80-Jähriger hat nach einem halben Jahrhundert an der Kreuzstraße lebenslanges Wohnrecht

rnWohnen im Kreuzviertel

Das rot-weiße Eckhaus an der Kreuzstraße fällt auf. Es steht dort seit über 100 Jahren. Hans-Dieter Finke lebt dort heute als letzter Mieter unter lauter Eigentümern. Das darf so bleiben.

Kreuzviertel

, 30.03.2019 / Lesedauer: 3 min

Schon von weitem fällt das Mehrfamilienhaus dem Betrachter ins Auge: die schwarz-weiß-rote Fassade, der über 100 Jahre alte Giebel, das moderne, aufgestockte Obergeschoss, der Erker. Im Innern begegnen sich historische Elemente im Treppenhaus und modernisierte Eigentumswohnungen. Wer aber die Erdgeschosswohnung rechts betritt, der glaubt, die Zeit sei stehengeblieben: Dort lebt Mieter Hans-Dieter Finke inmitten seiner Erinnerungen aus 49 Jahren Wohnen im Haus Kreuzstraße 62.

80-Jähriger hat nach einem halben Jahrhundert an der Kreuzstraße lebenslanges Wohnrecht

Hans-Dieter Finke ist heute 80 Jahre alt und genießt seit fast 50 Jahren an der Kreuzstraße seine Wohnung mit dem kleinen Garten. © Leonard Sträter

In der Miet-Wohnung des 80-Jährigen gibt es überall Möbel, Gegenstände, Antiquitäten und Fotos zu entdecken. Und zu allem weiß Hans-Dieter Finke Geschichten und Anekdoten zu erzählen. Spannende und lustige, aber auch traurige – seit nunmehr 17 Jahren ist er Witwer.

Vieles selbst gemacht

Mit Ehefrau Ingrid und Matthias, dem damals vier Jahre alten Erstgeborenen, ist Hans-Dieter Finke 1970 von Eving ins weitaus quirligere Kreuzviertel gezogen. 78 Quadratmeter, drei Zimmer, Küche, Diele, Toilette und ein kleines Gärtchen. „Meine Frau wollte das“, erinnert sich der Mieter an den Umzug, den er keine Sekunde bereut hat. 1976 wurde Sohn Daniel geboren. Als Raumausstatter und Schaufenstergestalter brachte Hans-Dieter Finke viel handwerkliches Geschick mit: „Als wir die Wohnung gemietet haben, gab es hier nur rohe Wände. Ich habe alles selbst renoviert.“

Gebohrt, gesägt und gestrichen wurde auch in der Folgezeit. Der Rentner kann stolz sein auf die abgehängte Decke im Flur, die Terrasse mit der bunt bemalten Wand und den Garten, den er pflegt und viel nutzt. Hier haben sie früher alle gesessen, die Mitbewohner des Hauses Kreuzstraße 62, Kaffeeklatsch gemacht oder gegrillt und Spaß gehabt. „Wenn ein Schnäpschen fehlte, wurde ein Körbchen von oben heruntergelassen“, so der 80-Jährige.

Lebenslanges Wohnrecht ist zugesichert

Aus Gesundheitsgründen hat die frühere Vermieterin das Haus an die Casa sogno GmbH verkauft, die das Objekt aufstockte, sanierte und Eigentumswohnungen mit großzügigen Grundrissen schuf. „Wir haben viel Wert darauf gelegt, familienfreundliches Wohnen im Kreuzviertel zu ermöglichen“, sagt Geschäftsführer Leonard Sträter. Die Mietwohnung des Seniors ist unverändert geblieben, aber sie hat neue Türen, Fenster und Heizkörper. Während der Umbauphase konnte er wohnen bleiben, gelegentlich ging er den Handwerkern zur Hand. Die Casa sogno GmbH sicherte Klaus-Dieter Finke zu, dass er lebenslang in der Erdgeschosswohnung wohnen kann – die Vereinbarung hat er nun schwarz auf weiß.

So kann der 80-Jährige seinen Lebensabend in gewohnter Umgebung genießen, in seinem „Dorf“, wie er das Kreuzviertel bezeichnet: „Hier gibt es noch ein funktionierendes Nachbarschaftsleben“, sagt er. Das Schwätzchen beim Einkaufen oder im Wartezimmer des Hausarztes gehört dazu, und auch die Fußballfans, die sich in und an dem gegenüberliegenden Lokal versammeln, wenn der BVB spielt. „Wenn draußen nichts zu hören ist, dann hat der BVB das Spiel vergeigt.“

Zwillingsbrüder halten sich fit

Was wünscht sich der Senior für die Zukunft? „Gesundheit, sonst nichts“. Dass er noch viele Jahre in seinem vertrauten Terrain leben wird, glaubt man sofort, so fit wie er ist - übrigens genauso wie sein Zwillingsbruder Lothar, dem er auch heute noch zum Verwechseln ähnlich sieht.

Täglich läuft Hans-Dieter Finke weite Strecken, zum Beispiel von der Kreuzstraße bis zum Phoenix-See, einmal um den See herum und wieder heim. Das Wichtigste aber ist die Familie: Seine beiden Söhne und natürlich seine drei Enkeltöchter, die ihren Opa regelmäßig im Kreuzviertel besuchen.

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