sport- und Freizeitbetriebe (SFB), Bernd Kruse, schon länger auf der Agenda habe.

Vereine bezweifeln Zahlen

Die in dem Gutachten angeführten Besucherzahlen zielten „ausschließlich auf die Errichtung eines Freizeitbades ab“, so Lucka. „Woher diese Zahlen genommen werden, ist nicht nachvollziehbar; es mutet schon befremdlich an, dass die Zahlen im Gutachten genau zu dem Ergebnis kommen, das den bereits vor langer Zeit geäußerten Wünschen des Leiters der SFB, Herrn Kruse, entspricht.“

Die von den Gutachtern vorgelegten Zahlen und Fakten seien stark zu bezweifeln, angefangen vom Sanierungsstau, der für die Dortmunder Bäderlandschaft mit 113 Millionen Euro beziffert wird, über Besucherzahlen bis hin zur Nutzung der Schwimmzeiten durch Schulen, Vereine und die Öffentlichkeit, sagt Lucka.

Zum Sanierungsstau weise das Gutachten allein für das Hallenbad Hörde „einen nicht nachvollziehbaren Betrag von 4,5 Millionen Euro aus“, führt Lucka an: „Detailunterlagen wurden uns bislang nicht vorgelegt.“

„Totaler Mumpitz“

Ganz offensichtlich falsch sei zum Beispiel die banale Tatsache, dass das Hallenbad Hörde weder über Sprungbrett noch Sprungturm verfüge. Doch tatsächlich sei beides vorhanden. Lucka: „Darüber hinaus wurden im Bereich des Lehrschwimmbeckens zwei Rutschen angeschafft, und es gibt moderne Schrittstart-Startblöcke. Ein Fitnessstudio, eine Sauna, ein Solarium und ein Schulungsraum wurden neu gebaut.“

Ähnliche Bedenken in Bezug auf das Gutachten hätten auch der SV Derne als Badbetreiber in Scharnhorst und die Schwimmgemeinschaft SG Eving, sagt der Hörder Ehrenvorsitzende.

Die Präsentation auch im Hinblick auf die Nutzung der Bäder sei „totaler Mumpitz“, so Lucka. Schon vor Corona hätten die Vereinsübungszeiten nicht ausgereicht, um den Bedarf zu decken. 700 Kinder und Jugendliche hätten wöchentlich beim SSC an den Schwimmkursen und Übungsstunden teilgenommen. „Trotz allem stehen gut 300 Kinder immer noch auf der Warteliste.“ Auch die Leistungsschwimmer seien völlig außer Acht gelassen worden.

Erst am Anfang der Diskussion

Überhaupt, so Lucka, habe man in den bisher durchgeführten Videokonferenzen Vereinsbelange nicht zur Kenntnis genommen. „Es entsteht ganz klar der Eindruck, dass die Stadt als Auftraggeber ihre Interessen ohne Rücksicht auf andere Belange verfolgt.“

Ein noch vorzulegendes Bäderkonzept mit dem Gutachten als ein Baustein wurde vom Rat im Rahmen des Masterplans Sport in Auftrag gegeben. Die sportpolitischen Sprecher der großen Ratsfraktionen Torsten Heymann (SPD), Barbara Brunsing (Grüne) und Ute Mais (CDU) äußerten Verständnis für die Sorge der Schwimmvereine, betonen aber, dass man erst am Anfang der Diskussion stehe.

Auch Brunsing und Mais erschließen sich noch nicht alle Zahlen in dem Gutachten. „Da muss man drüber sprechen“, sagt Mais. Für den 18. Mai ist ein sogenannter Ziele-Workshop unter Beteiligung der Vereine, Schulen und der Politik geplant, an dessen Ende ein Handlungsleitfaden zur künftigen Ausrichtung der Bäderlandschaft stehen soll.

Es geht um Grundsätzliches

„Da legen wir uns die Karten“, sagt Heymann. Auch wenn es zu viele Bahnen in Dortmund gebe – „wir wollen nichts wegnehmen, wir wollen eher erhalten“, sagt der SPD-Sportexperte: „Was wir nicht wollen, ist so ein Spaßbad zu errichten.“

Zur Beruhigung kann auch André Knoche, Sportdirektor bei den Sport- und Freizeitbetrieben, beitragen. Das Gutachten sei „reine Mathematik, in den Arbeitsgruppen reden wir über das Leben.“ So sei bei den Kosten zu den Sanierungsstaus nichts „Akutes“ gemeint, sondern es gehe darum, was man in die Bäder stecken müsste, um sie in den nächsten 20 Jahren optimal betriebsfähig zu halten. Die Nutzerzahlen seien von den Betreibern selbst gekommen, und die Richtlinie zur Wasserbelegung sei bundesweit anerkannt und vom Deutschen Schwimmverband mit erarbeitet worden.

Gespräch am Donnerstag

An keiner einzigen Stelle, betont Knoche, der auch für Geschäftsführer Kruse spricht, gehe es beim Bäderkonzept um ein einzelnes Bad, auch nicht um ein Familienbad, sondern um das Grundsätzliche, sprich, welche Wasserflächen in Qualität und Quantität und für welche Nutzer – ob für mehr Sport, mehr Schulen oder mehr Öffentlichkeit – die Stadt in den nächsten 30 Jahren vorhalten will. An diesem Oberziel müsse sich jede spätere Sanierung, etwa in fünf oder zehn Jahren orientieren. Knoche: „Das ist aus meiner Sicht völlig offen und eine politische Entscheidung.“

Auch um strittige Fragen zu klären und Missverständnisse auszuräumen, gibt es am Donnerstag (6. Mai) ein Gespräch der privaten Badbetreiber bei den Sport- und Freizeitbetrieben.

Über die Autorin
Redaktion Dortmund
Stellvertretende Leiterin der Dortmunder Stadtredaktion - Seit April 1983 Redakteurin in der Dortmunder Stadtredaktion der Ruhr Nachrichten. Dort zuständig unter anderem für Kommunalpolitik. 1981 Magisterabschluss an der Universität Bochum (Anglistik, Amerikanistik, Romanistik).
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Gaby Kolle

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