85-Jährige mit Rollator bei C&A dreist bestohlen

Schock beim Shopping

Mit 85 Jahren hat Helga Lippe viel von ihrem Vertrauen in die Menschen verloren. Ende Juni stahl der Dortmunderin eine Frau die Handtasche samt Geldbörse aus dem Rollator, während sie gerade in der C&A-Filiale am Ostenhellweg einkaufte. Dass sie so schnell und mit einer so dreisten Methode zum Opfer werden konnte, hat die Seniorin geschockt. Sie ist nicht allein mit diesem Erlebnis.

DORTMUND

, 23.07.2017, 02:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
85-Jährige mit Rollator bei C&A dreist bestohlen

Helga Lippe wurde bestohlen, während sie bei C&A am Ostenhellweg nach Kleidung stöberte.

Der materielle Schaden ist knapp drei Wochen nach dem Vorfall schon wieder behoben. Es ist das unangenehme Gefühl, das bleibt. „Ich bin nervös. Früher bin ich gern in die Stadt gegangen, im Moment nicht mehr. Zuhause schließe ich die Tür ab, weil die ja meine Adresse kennen“, sagt Helga Lippe.

Plötzlich war alles weg

An diesem 29. Juni, einem Donnerstag, dauert alles nur wenige Augenblicke. Um sich eine Bluse anzusehen, dreht sich Helga Lippe für einen Augenblick von ihrem Rollator weg, in dem sie unter dem Sitz ihre Handtasche aufbewahrt. „Dann höre ich ein Klicken, als wenn jemand meinen Sitz hochklappt.“ Die Geldbörse mit 130 Euro, Haustürschlüssel und sämtlichen Papieren ist weg. Als sie den Diebstahl dem Sicherheitsdienst meldet, führt der sie in einen Raum mit mehreren Monitoren. Dort sieht sie sich selbst in der Szene einige Minuten vorher. Sieht, wie eine Frau, deren Gesicht nicht zu erkennen ist, den unachtsamen Moment abwartet, dann blitzschnell zugreift und den Laden gemeinsam mit einem Mann verlässt.

Erst Stunden später ist Helga Lippe wieder zuhause – nachdem es der Polizei gelungen war, ihre Tochter in Bochum zu kontaktieren, deren Telefonnummer Helga Lippe nicht auswendig wusste. „Hilflosigkeit“ habe sie gespürt. Mal wieder. Vor zehn Jahren sei sie als sportliche Frau ins Krankenhaus gegangen und nach einem OP-Fehler schwerbehindert wieder herausgekommen. „Deswegen brauche ich ja überhaupt nur den Rollator.“

Erst im Februar war eine Diebin im selben Geschäft auf die gleiche Weise vorgegangen. Das Opfer: eine 85-Jährige mit Rollator. Damals hatte der Sicherheitsdienst das auffällige Verhalten einer 22-Jährigen rechtzeitig bemerkt, herbeigerufene Polizisten nahmen die Frau kurz vor Verlassen des Geschäfts fest.

C&A-Chef spricht von Einzelfällen

„Es sind Einzelfälle, die leider vorkommen. Aber wir arbeiten eng mit der Polizei zusammen und reagieren sofort, wenn wir etwas mitbekommen“, sagt C&A-Filialleiter Dirk Obermeier. So gebe es eine durchgängige Überwachung des Verkaufsraums und einen internen Sicherheitsdienst, der auf verdächtiges Verhalten reagiere.

Gerade an belebten Orten in der Innenstadt ist Taschendiebstahl, worunter solche Vergehen fallen, aus Sicht der Polizei Dortmund ein Dauerthema. 2017 ist die Zahl der Taschendiebstähle allerdings erneut rückläufig (im ersten Halbjahr von 2131 auf 1480 Taten).

Das rät die Polizei Senioren:

  • Aufmerksamkeit erregen: Wer einen Diebstahl bemerkt, sollte schreien oder anders auf sich aufmerksam machen. Verdächtige Personen im Zweifel ansprechen.
  • Wertsachen nah am Körper tragen: Wertsachen sollten nicht in einer offenen Handtasche oder im Rollator mitgeführt werden, sondern in Innentaschen oder auch Brustbeuteln. Taschen an Fahrrädern oder Rollatoren fixieren. Nicht am Körper: Hier droht beim Wegreißen Verletzungsgefahr.
  • Was brauche ich?: Vor dem Gang zum Einkaufen überlegen, ob ich wirklich alle Papiere, Schlüssel benötige. Auf Überflüssiges und hohe Bargeldsummen verzichten.

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