Lena und Lea Lerche haben ein selbstgemaltes Bild am Gehege von Nashorn Willi im Dortmunder Zoo abgelegt. Das ein Jahr alte Tier starb überraschend in der Nacht zum 23. März. © Felix Guth
Zoo Dortmund

Abschied am Nashorn-Haus: „Willi, wir werden dich vermissen“

Eines der beliebtesten Tiere im Dortmunder Zoo, das Breitmaulnashorn Willi, ist überraschend gestorben. Das erzeugt bewegende Momente, die selbst erfahrene Zoo-Mitarbeiter nicht kalt lassen.

Zwei Tage nach der dramatischen Nacht, in dem das junge Nashorn Willi an den Folgen einer Kolik und eines Darmverschlusses starb, fehlt etwas im Dortmunder Zoo. Willi fehlt. Das ist auf viele unterschiedliche Arten spürbar.

Die Dortmunder Familie Lerche hatte den Zoo-Besuch schon lange geplant, die Vorfreude bei den Töchtern Lena und Lea war groß. Dann kam die überraschende Nachricht. „Das war sehr traurig für die Kinder. Sie wollten deshalb unbedingt etwas für Willi machen“, sagt Martina Lerche.

Bunte Herzen und Blumen für Willi

Lena und Lea haben deshalb für den Besuch am Donnerstag einen bemalten Stein, eine Kerze und ein selbstgemaltes Bild mit bunten Herzen und Blumen mitgebracht. „Willi wir werden dich vermissen“, steht darauf.

Wenige Tiere haben in der Zoo-Geschichte so schnell die Herzen der Menschen gewonnen. Entsprechend groß ist der Schock über das Drama in der Nacht zum 23. März.

„Es war wie eine Art plötzlicher Kindstod. Es lag in den ersten Tagen eine schwarze Wolke über dem gesamten Zoo“, sagt Zoo-Direktor Dr. Frank Brandstätter am Donnerstag. Das Ergebnis der Obduktion sei auf eine Art „beruhigend“ gewesen, weil nachgewiesen worden sei, dass kein Fehler gemacht worden ist.

Nashorn-Mutter ruft regelmäßig nach ihrem Kalb

Willis Mutter Shakina, Nashornkuh Jasira und Nashorn-Oma Akana benötigen die unmittelbare und volle Aufmerksamkeit ihrer Pflegerinnen und Pfleger. Deshalb kehrt bei aller Trauer auch wieder Alltag in das Zooleben ein.

Ob Nashorn-Mutter Shakina kognitiv wahrnimmt, dass ihr Junges tot ist, lässt sich nicht genau sagen. Doch sie ist unruhiger als sonst. Regelmäßig ruft sie nach dem Kalb, die Milch, mit der Willi genährt wurde, befindet sich noch in ihrem Euter.

Der Abnabelungsprozess zwischen Jungtier und Mutter hatte laut Zoo-Direktor Frank Brandstätter bereits begonnen. Die Nachzucht von Breitmaulnashörnern im Dortmunder Zoo soll weitergehen.

Zoo-Direktor: „Willi war einer von vielen“

Willi war fraglos ein Publikumsmagnet für den Dortmunder Zoo. Entsteht nun eine Lücke. Frank Brandstätter hat hierzu eine klare Position. „Willi war nicht der Zoo. Er war einer von vielen. Er war mit Sicherheit ein populäres Tier mit einer Persönlichkeit. Aber wir haben auch noch andere populäre und interessante Tiere. Wir sind alle Teil einer großen Familie.“

Zweck eines Zoos bleiben nach wie vor Artenschutz und Erhaltung von seltenen Tierarten. „Ich hasse den Begriff des Shootingstars, der häufig für ihn verwendet wurde. Wir sind ja hier nicht bei der Hitparade.“

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Redaktion Dortmund
Seit 2010 Redakteur in Dortmund, davor im Sport- und Nachrichtengeschäft im gesamten Ruhrgebiet aktiv, Studienabschluss an der Ruhr-Universität Bochum. Ohne Ressortgrenzen immer auf der Suche nach den großen und kleinen Dingen, die Dortmund zu der Stadt machen, die sie ist.
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Felix Guth

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