Abbiegende Lkw werden zur tödlichen Falle

Unfälle zwischen Lkw und Radfahrern

Zwei getötete Radfahrer innerhalb von elf Wochen in der Dortmunder Nordstadt, nachdem Lkw-Fahrer auf Hauptstraßen rechts abgebogen sind: Die Unfälle ereigneten sich in Situationen, mit denen Radfahrer ständig rechnen müssen. Sie sind keine Einzelfälle.

Dortmund

, 14.02.2018 / Lesedauer: 3 min
Abbiegende Lkw werden zur tödlichen Falle

Das Rad des 63-jährigen Unfallopfers liegt auf dem Fußgänger-Überweg auf der Glückaufstraße in der Nordstadt. Im Hintergrund der Lkw, der den Radfahrer überfahren und tödlich verletzt hat. Die gelben Farben auf dem Asphalt an den Lkw-Rädern sind Markierungen der Polizei. (Die persönlichen Gegenstände des Opfers haben wir unkenntlich gemacht.) © Helmut Kaczmarek

Drei schwere Verkehrsunfälle mit Lkw führen das hohe Risiko für Radfahrer in der Nordstadt vor Augen:

  • 16. März 2017: Ein Lkw biegt von der Bornstraße nach rechts auf die Mallinckrodtstraße ab und erfasst dabei eine Radfahrerin. Sie wird schwer verletzt.
  • 28. November 2017: Beim Abbiegen von der Leopoldstraße nach rechts auf die Mallinckrodtstraße tötet ein Lkw-Fahrer einen 11-jährigen Jungen, der mit dem Rad zur Schule will.
  • 13. Februar 2018: Von der Bornstraße biegt ein Lkw-Fahrer auf die Glückaufstraße ab. Er überrollt einen Radfahrer (63) und verletzt ihn tödlich.

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Die Gefahr, dass ein Radfahrer von einem nach rechts abbiegenden Lkw oder Pkw erfasst werde, sei in Dortmund „stets vorhanden“, sagt Werner Blanke vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC). Erfahrene Radfahrer würden diese Situationen kennen.

„Solche tödlichen Unfälle sind vermeidbar“

Unfälle wie diese seien vermeidbar, wenn Autofahrer – wie in der Fahrschule gelernt und in der Fahrprüfung verlangt – den Schulterblick anwenden würden und wenn die gesetzlich vorgeschriebenen Rechtsabbieger-Assistenzsysteme in allen Lkw eine Pflicht wären, sagte Werner Blanke. Nicht nur in neuen Lkw, sondern als Nachrüstung in allen Zugmaschinen.

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Der ADFC verweist zusätzlich auf eine Innovation aus Husum in Norddeutschland: Eine Blitzlichtanlage warnt an gefährlichen Kreuzungen die Auto- und Lkw-Fahrer mit optischen Signalen, wenn sich in deren toten Winkeln Fußgänger oder Radfahrer bewegen. Entwickler Martin Budde spricht von einer Zuverlässigkeit von „100 Prozent“. Sensoren gleichen die aktuelle Verkehrslage permanent mit einem Referenzbild ab und erfassen Bewegungen mit Sensoren, die auf Wärme reagieren.

Radfahrer fährt so, als würden Autofahrer ihn nicht sehen

Dass immer mehr Radfahrer unterwegs sind, ist umweltpolitisch erwünscht, da Dortmund auf ein Abgas-Problem reagieren muss. „Das Fahrrad gewinnt an Bedeutung“, erkennt Peter Pecht, Geschäftsführer im Fachgeschäft „Das Rad“ am Brüderweg. „Selbst in den kalten Monaten sehe ich immer mehr Radfahrer“, stellt er fest. Der 57-Jährige, der in Dortmund knapp 4000 Kilometer pro Jahr zurücklegt, hat eine Überlebensstrategie entwickelt: „Ich fahre grundsätzlich so, als würden Auto- und Lkw-Fahrer mich nicht sehen.“

Laut Polizeisprecherin Cornelia Weigandt habe die Polizei mit der Stadt in der kommunalen Unfallkommission über den tödlichen Verkehrsunfall im November auf der Mallinckrodtstraße beraten. Die Kreuzung selbst sei „nicht auffällig“, sagt die Polizeisprecherin. Was nicht bedeute, dass es dort nichts zu optimieren gäbe. Für Aussagen über die Ursache zum aktuellen tödlichen Unfall auf der Bornstraße sei es noch zu früh.

Montag (19. 2.) stellen mehrere Radfahrer-Organisationen an der Ecke Bornstraße/Glückaufstraße ein weißes Ghost-Bike ab. Das Geister-Rad soll erneut auf die Gefahren an solchen Kreuzungen hinweisen. Start ist 17 Uhr, Friedensplatz. Ankunft 17.30 Uhr
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