Ärger am Hafen: Schleuse Henrichenburg muss 2019 länger gesperrt werden als geplant

rnDortmunder Hafen

Bei den Betrieben am Dortmunder Hafen und bei der Hafen AG steigt der Puls: Die Schleuse Henrichenburg, einziger Schiffsweg nach Dortmund, muss 2019 länger gesperrt werden als angekündigt.

Dortmund

, 01.02.2019, 14:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Uwe Büscher, Vorstand der Dortmunder Hafen AG, mochte nicht glauben, was er vor wenigen Tagen las: Per Mail teilte die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) in Duisburg-Meiderich mit, dass die Henrichenburger Schleuse im Gegensatz zur vorherigen Planung im Sommer 2019 nicht vier, sondern gleich sechs Wochen außer Betrieb genommen werden muss; vom 15. Juni bis zum 31. Juli 2019. Danach geht die Schleuse für weitere zweieinhalb Monate in einen Notbetrieb über, bei dem Schiffe nur nachts für acht bis zehn Stunden geschleust werden. Tagsüber wird weitergearbeitet. 2020, auch das ist neu für die Hafenanlieger, soll die Schleuse vom 9. Mai bis 19. Juni 2020 dann zum dritten Mal vom Netz.

Hafen-Vorstand will Politik mobilisieren

Hafenvorstand Uwe Büscher hat die Nase gestrichen voll. „So geht das nicht mehr weiter.“ Rund 2200 Schiffe machen nach Angaben der Hafen AG jährlich an den zehn Becken fest. Jede Sperrung habe massive Folgen für die betroffenen Unternehmen, die ihre Lieferungen immer wieder umdisponieren müssten.

Büscher fürchtet, die ständigen Schleusensperrungen könnten mittel- und langfristig „negative Auswirkungen auf Standortentscheidungen von Unternehmen und damit auch für den Wirtschaftsraum Westfalen“ nach sich ziehen. „Wir haben zigfach auf die hohe Anfälligkeit der Schleuse hingewiesen, auch in Berlin“, ärgert sich Büscher. „Es scheint niemanden zu interessieren.“

Er sei nicht mehr überzeugt, „dass wirklich alles getan wird, um uns Planungssicherheit zu verschaffen.“ Es sei höchste Zeit, dass die Politik das Thema aufgreife. Aus diesem Grunde fordere er die Einberufung einer „Schleusenkonferenz“, an der neben dem Bundes-Schifffahrtsamt und den Hafenbetrieben auch die Politik teilnehmen solle.

Schifffahrtsamt rudert zurück

Was Büscher besonders wurmt: Nach der ersten Sperrung vom 3. bis 28. September 2018 hatte das Schifffahrtsamt die Dortmunder Hafen AG im Glauben gelassen, Phase I der Instandsetzungsarbeiten sei wie geplant erledigt. Tatsächlich teilte das WSV per mail vom 28. September 2018 mit: „Die Arbeiten der Grundinstandsetzung der Schleuse sind planmäßig verlaufen.“

Offenbar nicht. Jetzt rudert das Amt zurück und lässt wissen, dass die damals geplanten Rostschutzarbeiten am Untertor der Schleuse doch nicht ausgeführt werden konnten. „Sie mussten verschoben werden, weil wir Risse im Untertor entdeckt hatten“, sagt Tobias Knopp von der WSV. Da deren Reparatur dringlich gewesen sei, habe man die Arbeiten am Korrosionsschutz auf 2019 und 2020 verschoben. „Da ist in der Kommunikation etwas schiefgelaufen“, räumt Knopp ein.

Bei den Deutschen Gasrußwerken, die per Schiff mit Schweröl beliefert werden, ist man wenig amüsiert. Geschäftsführer Harald Baumgart spricht von „signifikanten Auswirkungen.“ Alle Transporte müssten dann über Straße und Schiene statt übers Wasser abgewickelt werden. Das könne die Kosten pro Tonne Schweröl um rund 50 Euro erhöhen, sagt Baumgart. Er hoffe sehr, dass die Gasrußwerke überhaupt in vollem Umfang beliefert werden könnten. „Alles andere wäre der Supergau.“

Santa Monika fürchtet weitere Umsatzeinbußen

Erneute Umsatzeinbußen fürchtet Annette Janssen, Betreiberin der Ausflugsschiffe Santa Monika I und II. Die Sperrung im September 2018 habe bereits „zu 70 Prozent Umsatzverlust“ geführt. „Die Fahrgäste wollen geschleust werden, das ist ja die Attraktion.“ Eine für 2019 geplante Kulturveranstaltung in Gelsenkirchen habe sie bereits absagen müssen. Sie habe gerade die Fahrpläne 2019 erstellt.„Jetzt kann ich wieder anfangen“, schimpft Annette Jannssen.

Hafen-Vorstand Büscher will das Hin und Her um die anfällige Schleuse nicht mehr hinnehmen. Er will das Thema bei einer Diskussionsveranstaltung mit NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst am Montag, 4. Februar in der Industrie- und Handelskammer (IHK) zur Sprache bringen. Montag, den 11. Februar, soll es dann richtig zur Sache gehen: Die Hafen AG lädt den Verein der Hafenanlieger, die betroffenen Unternehmen und Vertreter des Duisburger Schifffahrtsamtes zu einem freundlichen Austausch ins Alte Hafenamt.

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