Der trockene Sommer war eine Strapaze für viele Pflanzen. Die Dortmunder Gartenarchitektin Ruth Müller verrät, was jetzt zu tun ist, und wie man den Garten auf den Winter vorbereitet.

Dortmund

, 05.10.2018 / Lesedauer: 6 min

Der Sommer ist vorbei. Das darf man sich jetzt im Oktober trauen zu schreiben. Auch wenn das nächste Hoch schon wieder milde Temperaturen für die nächsten Tage verspricht. Dieser Supersommer, mit viel Sonne, Dauer-Temperaturen von mehr als 30 Grad und kaum Regen, hat der Natur ordentlich zugesetzt, so schön er auch war. Viele Pflanzen haben gelitten, schon im Juni war der Rasen in etlichen Gärten vertrocknet, einige Bäume ließen Mitte des Jahres das erste Laub fallen.

Wer einen eigenen Garten hat, braucht jetzt vor allem ein wenig Geduld. Aber es gibt ein paar Hinweise, an denen sich erkennen lässt, ob eine Pflanze überlebt hat oder nicht. Ruth Müller ist Diplom-Ingenieurin für Landespflege, sie gestaltet Privat-Gärten, ist Mitglied bei den Rosen- und bei den Staudenfreunden und hält regelmäßig Fachvorträge. Die 53-Jährige hat einige Tipps für den richtigen Umgang mit dem heimischen Grün nach dem Supersommer:

1. Den Rasen in Ruhe lassen

In den allermeisten Gärten ist vom satten Rasengrün nicht mehr viel zu sehen. Die Halme sind vertrocknet, der Ausblick nicht besonders ansehnlich. Aber: Das wird wieder. „Der Rasen wird im Winter von alleine wieder grün“, sagt Ruth Müller. Alles, was man jetzt tun kann, ist, auf Regen zu warten.

Müller rät, den Rasen in Ruhe zu lassen, ihn nicht zu düngen und nur Regenwasser dranzulassen. „Wen man den Rasen jetzt düngt, wächst er zu stark“, sagt Müller. „Wenn es dann schneit, wird er matschig.“ Den Dünger sollten Hobbygärtner also erst im Frühjahr wieder auspacken.

Zudem, gibt Ruth Müller zu bedenken, könnten viele Flächen auch sinnvoller genutzt werden, als dort Rasen zu sähen. Denn ein Rasen sei immer großer Aufwand. So könne man zum Beispiel im Vorgarten auch Stauden und Bodendecker pflanzen, in den wenigsten Vorgärten würde der Rasen wirklich genutzt. „Wenn das gut gemacht ist, ist es viel weniger Arbeit“, sagt Müller.

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Chinaschilf ist eine Pflanzenart, die Trockenheit aushalten kann, sagt Ruth Müller. © Dieter Menne Dortmund

Den Rasen müsse man alle zwei Wochen mähen, die Bodendecker dagegen nur zweimal im Jahr von Unkraut befreien. Zudem sei diese Variante deutlich klimafreundlicher, weil Rasen viel schneller aufheizt. Stauden seien, anders als Rasen, auch noch insektenfreundlich. Wer darüber nachdenkt, Rasenfläche anderweitig zu nutzen, kann das ab jetzt bis Mai umsetzen – aber nicht bei Frost.

Wer den Rasen behalten, aber weniger Arbeit haben möchte, für den hat Ruth Müller auch einen Tipp: „Man kann die Kräuter im Rasen einfach zulassen“, sagt sie. Klee, Gänseblümchen und Co. seien auch Grün und keine Schädlinge.

2. Tote Nadelgehölze entfernen

Besonders Nadelbäume und -sträucher haben unter dem Sommer gelitten. Etliche Zypressen und Lebensbäume haben die Hitze nicht überlebt. „Wenn die Bäume jetzt braun sind, werden sie nicht wieder grün“, sagt Ruth Müller. Die Pflanzen seien nicht mehr zu retten und sollten deshalb jetzt entfernt und ersetzt werden.

