Ärger bei DSW21 um Sicherheitsdienst bei BVB-Heimspielen

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Bei BVB-Einsätzen sind die Sicherheitsdienst-Mitarbeiter in Bussen und Bahnen besonders gefragt. Darum gibt es nun Streit zwischen DSW21 und dem Dienstleister. Die Vorwürfe wiegen schwer.

Dortmund

, 10.12.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie gehören in Stadtbahnen und Bussen inzwischen zum Alltag: Sicherheitsdienst-Mitarbeiter patroullieren an U-Bahnstationen und fahren in Nachtexpress-Bussen mit. Seit elf Jahren sind dafür Mitarbeiter der Firma Gülich aus Witten für DSW21 im Einsatz. Doch die gute Zusammenarbeit hat aktuell Risse bekommen.

Grund sind Kontrollen an BVB-Spieltagen, wenn gut 70 Gülich-Sicherheitskräfte für DSW21 im Einsatz sind.

Wer an den letzten BVB-Spieltagen an der Stadtbahnstation Hauptbahnhof genau hingeschaut hat, hat möglicherweise einen Unterschied bemerkt. Denn dort waren und sind nicht nur Sicherheitskräfte im Einsatz, auf deren Uniform-Jacken Gülich steht, sondern auch Beschäftigte des Sicherheitsunternehmens Securitas.

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Dahinter steckt ein seit Wochen schwelender Konflikt zwischen DSW21 und Gülich. Man sei mit dem Dienstleister „momentan überhaupt nicht zufrieden“, erklärt DSW-Sprecherin Britta Heydenbluth. Bei Gülich wundert man sich darüber.

Stichprobenkontrollen bei BVB-Heimspielen

Sie spricht von „Ungereimtheiten“ beim Einsatz der Gülich-Mitarbeiter, die erstmals bei Stichprobenkontrollen rund um das BVB-Heimspiel gegen den FC Barcelona am 17. September aufgefallen seien. Und auch bei den folgenden Heimspielen habe man feststellen müssen, dass die Leistungen „nicht im von uns geforderten Maße erbracht wurden“, berichtet die DSW-Sprecherin.

„Es wurden zum Teil Mitarbeiter eingesetzt, bei denen die für die Einsatzposition vorgesehene Qualifikation nicht vorhanden war und das polizeiliche Führungszeugnis und/oder der Sozialversicherungsnachweis nicht vorlag. Nicht alle Namenslisten zu den Einsätzen waren korrekt oder eindeutig. Von uns vorgegebene Schichtzeiten wurden von der Firma Gülich nicht eingehalten oder abgeändert, einzelne Positionen dadurch gar nicht besetzt“, listet Britta Heydenbluth die Vorwürfe auf.

Streit um Unterlagen

Man habe die fehlenden Unterlagen mehrfach schriftlich und mündlich eingefordert und bei den folgenden Heimspielen „verschärft kontrolliert“. Auch dabei habe man dann erneut „deutliche Abweichungen von den bestellten Leistungen“ festgestellt.

Wieder seien Kräfte eingesetzt worden, bei denen die nötigen Unterlagen fehlten. „Dies ist für uns aus Sicherheitsgründen nicht akzeptabel, zudem wären Arbeitsverhältnisse ohne Sozialversicherungsnachweise nicht mit unseren Leitlinien vereinbar“, erklärt Britta Heydenbluth.

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Bei Gülich kann man sich die Vorwürfe überhaupt nicht erklären und weist sie vehement zurück. „Nachweislich sind alle Unterlagen der Mitarbeiter vor Dienstantritt eingereicht worden“, erklärt Domenico Cirasola, Geschäftsführer der Gülich Sicherheitsdienste GmbH. „Wir haben immer Einblick in unsere Unterlagen gegeben.“ Und man arbeite mit DSW21 seit elf Jahren „harmonisch, partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammen.“

Sicherheit nie gefährdet

Einziger Streitpunkt könnten aus Sicht Cirasolas die Sozialversicherungsnachweise sein. Darauf habe DSW zwar vertraglich Anspruch. Ein Hindernis sei aber die neue europäische Datenschutz-Grundverordnung, erklärt Cirasola. Deshalb dürfe man nicht ohne Weiteres Einsicht gewähren.

Dass einzelne Positionen bei BVB-Einsätzen nicht besetzt gewesen sein, könne allenfalls für kurze Zeit vorkommen, etwa, wenn Mitarbeiter ausfallen oder sich verspäten. Nicht zuletzt könne auch die Einsatzlage vor Ort eine Verlagerung von Mitarbeitern erfordern. „Die Sicherheit ist bei den Einsätzen aber zu keiner Zeit gefährdet gewesen“, sagt der Gülich-Geschäftsführer.

Zusätzliche Sicherheitskräfte

DSW21 hat indes Konsequenzen gezogen und sechs zusätzliche Mitarbeiter der Firma Securitas bestellt, die bei den noch ausstehenden Heimspielen des BVB in der Hinrunde für Absperrungen am Hauptbahnhof eingesetzt werden - auch beim Champions-League-Spiel am Dienstag (10.12.) gegen Sparta Prag und am 17. Dezember beim Bundesliga-Spiel gegen RB Leipzig.

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Die Securitas-Mitarbeiter seien für ihren speziellen Einsatz von DSW qualifiziert worden, inklusive Brandschutz- und Tunneleinweisung, betont Britta Heydenbluth.

Der Einsatz der Securitas-Mitarbeiter könnte aber auch ein weiterer Konfliktpunkt zwischen DSW und Gülich sein. „Nach unserer Rechtsauffassung ist eine Beauftragung von Fremddienstleistern nicht zulässig“, erklärt Cirasola.

Auftrag wird neu ausgeschrieben

Generell kommt für Gülich der Streit mit Auftraggeber DSW21 zur Unzeit. Denn zum 1. Juni nächsten Jahres werden die Service- und Sicherheitsleistungen bei Bus und Bahn von DSW für vier Jahre neu vergeben. Die europaweite Ausschreibung soll noch in diesem Monat veröffentlicht werden. Immerhin geht es dabei um einen Auftrag von gut 4 Millionen Euro im Jahr.

Spekulationen, DSW wolle schon jetzt Gülich herausdrängen, weist Heydenbluth entschieden zurück. Die aktuellen Maßnahmen stünden „in keinem Zusammenhang mit einer (möglichen) späteren Gesamtbeauftragung“, teilt die DSW-Sprecherin mit. Und auch Domenico Cirasola erklärt: „Wir haben ein großes Interesse daran, weiterhin vertrauensvoll und partnerschaftlich mit DSW21 zusammenzuarbeiten.“

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