5G-Ausbau: Telekom ignoriert Dortmund – und das Ruhrgebiet mit fünf Millionen Menschen

rnSuperschneller Mobilfunk 5G

Darmstadt ist wichtiger als Dortmund. Schwerin, Kiel und Ingolstadt sind es auch. Geht es um den Ausbau des ultraschnellen 5G-Mobilfunknetzes, ist Dortmund für die Telekom tiefste Provinz.

Dortmund

, 27.01.2020, 08:10 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bisher, so lässt sich auf der Internet-Seite der Telekom ablesen, bietet die Telekom den Mobilfunkstandard der fünften Generation, eben 5G, in acht deutschen Städten an: Hamburg, München, Berlin, Bonn, Frankfurt, Köln, Leipzig und Darmstadt. Im Jahr 2020 sei der Beginn des 5G-Ausbaus in 14 weiteren Städten vorgesehen, von Schwerin über Kiel bis Wiesbaden und Ingolstadt.

Dortmund ist nicht dabei - und befindet sich damit in exzellenter Gesellschaft, denn: Auch in keiner einzigen anderen Stadt des Ruhrgebiets mit seinen fünf Millionen Einwohnern plant die Telekom aktuell, den neuen Standard für schnelles Internet 2020 aufzubauen. Essen, Bochum, Castrop-Rauxel, Duisburg, Oberhausen, Bottrop - alles unberührte Flächen in Sachen 5G.

Vier Firmen haben eine 5G-Lizenz

Im vergangenen Jahr hatte die Bundesnetzagentur die Frequenzen versteigert, die für den neuen 5G-Standard nötig sind. Nach wochenlangem Feilschen und Verhandeln hatten im Juni die Telekom, Vodafone, Telefoncia (o2) und Drillisch (1&1) den Zuschlag erhalten und zusammen gut 6,5 Milliarden Euro für die Frequenzen gezahlt.

5G ist Nachfolger von 4G, besser bekannt als LTE. Es ist etwa zehnmal so schnell beim Download von Daten und reagiert wesentlich schneller. Damit können Daten nahezu in Echtzeit übertragen werden. Das ist beispielsweise eine wichtige Voraussetzung für autonomes Fahren.

Telekom ohne Zeitplan für Dortmund

Die Telekom bestätigt auf Nachfrage, dass ihre Darstellung auf der Netzabdeckungskarte im Internet korrekt ist - und es tatsächlich für Dortmund aktuell keine konkreten Pläne zum Aufbau von 5G-Stationen gibt. Zunächst baue man den neuen Mobilfunkstandard vor allem in den Hauptstädten der Bundesländer auf, teilte Pia Habel, Pressesprecherin der Telekom, mit und ergänzt: „In der nächsten Ausbaustufe sind dann Städte im Ruhrgebiet wie zum Beispiel Dortmund dabei. Hierfür haben wir aber noch keinen festen Zeitplan.“

Auch Telefonica lässt Dortmund und das Ruhrgebiet beim 5G-Netzausbau vorerst links liegen. Man werde zwar nach derzeitigem Planungsstand in den ersten drei Monaten dieses Jahres mit dem Netzausbau beginnen, allerdings bis Ende 2021 zunächst in Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt.

Bis Ende 2022 sollen dann 30 Städte mit insgesamt 16 Millionen Einwohnern versorgt sein, kündigte Telefonica an. Ob Dortmund oder eine andere Stadt im Ruhrgebiet dazu gehören wird - diese Frage beantwortete Telefonica nicht.

Vodafone hat zwei Stationen aufgebaut

Anders als Telekom und Telefoncia hat Vodafone in Dortmund und dem Ruhrgebiet schon einmal ganz vorsichtig einen Zeh in den See gesteckt, um hier zu lernen, was beim Aufbau von 5G zu beachten ist.

„Es ist ja eine ganz neue Technik. Deshalb haben wir bewusst in verschiedenen Regionen erste Antennenstationen aufgebaut, in ländlichen Regionen ebenso wie in Großstädten. Wir müssen Erfahrungen sammeln, zum Beispiel: Wie müssen wir die Antennen ausrichten? Was ist im bergigen Land, zwischen Wohnblocks?“, sagt Tobias Krzossa, Pressesprecher von Vodafone.

5G-Ausbau: Telekom ignoriert Dortmund – und das Ruhrgebiet mit fünf Millionen Menschen

Am Kammerstück 17 in Oestrich hat Vodafone eine der ersten beiden 5G-Stationen in Dortmund aufgebaut. Nur im Umkreis von etwa einem Kilometer um diesen Mast und und den in Eving kann man also die neue 5G-Technik bisher in Dortmund nutzen. © Stephan Schuetze

In Dortmund hat Vodafone an der Feineisenstraße 1 in Eving und am Kammerstück 17 in Oestrich Stationen mit je drei Antennen installiert. Im Umkreis von gut einem Kilometer um diese Station kann man also jetzt den neuen 5G-Standard nutzen ­– wenn man ein 5G-Handy hat.

5G wichtig für Digitalisierung in der Industrie

Aktuell habe Vodafone bundesweit rund 160 Antennen aufgestellt, sagt Krzossa und ergänzt: „Klar ist für uns, dass wir bis Ende 2020 etwa 10 Millionen Menschen mit 5G erreichen wollen, bis Ende 2021 sollen es 20 Millionen sein.“ Dabei spiele auch das Ruhrgebiet, wo man parallel auch noch vorhandene LTE-Funklöcher stopfe, eine wichtige Rolle.

5G biete schließlich nicht nur für Privatkunden eine erhebliche Verbesserung, sondern auch für die Industrie: „In modernen Fabriken kommunizieren im Zuge der Digitalisierung immer häufiger Maschinen und Roboter miteinander, bringen beispielsweise Roboter Werkstücke zu den Maschinen. Dafür braucht man extrem gute Datenleitungen“, sagt Krzossa.

Förderprogramm für die Industrie

Firmen, die nicht warten wollen, bis die großen Netzanbieter so weit sind, dürfen übrigens auch ihr eigenes 5G-Netz aufbauen, ein sogenanntes Campus-Netz. Die Landesregierung hat dazu im Dezember ein 90 Millionen Euro schweres Förderprogramm gestartet.

1 & 1 hat noch gar kein eigenes Netz

Drillisch (1&1) verfügt, so berichtet Unternehmenssprecherin Lisa Pleiß auf Anfrage, aktuell noch nicht über eine eigene Netz-Infrastruktur, sondern kooperiere mit anderen Netzanbietern. Man befinde sich mit potenziellen Partnern in Gesprächen für den Netzaufbau. Man werde sich an die von der Bundesnetzagentur bei der Frequenzvergabe gemachten Vorgaben halten, sagte Pleiß: „Bis Ende 2022 müssen wir 1.000 5G-Basisstationen aufstellen, bis Ende 2025 25 Prozent und bis Ende 2030 50 Prozent der Haushalte abdecken.“

Glücklich ist man bei der IHK nicht gerade, dass Dortmund nicht die höchste Priorität beim 5G-Ausbau besitzt, denn: „Der zügige Ausbau der 5-G-Technologie ist für die weitere Digitalisierung unseres Standortes von grundlegender Bedeutung“, sagt Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender IHK-Hauptgeschäftsführer. Wenn sich ein flächendeckender Ausbau des 5G-Netzes verzögere, müsse man schnell zumindest erste Schwerpunkte setzen. Nur so könne man bei Projekten wie „Smart Rhino“ im Unionviertel oder rund ums Technologiezentrum vorankommen.

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