Ein Bild aus den vergangenen Jahren: Angeführt von Pferd und Reiter nahmen viele Kinder mit einer Laterne in der Hand an einem Martinszug im Dortmunder Westen teil. © Stephan Schütze (A)
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Abgesagte Martinsumzüge: „Wenn es um Kinder geht, wird alles verboten“

In Dortmund haben erste Kitas und Grundschulen ihre Sankt-Martins-Umzüge abgesagt - aus Vorsicht. Bei Facebook sorgt diese Argumentation für Unverständnis.

Ein Reiter auf dem Pferd, der seinen Mantel teilt und eine Hälfte dem Bettler schenkt. Dahinter laufen Eltern mit ihren Kindern und Großeltern mit ihren Enkeln. In der einen Hand halten die Kleinen selbstgebastelte Laternen, die im Dunkeln bunt leuchten. In der anderen Hand halten sie vielleicht einen warmen Kakao, vielleicht auch eine Brezel. So kennen viele die Umzüge zu Sankt Martin (11.11.). In Dortmund wird es sie Corona-bedingt auch in diesem Jahr nicht geben. Oder nur in eingeschränkter Form.

Martinszüge: Grundschulen agieren mit Vorsicht

Jutta Portugall, Sprecherin der Dortmunder Grundschulen, gibt Vorsicht als Grund für diese Entscheidungen an. Man wisse nicht, was sich bis November noch verändert. Hinzu gesellen sich Bedenken bei der Kontrolle der 3Gs und die niedrige Impfquote bei Kindern unter zwölf Jahren.

Die Berichterstattung über die St.-Martins-Umzüge kommentierte ein Autor dieser Redaktion mit den Worten „Martinsumzüge abzusagen ist absolut richtig“. Das sorgt jedoch besonders unter den Nutzerinnen und Nutzern bei Facebook für Unverständnis. In vielen Beiträgen unter dem Artikel wird die Frage aufgeworfen, warum mehr als 60.000 Menschen zu einem Fußballspiel ins Dortmunder Stadion kommen dürfen, aber ein Martinsumzug für Kinder abgesagt wird.

Eine Nutzerin schreibt diesbezüglich: „Wenn es um Kinder geht, wird alles verboten. Dabei haben sie schon auf so vieles verzichtet. Die Eltern haben die 3G-Regel, die Kinder sind eh jeden Tag zusammen und dürfen nicht an der frischen Luft laufen? Mir fehlt dazu jegliches Verständnis und es macht mich nur noch wütend!“

Nutzer: Hauptsache Stadion, Disco und Weihnachtsmarkt

Ein weiterer Nutzer kommentiert, dass sich niemand für Kinder beziehungsweise Martinsumzüge mehr interessiere. „Hauptsache, die Erwachsenen können ins Stadion, Disco und Weihnachtsmarkt“, fügt eine andere Nutzerin hinzu. Sie ergänzt ironisch: „Wer braucht schon Kinder und warum sollte man sich um deren Wohl kümmern?“

Genau deshalb wollen einige Nutzerinnen und Nutzer nicht darauf warten, dass Martinsumzüge von Kindergärten, Schulen oder anderen Organisationen organisiert werden. Sie kündigen an, selber mit ihren Kindern und deren Laternen um die Häuser zu ziehen. „Nicht meckern. Selber organisieren“, schreibt eine Nutzerin. Sie fügt hinzu: „Und ich hätte ruckzuck Pferd mit Reiter (notfalls selbstgebastelt) und Musik organisiert“.

Doch nicht alle Nutzerinnen und Nutzer sehen das so. So kann beispielsweise ein Kommentator nachvollziehen, dass der Abstand zwischen den Kindern nicht immer gewährleistet werden könne. Allerdings wirft er die Frage auf, ob der Abstand denn während des Umzuges im Westfalenpark eingehalten werden könne. Auch den Mehraufwand des Lehrpersonals durch die Kontrolle der 3G-Nachweise sieht er ein. Dennoch fragt er sich, warum eine stichprobenartige Kontrolle auf dem Dortmunder Weihnachtsmarkt möglich sei.

Hohe Impfquote als Argument für einen Martinszug

Er fasst zusammen: „Ich finde, hier wird einfach ein Grund gesucht, ja, wir sind noch in einer Pandemie und der Herbst und Winter werden noch mit Einschränkungen einhergehen, aber bei einer Impfquote bei über 80 Prozent der Erwachsenen sollte man schon auch das ein oder andere zulassen können, was speziell für Kinder veranstaltet wird.“

Laut Bundesgesundheitsministerium haben bislang 66,1 Prozent der Gesamtbevölkerung einen vollständigen Impfschutz. Bei den Menschen ab 60 Jahren liegt dieser Wert bei 85 Prozent. Bei den 18- bis 59-Jährigen haben 72,3 Prozent einen vollständigen Impfschutz, bei den 12- bis 17-Jährigen 39,7 Prozent. Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es keine Angaben (alle Werte Stand 22.10., 9 Uhr).

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