Die EDG-Zentrale am Sunderweg: Haben sich die Gemüter wieder beruhigt? © Beushausen
Entsorgung Dortmund

Ärger um anonyme Brandbriefe bei der EDG: Nun ist klar, wer sie verteilt hat

Mit Videokameras wollte die EDG „aufmüpfigen“ Mitarbeitern auf die Schliche kommen. Und herausfinden, wer auf dem Betriebsgelände anonyme Brandbriefe verteilt. Jetzt sind die Aufnahmen ausgewertet.

Es war nicht das erste Mal, dass Teile der EDG-Belegschaft mit anonymen Schreiben auf tatsächliche oder vermeintliche Missstände beim kommunalen Entsorger hinweisen wollten. Im August aber wurde es EDG-Arbeitsdirektor Bastian Prange zu viel: Da waren plötzlich als „Hilferuf“ deklarierte Brandbriefe an die SPD-Ratsfraktion in Umlauf.

Die Vorwürfe wogen schwer: Wer Dinge hinterfrage, werde mit „arbeitsrechtlichen Konsequenzen bedroht“ und unbequeme Mitarbeiter „gezielt krank gemacht“. Deutlicher, hieß es, könne man „Führungsversagen nicht dokumentieren“. Namen wurden dabei allerdings ausgespart.

Da die anonymen Schreiben auch innerhalb des Betriebes beziehungsweise auf dem Betriebsgelände kursierten, griff Arbeitsdirektor Bastian Prange zu einer eher ungewöhnlichen Gegenwehr: Er kündigte an, gemeinsam mit dem EDG-Betriebsrat die Aufnahmen der Videokameras auszuwerten, die das Geschehen aufzeichnen.

Müllwagenfahrer erhält eine „Ermahnung“

Der Betriebsrat hatte der Maßnahme vorab zugestimmt. Was in Teilen der EDG-Mannschaft erst recht für Stirnrunzeln gesorgt hatte – aber bei der jüngsten Betriebsversammlung am Dienstag (28.9.) kein großes Thema gewesen sein soll, wie es heißt. Tatsächlich sind die Videobänder inzwischen gesichtet und ausgewertet – die Ergebnisse wurden sogar einer Kanzlei zur Bewertung vorgelegt.

Zwar mussten sich gleich mehrere Mitarbeiter bei der EDG einer internen Befragung unterziehen – am Ende aber wurde allein ein Müllwerker identifiziert. Er ist Fahrer eines Müllfahrzeugs und soll die fraglichen Schreiben während der Arbeitszeit verteilt und auch in die Müllwagen gelegt haben.

„Das ist nicht zu tolerieren“, erklärt EDG-Arbeitsdirektor Prange auf Anfrage. Es gebe andere Möglichkeiten der Meinungsäußerung. Ein Rückgriff auf Betriebsmittel gehöre nicht dazu, so Prange.

Dennoch habe man Milde walten lassen: „Wir haben mit dem Betroffenen gesprochen und es bei einer Ermahnung belassen“, bilanziert der Arbeitsdirektor. „Wir hätten auch zu härteren Maßnahmen wie Abmahnung oder Kündigung greifen können.“ Der Betroffene habe sich aber „einsichtig gezeigt“.

Kehrt nun wieder Ruhe in die Belegschaft ein?

Eine „Ermahnung“ gilt als kleine Schwester der „Abmahnung“. Sie zieht aber arbeitsrechtlich keine weiteren Konsequenzen nach sich. Dem betroffenen Müllwagenfahrer dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein – die Nachricht, dass sich gegen ihn etwas zusammenbraue, hatte ihn ausgerechnet während seines Urlaubs im Ausland erreicht.

„Es muss einfach Grenzen geben“, sagt Prange, der sich zudem gegen die Behauptung wehrt, die EDG habe mit hohen Krankenständen zu kämpfen. „Unsere Quote beträgt rund vier Prozent“, gibt Prange an. Bundesweit liege sie in der Entsorgungswirtschaft bei rund zehn Prozent.

Insgesamt sei der Vorfall für ihn nun erledigt. „Aus meiner Sicht ist der Deckel drauf“, so Prange. Er gehe davon aus, dass wieder Ruhe einkehre. Das bleibt abzuwarten: 2022 stehen bei der EDG Betriebsratswahlen an. Bislang gilt dort die Gewerkschaft Verdi als Platzhirsch.

Die Konkurrenz hat sich aber schon angekündigt: Die Gewerkschaft Komba will mit einer eigenen Kandidatenliste antreten – und zum ersten Mal Komba-Leute in den EDG-Betriebsrat schicken. Arbeitsdirektor Prange hatte in der Vergangenheit erklärt, er wünsche sich durchaus „ein streitbares Gremium“. Wichtig sei, dass alle die Regeln einhielten und „nicht unter die Gürtellinie zielen.“ Prange ist Verdi-Mitglied.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Jahrgang 1961, Dortmunder. Nach dem Jura-Studium an der Bochumer Ruhr-Uni fliegender Wechsel in den Journalismus. Berichtet seit mehr als 20 Jahren über das Geschehen in Dortmunds Politik, Verwaltung und Kommunalwirtschaft.
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