Beim Nachpflanzen sei Folgendes zu beachten: entweder die Wurzeln der alten Bäume großzügig entfernen oder den neuen Baum nicht an die exakt gleiche Stelle pflanzen. Ab Mitte Oktober sei die beste Zeit, um mit dem Pflanzen zu beginnen, dann gebe es in den Baumschulen die größte Auswahl, sagt Ruth Müller.

Das gleiche gelte für Heidekräuter, von denen ebenfalls viele dem Sommer zum Opfer gefallen sind. Bei Bambus, der jetzt vertrocknet aussieht, gebe es keine Garantie, dass er wieder grün wird. Auch hier sollten Hobbygärtner eher über eine Neupflanzung nachdenken, rät Ruth Müller.

3. Bei Laubgehölzen bis zum Frühjahr warten

Bei Laubbäumen und -sträuchern sieht es etwas anders aus: Auch wenn sie jetzt mitgenommen aussehen, könne noch nicht mit Sicherheit gesagt werden, ob sie tot oder lebendig sind, sagt Ruth Müller. Wer unsicher ist, solle deshalb lieber bis zum Frühjahr warten.

Es gibt aber zwei Indikatoren: Wenn die Bäume sehr vertrocknet sind, ist die Rinde rissig und spröde. Am besten könne man es aber an den Knospen sehen, sagt Ruth Müller. Die haben sich schon gebildet. Sehen sie lebendig aus, ist es ein gutes Zeichen.

Erst im Frühjahr könne man erkennen, wo sich Blätter bilden und wo nicht. Die toten Stellen sollte man spätestens im April abschneiden, sagt Müller.

4. Hortensien und andere Stauden von braunen Blättern befreien

Braune Blätter haben jetzt auch sehr viele Hortensien. Diese sollte man einfach entfernen und auf den Kompost werfen – oder als Schutzschicht auf die Erde unter den Hortensien legen, rät Ruth Müller.

Auch hier ist Geduld gefragt: Erst im neuen Jahr lasse sich erkennen, ob die Pflanzen überlebt haben. Das gelte auch für Pflanzen wie Prachtspieren, die dieses Jahr sehr früh sehr braun geworden sind, sagt Müller. „Man kann auf neue Blätter hoffen. Je nach Witterungsverlauf kann das aber bis Mitte oder Ende April dauern.“

5. Trockenheit vorbeugen – durch Mulchen

Wer Trockenstress der Pflanzen für den nächsten Sommer vorbeugen möchte, kann das am besten durch Mulchen tun. Gehölze sollten mit organischen Mitteln gemulcht werden. Die einfachste, preiswerteste und beste Variante ist das Herbstlaub: Das kann man schreddern (zum Beispiel mit dem Rasenmäher drüber fahren) und auf den Boden unter den Pflanzen legen.

Alternativ könne man Laubkompost kaufen oder Gartenfaser, sagt Ruth Müller. Auch Rindenmulch sei eine Alternative, der entziehe dem Boden allerdings Stickstoff. Die Mulchschicht sollte mindestens fünf Zentimeter haben, um wirksam zu sein, sagt Müller.

Graulaubige Pflanzen, die für sonnige, heiße und trockene Standorte geeignet sind, werden besser mit mineralischen Mitteln gemulcht: grobem Sand, feinem Kies oder Splitt. Immergrüne Stauden sollten nicht zugedeckt werden. Im Gemüsebeet, dessen Boden in der Regel nicht abgedeckt wird, sollte man regelmäßig hacken.

Das Mulchen habe viele Vorteile: Im Winter schütze es die Pflanzen vor Frost, im Sommer vor dem Verdunsten. Es fördert Lebewesen und macht den Boden auf Dauer lockerer, sagt Ruth Müller.

