Gegner sammeln 1500 Unterschriften: Abriegelung der Gartenstadt wird jetzt wieder diskutiert

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Eigentlich ist die Abschottung der Gartenstadt zur Stadtkrone-Ost beschlossene Sache. Wegen heftiger Proteste wird die von Anwohnern hart erkämpfte Maßnahme nun doch wieder diskutiert.

Gartenstadt, Schüren

, 10.03.2020, 08:05 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit viel Einsatz und langem Atem haben die Bewohner der südlichen Gartenstadt ihren Wunsch nach Verkehrsberuhigung durchgesetzt. Um den Verkehr Richtung Stadtkrone-Ost durch das Wohnviertel zu unterbinden, soll die Durchfahrt gesperrt werden – zunächst für ein Jahr, um die Auswirkungen beobachten zu können.

Dieser Beschluss der Bezirksvertretung Innenstadt-Ost führte allerdings zu Protesten vieler Anwohner und Gewerbetreibender, nicht nur, aber vor allem an der Stadtkrone-Ost. Innerhalb von zehn Tagen sammelten die Gegner der Absperrung 1500 Unterschriften gegen das Projekt und übergaben sie am 3.3. nach hitziger Diskussion in der Sitzung der Bezirksvertretung (BV) an Bezirksbürgermeister Udo Dammer.

Gegner der Gartenstadt-Absperrung sammelten in kurzer Zeit 1500 Unterschriften.

Gegner der Absperrung sammelten in kurzer Zeit 1500 Unterschriften. © Susanne Riese

Nun ist die Frage, wie Politik und Verwaltung mit dem Streitthema umgehen. Mitte März will das Tiefbauamt eine neue Verkehrszählung vornehmen. Eigentlich sollten dann zügig die Sperrelemente an der Stangefolstraße und der Stadtrat-Cremer-Alleee aufgestellt und nach einem Jahr die Auswirkungen bewerten werden.

Der bevorstehenden Zählung, die eigentlich nur Vergleichswerte für die Vorher-Nachher-Beurteilung liefern sollte, kommt nun größere Bedeutung zu. Denn die Absperrgegner bezweifeln die beklagte hohe Verkehrsbelastung.

Sie berufen sich dabei auf eine Zählung des Stadtplanungs- und Bauordnungsamts von September 2018, der zufolge der Pkw-Verkehr nicht übermäßig zugenommen hat, sondern zum Teil – beispielsweise in der Lübkestraße – sogar gesunken ist.

Die Anwohnerinitiative bezweifelt dieses Zahlenwerk. Sie erlebten täglich Staus und Verkehrschaos, vor allem zu den Stoßzeiten morgens und nachmittags. „Man kann zu den Zeiten kein Fenster öffnen“, erzählt eine Betroffene.

Wird das Vorhaben wieder auf Eis gelegt?

Einige Anwohner fürchten, dass aufgrund der Gegenwehr ihr hart erkämpfter Erfolg nun doch noch auf der Zielgeraden gestoppt wird. Dazu stellt Udo Dammer klar: „Der Beschluss wurde nicht aufgehoben.“

Trotzdem erwartet der Bezirksbürgermeister erneute Diskussionen, wenn die Zahlen der aktuellen Verkehrszählung auf dem Tisch liegen. Sie sollen voraussichtlich in der Mai-Sitzung vorgestellt werden. Was dann passiert, wird vermutlich wesentlich von den Ergebnissen abhängen.

Über Absperrung soll gemeinsam entschieden werden

Wobei für einige Gegner fraglich ist, ob die BV Innenstadt-Ost über eine Maßnahme mit derart weitreichenden Konsequenzen für andere Bezirke überhaupt allein entscheiden kann. Bezirksbürgermeister Dammer verwies dazu auf einen Runden Tisch mit den Kollegen im Vorfeld.

Möglicherweise sei damals aber die Problematik nicht vollständig erkannt worden, meint dazu Jürgen Schädel (SPD), Bürgermeister des Bezirks Aplerbeck, zu dem die Stadtkrone-Ost gehört. Seiner Meinung nach gehört die Absperrung noch einmal geprüft – von Feuerwehr und Polizei sowieso, aber auch im Hinblick auf die Auswirkungen auf die anderen Bezirke.

Er wünscht sich ein Verkehrskonzept für das gesamte Gebiet zwischen Weingartenstraße und B1, Marsbruch- und Semerteichstraße. In Aplerbeck soll in der BV-Sitzung am Dienstag (10.3.) verhandelt werden, welche Schritte nötig sind.

Abriegelung als letzte Möglichkeit

„Absperren kann nur die allerletzte Möglichkeit sein“, so die Meinung von Jürgen Schädel. Die Einstellung der Gartenstadt-Bewohner könne er gut verstehen. Er habe aber auch von etlichen Bürgern gehört, die nicht begeistert seien von der Aussicht, demnächst vor Absperrpollern zu stehen. „Viele Kinder besuchen die betroffenen Schulen, und Eltern müssen erhebliche Umwege in Kauf nehmen, um sie dorthin zu bringen.“

Schädel meint, es müsse eine Lösung angestrebt werden, bei der nicht der Verkehr von einem Wohnviertel in ein anderes umgelenkt werde. Seiner Meinung nach könne man auch die 1500 Unterschriften gegen die Absperrung nicht einfach ignorieren.

Die Bürgerinitiative Gartenstadt wertet genau diese Unterschriften als Beweis für den überbordenden Schleichwegverkehr durch ihr Wohngebiet. Zum Ärgernis gehören für sie auch abgestellte Autos: „Wir sind nicht der Parkplatz der Stadtkrone-Ost.“

Anwohner fühlen sich im Stich gelassen

Die Initiative beruft sich auf ein 20 Jahre altes Versprechen, ihr Wohnviertel werde von negativen Auswirkung des Neubaugebiets auf dem ehemaligen Kasernengelände verschont. Im Bebauungsplan von 2006 ist zum Thema Auswirkungen auf den Verkehr Richtung Westen festgehalten: „Die Entwicklung wird weiter beobachtet und eventuell verkehrslenkend beeinflusst.“

In einer Anmerkung der Stadt zum Bebauungsplan heißt es: „Da Schleichverkehre (...) derzeit aber trotzdem nicht völlig ausgeschlossen werden können, wird die Verwaltung die weitere Entwicklung beobachten und ggfls. geeignete Maßnahmen ergreifen.“

Darauf bezieht sich Prof. Wolfgang Müller, Jurist und selbst Anwohner der Gartenstadt, wenn er sagt: „Das ist für die Verwaltung bindend.“ Man können nicht einen Bereich derart überproportional belasten.

Betroffene befürchten, dass sich die Situation auf ihren Straßen weiter verschlechtern wird, wenn einige große Vorhaben an der Stadtkrone Ost umgesetzt sind, darunter die Eröffnung der neuen Bundesbank-Zentrale an der B1 und der Neubau der Continentale-Versicherung.

Die Bezirksvertretung fordert die Verwaltung auf, kurzfristig ein Verkehrsgutachten extern in Auftrag zu geben.

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