Meinung

2G-Regel für Freizeitbereich: OB Westphal und seine Kollegen vergessen etwas Wichtiges

Dortmunds Oberbürgermeister möchte nur noch Geimpften und Genesenen Zugang zum Freizeitbereich ermöglichen. Unser Autor findet, der OB fordert 2G zu recht - lässt aber etwas Entscheidendes außer Acht.

2G für den Freizeitbereich in Dortmund. Das fordert Dortmunds Oberbürgermeister Thomas Westphal und liegt damit richtig – zumindest fast. Besser wäre allerdings ein Modell, wie es in Hamburg gefahren wird: Dort gibt es ein sogenanntes 2G-Optionsmodell.

Gastronomen können selbst entscheiden, ob sie nur Geimpfte und Genesene in ihre Lokale lassen. Wenn Sie es tun, gelten für Gäste auch in Innenräumen kaum noch Beschränkungen. Voraussetzung ist jedoch, dass auch das Personal geimpft ist – und da sind wir beim springenden Punkt.

3G sollte weiter eine Option bleiben

In Hamburg ist das nicht überall so. Und auch in Dortmund ist davon auszugehen, dass nicht jeder Mitarbeiter der Restaurants und Freizeitbetriebe geimpft ist. Bei einer strikten 2G-Regel hätte dies wohl zur Folge, dass etliche Gastronomen oder Freizeitbetriebe gar nicht erst öffnen könnten – denn schon jetzt ist das Personal vielfach knapp.

Jetzt könnte man natürlich sagen: Dann lasst euch doch impfen, eine Impfpflicht wurde schließlich auch für Gesundheitsberufe mal ins Spiel gebracht. Nun ist der Freizeitbereich zwar von Kundenkontakten geprägt, aber nicht grundsätzlich ein Berufszweig, in dem man zwangsläufig mit vulnerablen Gruppen in Kontakt kommt. 3G, also genesen, geimpft, getestet, sollte deshalb weiter als Option bleiben.

Es würde den arg gebeutelten Gastronomen, Wirten und Veranstaltern Entscheidungsfreiheit geben. Sind die Regeln, die für beide Modelle gelten, klar definiert, wäre das Ziel von Thomas Westphal und den anderen Oberbürgermeistern des Städtetages weiter gegeben: „Sicherheit und Klarheit schaffen.“

Auch eine 2G-Option würde Druck ausüben

Und auch ein weiteres Ziel der Maßnahme wäre weiterhin erfüllt, das so selten ausgesprochen wird, aber natürlich mitschwingt: Die Option auf 2G übt Druck auf Ungeimpfte aus. Denn nicht überall ist Personal knapp. Viele Diskotheken etwa könnten sich wohl für 2G entscheiden – und ihren Kunden damit ein dem menschlichen Ermessen nach weitestgehend sicheres Erlebnis bieten: Wer wieder weitestgehend sorgenfrei tanzen will, muss sich impfen lassen.

2G könnten Gastronomien, Clubs und Freizeitveranstaltungen so als Werbung für sich nutzen: Seht her, bei uns kann man das Leben wieder so genießen, wie wir es mal kannten. Und wer sich nicht impfen lässt, muss halt woanders hingehen. Wenn denn etwas geboten wird.

Sicherheit und Freiheit als Verkaufsargument – vermutlich werden sich nach und nach mehr und mehr Veranstalter dazu entschließen, da diese Freizeitmöglichkeiten für viele Menschen attraktiver sein werden. Denn dort herrschen (nach allem, was wir ermessen können) mehr Sicherheit – und mehr Freiheit.

Ein 2G-Optionsmodell ließe Veranstalter und Gastronomen klar planen, gäbe ihnen gleichzeitig aber den Handlungsspielraum, betriebliche Entscheidungen zu treffen. Und es gäbe auch den Menschen mehr Optionen, nach denen sie ihr Leben gestalten können.

Über den Autor
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Als gebürtiger Dortmunder bin ich großer Fan der ehrlich-direkten Ruhrpott-Mentalität. Nach meinem journalistischen Start in der Dortmunder Stadtredaktion, schreibe ich mich gerade als Volontär durch die Redaktionen in der Region.
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Lukas Wittland