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Daniel Fuhrwerk ist 24 Jahre alt. Ein junger Mann mit freundlicher Ausstrahlung. In Jeans und lindgrünem T-Shirt könnte er einer von vielen seines Alters sein – und doch ist er eine Rarität.

Dortmund

, 12.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Daniel Fuhrwerk will Pfarrer werden und solche Menschen gibt es nicht mehr viele in unserer Region und deutschlandweit auch nicht. „In meinem Jahrgang sind wir gerade einmal elf Theologen auf dem Weg zum Pfarrer. Bei 27 Kirchenkreisen in der Evangelischen Landeskirche von Westfalen ist das nicht viel“, sagt Daniel Fuhrwerk.

Der Mangel grassiert

Mit dieser Einschätzung dürfte er noch stark untertrieben haben. Der Mangel an Nachwuchs, der seit Jahren die Katholische Kirche quält, grassiert auch in der Evangelischen Kirche. Seit Jahren geht die Zahl der Pfarranwärter zurück, während zeitgleich eine Pensionierungswelle auf die Kirchen zurollt.

Wie kommt ein junger Mensch dazu, sich in einer solchen Situation ausgerechnet für einen solchen Beruf zu entscheiden? Wenn Daniel Fuhrwerk auf diese Frage antwortet, klingt alles ganz logisch, so selbstverständlich, so einfach und unspektakulär.

Der Erste seiner Art

Er erzählt von seiner Heimatstadt Lünen, seiner Heimatgemeinde Horstmar-Preußen, vom evangelischen Kindergarten, den er besuchte, von Kinder- und Jugendgruppen, Ferienfreizeiten, von Gruppen, die er selbst nach seiner Konfirmation betreute, vom Schulpraktikum bei seinem Pfarrer.

„Aus unserer Familie ist noch nie jemand Pfarrer geworden.“

Seine Eltern hätten ihn schon immer unterstützt, aber ganz sicher nicht in diese Richtung gedrängt: „Aus unserer Familie ist noch nie jemand Pfarrer geworden.“ Die Entscheidung für den Berufsweg als Pfarrer, die habe er früh getroffen, erzählt Daniel Fuhrwerk, der das Christophorus-Gymnasium in Werne besucht hat.

„Das war, als ich vor der 10. Klasse Altgriechisch gewählt habe.“ Neben dem Latinum – Latein hatte Daniel Fuhrwerk schon ab der 5. Klasse – ist nämlich das Graecum eine Voraussetzung, um ein Studium der Evangelischen Theologie zu absolvieren. „Wenn ich das auch noch erst während des Studiums hätte machen müssen, hätte ich es wahrscheinlich nicht getan“, sagt er, denn klar ist: Im Studium kam noch eine weitere alte Sprache auf ihn zu: Hebräisch. „Ich fand damals schon den Beruf des Pfarrers spannend, abwechslungsreich und nützlich, aber ich bin nicht gerade das Sprachengenie“, erzählt Daniel Fuhrwerk.

Prüfungs-Stress statt Kirchentag

Mit Latein und Griechisch aus der Schule musste er im Studium nur noch die Hebräisch-Prüfung absolvieren. Doch auch diese Hürde hat er genommen. Er studiert mittlerweile im 12. Semester an der Uni-Münster und steht kurz vor seinem Examen. „Die Klausuren sind ausgerechnet in der Woche nach dem Kirchentag“, sagt er. Da werde nicht viel Zeit bleiben, um Veranstaltungen zu besuchen. „Das ist ein wenig blöde gelegt.“

Wenn alles glatt läuft, wird er im Oktober sein Vikariat – das ist die zweieinhalbjährige praktische Ausbildung zum Pfarrer – beginnen. Das würde er am liebsten in der Nähe von Dortmund absolvieren, denn seine Freundin arbeitet als Hebamme am Knappschaftskrankenhaus in Brackel.

Bisher hat er es nicht bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Und wie haben seine Freunde auf seine Berufsentscheidung reagiert? „Leute, die mich kennen, haben meinen Weg ja mitbekommen, das war dann keine Überraschung für sie. Aber wenn man in einer Gruppe gefragt wird, was man denn vorhat, dann ist erst einmal Stille, wenn man sagt, dass man Pfarrer werden will.“

Die definitive Lust

Er halte den Beruf für „super-vielfältig“: „Als Pfarrer muss man ja alles machen, kann aber auch seine eigenen Schwerpunkte setzen. Es ist ein wichtiger Beruf. Das, was die Kirche zu sagen hat, ist heute nicht weniger aktuell als vor 2000 Jahren.“ Im Übrigen müsse man es auch akzeptieren, dass viele Menschen aus der Kirche austreten: „Theologisch gehören sie ja immer noch zum Leib Christi und eine Zugehörigkeit zu Christus ist auch nicht unbedingt an eine Kirche gebunden. Und da mal in Strukturen einzutauchen, sie auch mal aufzubrechen, da habe ich definitiv Lust drauf.“

Und seine Freundin? Weiß die, worauf sie sich einlässt? Dass er viel an Abenden, an Wochenenden und Feiertagen wird arbeiten müssen? „Ja, für sie ist das okay. Sie steht dahinter. Außerdem muss sie als Hebamme ja auch im Schichtdienst und auch mal am Wochenende arbeiten, sie kennt das also.“

Die zwei großen Wünsche

Wenn man Daniel Fuhrwerk nach seinen Wünschen fragt, schälen sich zwei besonders heraus: Erstens, dass sich das Image der Kirche in der Öffentlichkeit wandelt. Dass neben den Skandalen, vor denen man sich ja nicht wegducken dürfe, auch das viele Positive, das von den Kirchen geleistet werde, angemessen wahrgenommen werde. Und dass zweitens die Gemeinden so strukturiert werden, dass ein Pfarrer sich wirklich um seelsorgerische Aufgaben kümmern könne und nicht so stark von Verwaltungsaufgaben belastet werde.

Eine Gemeinde mit vielen Mitarbeitern und Einrichtungen, sei halt auch so etwas wie ein Unternehmen. „Ich weiß aber nicht, wie man einen Betrieb führt, das hat man uns auch nicht beigebracht.“ Außerdem sei er dafür nicht angetreten, Pfarrer zu sein: „Es darf nicht sein, dass so viele Verwaltungsaufgaben zu erledigen sind, bevor man überhaupt zu den Menschen kommt. Das wäre schon ein große Plus“, sagt der junge Mann und macht sich wieder auf den Weg zu seinen Büchern. Noch sind so einige Prüfungen zu absolvieren. Da ist Pauken angesagt, auch wenn vor der Haustür Kirchentag gefeiert wird.

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