6. Bei neuen Pflanzen auf die Auswahl achten

Wer jetzt neu pflanzt, sollte sich gut beraten lassen, rät Ruth Müller. So könne man gezielt darauf achten, Pflanzen auszuwählen, die Hitze und Trockenheit besser vertragen können. Das sind zum Beispiel Stauden mit grauem Laub, dicken, fleischigen Blättern oder einer ledrigen Oberfläche. Stauden mit weichen, dünnen und kräftig grünen Blättern hätten dagegen bei Hitze eher Probleme. In Staudengärtnereien gebe es oft Mischpakete, zum Beispiel Silbersommer, mit Stauden für sonnige, trockene Standorte.

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Auch die Fette Henne ist, wie hier im Rombergpark, zurzeit wunderschön anzusehen. Diese Pflanze kann an trockenen Standorten stehen. © Dieter Menne Dortmund

Generell sei der Standort ganz wichtig bei der Pflanzenwahl, sagt Ruth Müller. „Jede Pflanze hat ihren bevorzugten Standort.“ Den sollte man kennen, bevor man eine Pflanze pflanzt. Auf dem Etikett einer Pflanze stünden viele nützliche Infos. „Das also nicht sofort wegwerfen, sondern durchlesen und aufbewahren“, sagt Ruth Müller. Ansonsten lasse sich mithilfe des botanischen Namens einer Pflanze (sollte auch auf dem Etikett stehen) im Internet Einiges recherchieren. Im Übrigen könne man sich auch immer von einem Gartenexperten beraten lassen.

Wer Stauden pflanzen will, kann das noch bis Ende Oktober tun, dann erst wieder ab März. Gehölze können zwischen Mitte Oktober und Ende März gepflanzt werden, nur nicht, wenn der Boden gefroren ist.

7. Immergrüne Gehölze im Blick behalten

Wenn auch der Herbst sehr trocken bleibt, sollten immergrüne Pflanzen vom Hobbygärtner beobachtet beziehungsweise kontrolliert werden, rät Ruth Müller. „Wenn es nicht viel regnet, dann sollte man den Pflanzen noch einmal ordentlich Wasser geben, bevor es friert.“

8. Balkonkästen jetzt für den Herbst bepflanzen

Wer auf dem Balkon Kästen bepflanzt hat, sollte jetzt die Sommerpflanzen entfernen und durch Herbstpflanzen austauschen.

Viele Balkonblumen sind im Sommer trotz Gießens trocken geworden. Das könnte an der Blumenerde liegen, sagt Ruth Müller. „Wenn torfhaltige Blumenerde einmal trocken geworden ist, nimmt sie Wasser nicht mehr auf“, sagt sie. Da helfe es nur, den ganzen Kübel in Wasser einzuweichen. Sie rät, auf Blumenerde ohne Torf zurückzugreifen.

Wenn es jetzt kälter wird, sollten Blumenkübel nah an die Hauswand gestellt werden oder eingepackt werden, zum Beispiel indem man sie mit einem alten Jutesack umwickelt und dahinter als Puffer eine Schicht Herbstlaub steckt.

Mediterrane Pflanzen wie Oleander und Myrten sollten bei Kälte reingeholt werden, Oliven halten bis zu minus 5 Grad Celsius aus.

Die Dortmunder Staudenfreunde bieten in ihrer Gartenschule Praxisseminare und Vorträge zu Themen wie Pflanzung, Gestaltung und Pflege an. Der nächste Termin im Bildungsforum Schule, Natur und Umwelt im Rombergpark ist am 13. Oktober zum Thema „Langlebige und kurzlebige Stauden.“ Das Thema wird in Bild-Vorträgen von zweimal zwei Stunden behandelt. Die Kursgebühr für zwei Stunden beträgt 10 Euro. Im Anschluss kann bei Interesse ein weiteres zweistündiges Seminar zum Thema „Gehölzschnitt“ besucht werden. Weitere Infos auf der Website.
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